Abgas-Kartell der Lastwagenhersteller EU bereitet Rekordstrafe gegen Daimler und Co. vor

Lkw-Stau in Hamburg: Herstellern drohen wegen Absprachen Milliardenstrafen

Lkw-Stau in Hamburg: Herstellern drohen wegen Absprachen Milliardenstrafen

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

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Der Abgasskandal bei Personenwagen ist für die europäische Autoindustrie schon ärgerlich genug - doch nun droht Daimler und Co. teurer Ungemach bei Lastwagen: Aufgrund der illegalen Absprachen bei Verbrauch und Preisen bereitet die Europäische Kommission eine Milliardenstrafe gegen Lkw-Produzenten in Rekordhöhe vor, berichtet die "Financial Times" (FT) .

Demnach haben die beschuldigten Hersteller DAF, Daimler  , Iveco , Scania, MAN  und Volvo  /Renault  bereits insgesamt Rückstellungen in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar gebildet. DAF hat 945 Millionen Dollar zurückgestellt, Daimler 600 Millionen, Iveco 500 Millionen und Volvo 444 Millionen Dollar. Als Tippgeber kommt MAN - eine Tochter des Volkswagen-Konzerns - um eine Strafzahlung herum. Scania hat bisher nicht vorgesorgt, hält eine Strafe nach eigenen Angaben aber für möglich.

Europaweit 600.000 Speditionen geschädigt

Die Ermittlungen der EU-Kommission sind bereits seit 2014 bekannt, als die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Vorwürfe öffentlich machte. Die Behörde unterstellt den Herstellern, sich bei der Einführung neuer Emissions-Technologien hinsichtlich Preis und Zeit abgesprochen zu haben.

Darunter hätten europaweit 600.000 Speditionen und die Verbraucher gelitten. Denn die Absprachen hätten mittelbar Waren aller Art verteuert.

Wie hoch die Strafen letztlich ausfallen, ist noch unklar. Die EU wird sie laut FT noch in diesem Jahr verkünden, möglicherweise schon in den nächsten Wochen. Theoretisch können die Bußen bis zu einem Zehntel des Umsatzes der Firmen betragen - und damit bis zu 10,7 Milliarden Dollar für alle betroffenen Lkw-Hersteller.

Die bisherige Rekordstrafe der EU für Kartellvergehen liegt bei 1,4 Milliarden Euro für Hersteller von Röhren für Fernseher und Monitore. Sie wurde 2012 verhängt. Vestager hat das Vorgehen gegen die Lastwagenhersteller bereits mit spektakulären Maßnahmen gegen Google und Gazprom verglichen.

Die Lkw-Hersteller wollen laut FT mit der Behörde kooperieren. Die EU-Kommission kommentierte den FT-Bericht nicht.