Freitag, 20. September 2019

Elektromobilität Auto paradox - besser, billiger, weniger

BMW i3: Die deutschen Hersteller werfen die reine Lehre über den Haufen - und bieten neue Technik nicht zuerst in Premiummodellen, sondern in günstigeren Varianten an

Kann das die Zukunft sein? Elektroautos und Plugin-Hybride werden immer besser. Insbesondere die deutschen Hersteller mühen sich, ihre Öko-Angebote durch niedrige Preise attraktiver zu machen. Gleichzeitig greift der Elektro-Realismus um sich: die meisten Autokonzerne senken ihre Produktionsziele.

Teslas Stromlimousine Model S schlägt Diesel- und Benzinkonkurrenten in Tests. Modelle wie der Nissan Leaf oder Opels Ampera verkaufen sich zwar nur schleppend, haben sich aber qualitativ bislang voll bewährt. Und BMW Börsen-Chart zeigen bringt im November sein Elektromodell i3 in den Handel - und will in Leipzig schon 2014 fast 40.000 Stück bauen.

"Die meisten Anbieter beschränken sich weiter auf ein oder zwei Modelle", sagt der bei der Strategieberatung Roland Berger auf Elektromobilität spezialisierte Partner Wolfgang Bernhart. "Aber die angebotenen Fahrzeuge haben technisch inzwischen fast überall Serienreife." Der unter Bernharts Führung entwickelte und von Berger und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrzeugwesen Aachen quartalsweise ermittelte Index Elektromobilität bestätigt diesen Trend insbesondere für die deutschen Hersteller.

Insgesamt belegt der Index in seiner dritten Auflage allerdings eine erstaunliche Entwicklung: Die Elektroautos (rein batteriegespeiste und über Elektro- plus Verbrennungsmotor angetriebene Plugin-Hybride) werden besser. Sie werden gleichzeitig billiger. Aber die Hersteller streichen ihre Produktionspläne zusammen, bauen deutlich weniger Ökoautos als sie sich selbst einmal vorgenommen hatten.

BMW i3 und Nissan Leaf - zwei Beispiele für Niedrigpreispolitik

Bestes Beispiel für den Trend hin zum Billiger sind der BMW i3 und der Nissan Leaf, der eine frisch präsentiert und noch nicht einmal im Handel, der andere inzwischen bewährt und schon seit 2010 im Angebot.

BMW bietet den i3 in der Basisversion schon ab 35.000 Euro an - und damit nicht nur rund 5000 Euro billiger als allgemein erwartet, sondern auch zu einem für ein neues Modell mit Carbon-Karosserie fast schon ruinös anmutenden Preis. Nissan hat in diesem Jahr den Einstiegspreis für den Leaf, die staatliche Förderung von bis zu 7500 Dollar noch nicht eingerechnet, in den USA um fast 20 Prozent auf 28.800 Dollar gesenkt.

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