Autobauer-Allianz Renault und Nissan rücken noch enger zusammen

Rund 15 Jahre nach Beginn ihrer Zusammenarbeit rücken Renault und Nissan so eng zusammen wie nie zuvor. Der gemeinsame Konzernchef Carlos Ghosn will durch ein gebündeltes Team für Produktion, Forschung, Einkauf und Personal die Ausgaben bis 2014 um rund 4 Milliarden Euro drücken.
Carlos Ghosn: Gemeinsames Management-Team soll Milliarden sparen

Carlos Ghosn: Gemeinsames Management-Team soll Milliarden sparen

Foto: © Babu Babu / Reuters/ REUTERS

Paris - Der französische Autobauer und sein japanischer Partner kündigten am Montag an, künftig in einem neuen Management-Team Produktion, Forschung, Einkauf und Personalführung zu bündeln. Der gemeinsame Konzernchef Carlos Ghosn will so bis 2016 die Ausgaben um mindestens 4,3 Milliarden Euro reduzieren.

Die vertiefte Allianz soll zudem den Rückstand in der Produktion gegenüber Volkswagen  und Toyota  wettmachen. Renault  und Nissan  haben bereits ihre Fertigungsketten verzahnt, Kritikern zufolge aber in der eher lockereren Partnerschaft der vergangenen Jahren Sparpotenzial verschenkt.

Ghosn schickt die Chefs der vier neuen Abteilungen im April an den Start. Von der neuen Organisationsstruktur verspricht er sich einen "sofortigen Anstieg der Effizienz". Die Marken beider Autobauer blieben aber erhalten, betonte der Konzernlenker. Eine vollständige Fusion wäre problematisch. Schließlich habe jetzt erst die langjährige Entwicklung der gemeinsamen Unternehmenskultur eine friedliche Integration ermöglicht.

Nissan produziert doppelt so viele Fahrzeuge wie Renault

Renault hatte Nissan 1999 vor der Pleite gerettet und hält gut 43 Prozent an dem japanischen Unternehmen. Nissan wiederum ist zu 15 Prozent an Renault beteiligt. Nissan produziert inzwischen doppelt so viele Fahrzeuge wie die Franzosen, die mit Absatzproblemen zu kämpfen haben. Renault war im abgelaufenen Jahr operativ in die roten Zahlen gerutscht. Der japanische Partner profitierte hingegen vom schwachen Yen, der das Export-Geschäft beflügelt.

Den Massen-Herstellern macht die schwache Pkw-Nachfrage in Europa zu schaffen. Viele von ihnen suchen deswegen ihr Heil in Allianzen, um die Kosten zu senken. Im Vergleich zu Fiat und Chrysler, die ihre Verschmelzung schneller vorangetrieben haben, haben Renault und Nissan nach Einschätzung von Analysten und Branchenkennern Chancen verpasst - vor allem durch die jahrelang getrennte Arbeit bei Zukunftsprojekten wie Elektro-Autos.

Die neue Allianz werde nun zeigen, ob die lange Annäherungsphase Früchte trage. "Renault und Nissan sind wie ein Ehepaar nach 15 Jahren", sagte Auto-Analyst Takaki Nakanishi. "Jeder macht zu Hause sein eigenes Ding, aber getrennt können sie nicht überleben."

la/dpa/ap