Montag, 18. November 2019

Abgasskandal schüttelt VW-Konzern durcheinander Interne Ermittler verhören Audi-Chef Stadler

Rupert Stadler

Im VW-Abgasskandal gerät Audi-Chef Rupert Stadler ins Visier der internen Ermittler. Der Boss der VW-Tochter soll von Spezialisten der Kanzlei Jones Day befragt werden. Er soll früher von den Manipulationen gewusst haben.

Im Dieselskandal haben Zeugen aus dem Volkswagen-Konzern Audi-Chef Rupert Stadler belastet. Die Spezialisten der Kanzlei Jones Day, die der VW-Aufsichtsrat mit der Aufklärung beauftragt hat, wollen Stadler ausführlich dazu befragen, wann er von dem Einsatz der verbotenen Software für die Motorsteuerung erfahren hat.

Für die Befragung sind mehrere Stunden vorgesehen. Zeugen hatten angegeben, der Audi-Chef habe bereits im Jahr 2010 von den Manipulationen Kenntnis bekommen. Ein Audi-Sprecher sagte auf Nachfrage: "Kein Kommentar."

Der studierte Betriebswirt Stadler ist seit 2007 Chef der Konzernmarke Audi. Er hat sie zu Beginn seiner Amtszeit erfolgreich geführt, musste sich in den vergangenen Jahren jedoch vorwerfen lassen, dass Audi nicht mehr für "Vorsprung durch Technik" steht, wie die Marke in der Werbung versprach. Weil Audi neben Porsche aber die profitabelste Marke des Konzerns ist und hohe Gewinne einfährt, war Stadler bislang unangefochten.

Seit Beginn der Affäre vor einem Jahr hatte bereits die die Audi-Topmanager Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch ihre Posten räumen müssen.

Die Folgen des Dieselskandals sind in den vergangenen Monaten zunehmend zu einer Bedrohung für Audi geworden. Im Gegensatz zu Volkswagen ist es Audi noch nicht gelungen, sich mit den US-Behörden darauf zu einigen, wie die von der Betrugssoftware betroffenen Audi-Motoren umgerüstet werden können.

Dies betrifft 85.000 Drei-Liter-Motoren, die in Audi-, Volkswagen- und Porsche-Modellen eingebaut sind. Der Vorschlag von Audi zur Nachrüstung wurde von den US-Behörden als unzureichend und unvollständig zurückgewiesen. Möglicherweise muss der VW-Konzern diese Fahrzeuge von den Kunden zurückkaufen, was Kosten von zwei bis drei Milliarden Euro verursachen würde.

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