Dienstag, 28. Januar 2020

Druck auf Autohersteller wächst Warum der VW-Abgasskandal für Daimler, Opel und Co. jetzt brandgefährlich wird

5. Teil: Der springende Punkt: Gehen die Motoren durch die Abgasreinigung kaputt?

Motor auf dem Prüfstand: Was halten die Aggregate aus?

Daimler begründet das Herunterregeln der Abgassysteme unter zehn Grad Celsius Außentemperatur in einer Pressemitteilung so: Die Abgasnachbehandlung wird je nach Betriebszustand "flexibel geregelt, um den Motorschutz und den sicheren Betrieb des Fahrzeugs zu gewährleisten". Damit könne Daimler die rechtliche Vorgabe erfüllen, nach der die Abgasnachbehandlung eines Motors mindestens 160.000 Kilometer lang voll einsatzfähig sein muss. Im Klartext: Ohne Abschaltung hält die Anlage die geforderte Laufleistung nicht in vollem Umfang durch.

Das sieht die Umweltorganisation ICCT, die an der Aufdeckung des VW-Abgasskandals maßgeblich beteiligt war, anders. "Es gibt keinen Grund, die Stickoxid-Kontrollsysteme unter zehn Grad Celsius abzuschalten", erklärt ICCT-Forscher Vicente Franco in einem Interview. Hersteller hätten argumentiert, dass sonst die Dieselmotoren kaputtgehen würden. Doch aus Francos Sicht "gibt es dafür keine technische Rechtfertigung".

Unabhängige Technikexperten wundern sich ebenfalls über die Erklärungen des Stuttgarter Autobauers. "Es gibt keine technische Erklärung dafür, dass sich die Abgaswerte zwischen Labor und Straße so stark unterscheiden", meint etwa Professor Kai Borgeest vom Zentrum für Kfz-Elektronik und Verbrennungsmotoren der Universität Aschaffenburg gegenüber dem TV-Magazin Frontal21.

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