Freitag, 28. Februar 2020

Auto Europa Von Staaten und Jokern

Hoffnungsträger BMW i3: Bislang kaufen nur Kunden in Japan, den USA und Frankreich Elektromobile in größeren Mengen

Was ist aus der Elektromobilität geworden? Eine Revolution hatte die Autoindustrie ausgerufen und versprochen, im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Davon ist wenig geblieben. Der "Index Elektromobilität" lässt dennoch Raum zur Hoffnung.

Noch ist der Absatz sehr übersichtlich: 2956 Elektroautos verkaufte die Branche 2012 in Deutschland. Auch die Verkaufszahlen von Januar bis April 2013 deuten nicht gerade auf einen Verkaufsboom hin. Wolfgang Bernhart, Automobilexperte der Unternehmensberatung Roland Berger, sieht im Interview mit manager magazin online trotzdem nicht schwarz. Sein Index Elektromobilität lässt Raum zur Hoffnung.

mm: Herr Bernhart, im Vergleich vor allem zu Japan und teilweise auch zu Südkorea scheint das Geschäft mit der Elektromobilität hierzulande noch arg unterentwickelt. Wie schwierig wird es für die deutschen Unternehmen, diesen Rückstand aufzuholen?

Bernhart: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Schauen Sie sich zunächst die gesamte Industrie an, also inklusive Zulieferern und sogar Batterieproduzenten. Da liegen Japan und die USA deutlich vorne, und auch Korea rangiert vor der deutschen Automobilbranche. Ähnlich ist es mit dem Absatz von Elektroautos. Auch hier gilt: Japan ist die führende Nation. Ansonsten kaufen nur die Kunden in den USA und Frankreich Elektromobile in größeren Mengen.

mm: Japaner und Amerikaner als die neuen Grünen?

Bernhart: Nicht wirklich: In Japan hat sich Toyota den Markt mit dem sehr frühen Hybridmodell Prius selbst geschaffen; in den USA hat die Regierung unter Präsident Barack Obama sowohl Entwicklung als auch Produktion und Absatz mit entsprechenden Fördermaßnahmen massiv angeschoben.

mm: Wie gravierend ist die Zurückhaltung der Deutschen - inklusive der mangelnden Subventionierung durch die Bundesregierung - für die heimischen Hersteller?

Bernhart: Deutsche Autobauer verkaufen längst viel mehr Autos im Ausland als auf dem Heimatmarkt. Insofern wundert es kaum, dass sie auch weniger Elektroautos in Deutschland verkaufen. Andererseits macht es ausländische Kunden oft stutzig, wenn ein Unternehmen auf dem Heimatmarkt keine guten Verkaufszahlen vorweisen kann.

mm: Wenn Sie sich die Entwicklung der Elektromobilität insgesamt anschauen: Wo können die Deutschen mithalten?

Bernhart: Vor allem im vielleicht wichtigsten Segment unseres gemeinsam mit der Aachener Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen entwickelten Index Elektromobilität: der Technologie. Da bewerten wir zum einen die Leistungsfähigkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Autos, aber auch die Programme, mit denen die nationalen Regierungen Forschung und Entwicklung unterstützen. Gerade im Preis-Leistungsverhältnis schneiden die Angebote der deutschen Hersteller im weltweiten Vergleich sehr gut ab.

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