Sonntag, 21. April 2019

Tavares prescht vor Peugeot-Chef will Schweigekartell zum Spritverbrauch brechen

PSA Group-Chef Carlos Tavares lässt seine Autos von einer Umweltlobbygruppe testen, um Kundenvertrauen zurückzugewinnen
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PSA Group-Chef Carlos Tavares lässt seine Autos von einer Umweltlobbygruppe testen, um Kundenvertrauen zurückzugewinnen

Seit Monaten steht der Volkswagen-Konzern wegen seiner Manipulationen von Selbstzünder-Motoren am Pranger. Der lange als sparsam und sauber angepriesene Dieselmotor gilt nun bei vielen Konsumenten als Umweltverschmutzer. Das könnte nicht nur Volkswagens Absatzplanung über den Haufen werfen, sondern auch die der Konkurrenz.

Die Chefs von Daimler, BMW und Opel haben deshalb öffentlich geschworen, keine verbotenen Abschalteinrichtungen für die Abgasreinigung einzusetzen. Allerdings haben sie es nicht allzu eilig, Autokäufern Werte zu Spritverbrauch und Emissionen zu liefern, die diese auch bei Alltagsfahrten einhalten können. Erst 2017 soll es strengere, von der EU vorgeschriebene Abgastests geben. Über das gesetzlich geforderte Mindestmaß will aber kein deutscher Hersteller hinausgehen.

Carlos Tavares ist seit April 2014 Chef des Autohersteller PSA Group.

Das sei ein Fehler, warnt Carlos Tavares, Chef von Europas zweitgrößtem Autohersteller PSA Group Börsen-Chart zeigen mit den Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles. "Unser Standpunkt ist, dass wir uns jetzt zuerst mit den Kundenerwartungen in Einklang bringen müssen", sagte er zu manager magazin online bei einem Gespräch in kleiner Runde mit deutschen Journalisten in Köln.

Autokäufer erwarten nun realistische Angaben zu Spritverbrauch, CO2- und Stickoxid-Emissionen. "Es gibt keine Zukunft für ein Unternehmen, das hier nicht transparent und fair ist", meinte Tavares.

Peugeot lässt Umweltlobbyisten seine Autos testen

PSA lässt seine Autos deshalb nun freiwillig von der Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) testen, die seit mehreren Jahren mit Studien die wachsenden Unterschiede zwischen offiziellen Verbrauchsangaben und im Alltag festgestellten Spritverbräuchen anprangert.

Die Tester mieten ihre Testfahrzeuge bei Autovermietern und Leasinggesellschaften an und fahren mit den Wagen rund anderthalb Stunden eine Testrunde ab. Diese ist 100 Kilometer lang und führt über Autobahnen, durch den Stadtverkehr und über Landstraßen fernab von jeglichem Prüfstand.

Dabei werden die Emissionen und Verbrauchswerte von einem mobilen Gerät gemessen. Die Tests lässt PSA von dem Prüfinstitut Bureau Veritas zertifizieren. Erste Ergebnisse hat PSA bereits im März vorgelegt, bis zum Sommer wollen die Franzosen für sämtliche ihrer aktuell angebotenen Modelle detaillierte Angaben und Testprotokolle vorlegen.

PSA-Konkurrenz scheut vor T&E-Tests zurück

"Man muss den Konsumenten die realen Zahlen für den Spritverbrauch geben", meinte Tavares. Auf der Website von T&A können PSA-Kunden künftig fortlaufend die Verbrauchswerte überprüfen.

Er habe auch anderen Herstellern angeboten, sich an diesen Tests durch T&E zu beteiligen, sagte Tavares. Einige hätten abgewunken, andere wollten die Tests nur anonymisiert durchführen lassen. Er hoffe aber, dass sich PSAs Testverfahren zu einer Art Branchen-Gütesiegel entwickle - ähnlich dem Euro NCAP-Crashtest vor 20 Jahren, meinte der 57-jährige Manager.

Zwar sei der Skandal um manipulierte Verbrauchswerte bei Dieselmotoren vor allem ein Volkswagen-Skandal, sagte Tavares. Doch PSA ist Europas Autohersteller mit dem niedrigsten CO2-Flottenverbrauch, was die Franzosen auch einem hohen Anteil an Dieselfahrzeugen verdanken. Die Zweifel der Konsumenten am Selbstzünder "treffen uns am meisten", gab Tavares zu.

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