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Gebrauchtwagenmarkt: Sportlich in den Frühling -oder lieber billig?

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Gebrauchtwagenmarkt "Wer jetzt einen flotten Flitzer kauft, liegt richtig"

Während der Neuwagenmarkt in Deutschland stagniert, blüht der Gebrauchtwagenhandel auf. Malte Krüger, Chef des Autohandelsportals mobile.de, über optimale Kaufzeitpunkte, die Vorteile des Onlinehandels - und seine geplante Neuwagenplattform.

mm: Herr Krüger, bei Neuwagen gilt der Frühling als besonders beliebte Zeit für den Autokauf. Stimmt das auch für Gebrauchtwagen?

Krüger: Ja, in den klassischen Automonaten steigen auch unsere Suchanfragen. Vom Februar bis Mai geht es bei uns hoch her. Allerdings sind die Ausschläge nicht mehr so stark wie noch in den vergangenen Jahren. Und in den letzten Wochen spüren wir den verspäteten Frühling. Wenn so lange Schnee liegt, inspiriert das nicht gerade zum Autokauf.

mm: Im November und Dezember verkaufen Händler ihre Neuwagen oft mit besonders hohen Rabatten, um noch ihre Jahresziele zu erreichen. Gibt es solche günstigen Kauf-Zeitpunkte auch bei Gebrauchtwagen?

Krüger: Eigentlich gibt es im Schnitt keinen besonderen Monat, in dem Käufer zuschlagen sollten. Da die Preisentwicklung im Detail von Segment zu Segment abweicht, gibt es keinen Monat, in dem alle Fahrzeuge sehr günstig angeboten werden. In den Jahren 2010 bis 2012 war der November der Monat mit den höchsten Durchschnittspreisen. Möglicherweise liegt das daran, dass die Tageszulassungen der Händler im November besonders hoch sind. Diese zählen auf unserer Plattform zu den Gebrauchtwagen und das dürfte die Preise etwas nach oben treiben.

mm: Frühlingsschnäppchen bieten ihre Händler also nicht mal für bestimmte Fahrzeugtypen an?

Krüger: Im Segment Sportwagen sind die Preise in den vergangenen Jahren immer zwischen März und Mai um rund zwei Prozent gesunken. Wer jetzt einen flotten Flitzer kaufen will, liegt richtig.

mm: Üblicherweise gewähren Autohändler im Frühling weniger Rabatt auf Neuwagen. In diesem Jahr ist das anders, die Zahl der Rabattaktionen stieg im März auf einen neuen Höchststand. Beeinflusst das auch die Preise für Gebrauchtwagen?

Krüger: Seit dem Jahr 2010 ist die Nachfrage nach Gebrauchten ungebrochen hoch. Im Sommer 2012 gab es zwar einen kleinen Rückgang, doch seither steigen die Preise für Gebrauchtwagen an. Aktuell liegt der Durchschnittspreis aller auf mobile.de angebotenen Gebrauchtwagen bei 18.368 Euro, das sind 0,3 Prozent mehr als im März. Das liegt auch daran, dass im Schnitt die Laufleistung und das Alter der Gebrauchtwagen sinken. Damit steigt der Preis.

mm: In Italien und Spanien ist der Autoabsatz im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Wirkt sich das auch auf den deutschen Gebrauchtwagenmarkt aus?

Krüger: Knapp ein Drittel der Nachfrage auf mobile.de kommt aus dem Ausland. Dass der Markt in Italien zusammenbricht, spüren wir auch auf unserer italienischen Plattform automobile.it. Allerdings kommt nur acht Prozent der Nachfrage auf unserer deutschen Seite aus Südeuropa. Das wird kompensiert durch Käufer aus Osteuropa. Je ein Viertel der Anfragen aus dem Ausland entfällt traditionell auf Polen und Rumänien. Zurzeit steigt auch die Zahl der Käufer aus Russland, der Ukraine und der Tschechischen Republik.

mm: Experten werten die anhaltend hohen Neuwagenrabatte als Schwächezeichen für den deutschen Automarkt. Was erwarten Sie für 2013?

Krüger: Im Neuwagenbereich wird das mit Sicherheit ein herausforderndes Jahr. Doch in Deutschland bleibt der Automarkt auf einem stabilen, hohen Niveau von 2,9 bis 3 Millionen Neuzulassungen. Im Jahr 2011 wurden auf mobile.de Fahrzeuge im Wert von 35,9 Milliarden Euro gehandelt, im Jahr 2012 haben wir voraussichtlich ähnlich gut abgeschnitten. In diesem Jahr lief das Geschäft bisher wegen des verzögerten Frühlings etwas schleppend. Doch für das Gesamtjahr bin ich sehr optimistisch, auch weil die Preise weiterhin nach oben gehen.

Eigene Neuwagenplattform startet Ende des Jahres

mm: mobile.de bietet seit einiger Zeit auch fabrikneue Fahrzeuge an. Schlägt die schwierige Lage auf dem deutschen Automarkt bereits auf ihr Geschäft im Neuwagenbereich durch?

Krüger: Nein. Rund 150.000 unserer 1,4 Millionen Anzeigen entfallen auf Neuwagen, und das Angebot steigt in letzter Zeit deutlich. Das wollen wir künftig ausweiten.

mm: Das heißt, sie planen eine eigene Plattform nur für den Neuwagenhandel?

Krüger: Wir werden damit voraussichtlich zum Ende des Jahres offiziell starten. Auch beim Neuwagenkauf informieren sich Kunden immer häufiger via Internet. Allerdings will der Großteil von ihnen auch weiterhin beim stationären Handel kaufen. Wir sind für unsere Händler ein guter Partner. Die mobile.de-Nutzer werden aber nicht nur die Preise, sondern auch die Leistungen der Händler deutschlandweit vergleichen können.

mm: Was bedeutet das konkret?

Krüger: Bei uns werden die Nutzer viele Informationen über den Händler finden. Etwa, seit wann es den Händler gibt, welche Mitarbeiter für welche Marken zuständig sind und ob es einen angeschlossenen Servicebetrieb gibt. Im Onlinebereich ist es aber auch entscheidend, schnell auf E-Mail-Anfragen zu reagieren. Händler, die bei unserer Neuwagenplattform mitmachen, müssen auch innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf Anfragen antworten. Da werden wir entsprechende Kriterien einführen, um den Kunden den bestmöglichen Service zu bieten.

mm: Zurück zum Gebrauchtwagenhandel. mobile.de gibt es nun seit 17 Jahren. Wie hat sich der Gebrauchtwagenmarkt in dieser Zeit verändert?

Krüger: Das Geschäft wandert immer mehr ins Internet. So gut wie alle Gebrauchtwagenkäufer informieren sich heute vorab auf Onlineplattformen. Käufer können so rund um die Uhr Preise viel besser vergleichen. Doch Onlineplattformen wie mobile.de haben auch für den Handel viele Vorteile. Im Vergleich zu Kleinanzeigen in Zeitungen sind unsere Anzeigenpreise deutlich günstiger, Händler können ihre Fahrzeuge mit mehreren Fotos und Text darstellen und ihre Fahrzeuge bundesweit bewerben.

mm: Gut, aber der Händler vor Ort muss sich deutschlandweit messen lassen.

Krüger: Natürlich gibt es eine Veränderung bei den Prozessen und beim Denken im Handel, aber das birgt auch eine große Chance. Autoverkäufer haben plötzlich einen viel größeren Einzugsbereich. So kann etwa ein Händler in Berlin auch Kunden aus Hamburg erreichen, was ihm sonst kaum gelungen wäre. Und Käufer sind bereit, für gute Fahrzeuge ein paar Kilometer zu fahren. Wir haben Verträge mit rund 36.000 Händlern, das sind 90 Prozent aller deutschen Fachhändler. Einer Gfk-Studie zufolge werden gut 40 Prozent aller Gebrauchtwagen in Deutschland über uns verkauft. Das Internet ist einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Vertriebskanal für die Händler.

mm: Trotzdem stehen viele Händler dem Internethandel noch immer skeptisch gegenüber - und würden sich dem deutschlandweiten Preiskampf lieber entziehen.

Krüger: Wir verstehen uns als Partner des Handels und liefern den Händlern wertvolle Zusatzinformationen. Zum Beispiel können wir anhand unserer Daten exakt analysieren, was gesucht und angeboten wird. Die Verkäufer sehen, wie schnell sie ihre Fahrzeuge im Vergleich zu anderen Händlern an den Mann bringen und welche besonders gefragten Modelle sie zukaufen sollten. So kann der Handel besser die Wünsche seiner Kunden abschätzen und die Kunden finden ein Angebot vor, das zu ihnen passt.

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