Karbonspezialist SGL startet mit roten Zahlen ins Jahr

Das Debakel um den Boeing-Prestigeflieger Dreamliner und die maue Nachfrage aus der Windenenergiebranche haben SGL Carbon den Jahresauftakt verhagelt. Jetzt senkt das Unternehmen auch noch seine Umsatzprognose.
Gemeinschaftswerk: Kohlefaserwerk von SGL und BMW in den USA

Gemeinschaftswerk: Kohlefaserwerk von SGL und BMW in den USA

Foto: BMW

Wiesbaden - Der Kohlenstoffspezialist SGL Group ist wegen enttäuschender Geschäfte mit Graphitspezialitäten und Karbonfasern zu Jahresbeginn in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand nach den ersten drei Monaten ein Minus von 9,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Vor einem Jahr kamen die Hessen noch auf einen Gewinn von 13,8 Millionen Euro. Der Umsatz stieg von 381,6 Millionen auf 414,1 Millionen Euro, dahinter steckt aber vor allem ein Zukauf.

Die Pannenserie beim SGL-Kunden Boeing  mit dem neuen Langstreckenjet Dreamliner drückte auf die Geschäfte. Der US-Konzern kämpfte mit Batterieproblemen und drosselte Produktionsmengen bei einer Modellvariante zugunsten einer anderen. Zudem schlug die schleppende Nachfrage nach Windrädern zu Buche. SGL  stellt in dem Segment unter anderem Rotorblätter aus Carbonfasern für Windenergieanlagen her.

Nach der Gewinnprognose vor einer Woche, kappte der Vorstand nun auch die Umsatzaussichten für das laufende Jahr. Statt einer leichten Steigerung bei den Erlösen, geht er nun nur noch von einem Umsatz in etwa auf dem Niveau des Vorjahres aus.

Auch in den einzelnen Sparten trübten sich die Aussichten leicht ein. Für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), der im ersten Quartal von 54,7 auf 34,1 Millionen Euro sank, geht die SGL Group seit vergangener Woche von einem Abrutschen im Jahresvergleich zwischen einem Fünftel und einem Viertel aus. Noch Mitte März hatte Konzernchef Robert Koehler für 2013 von einem erwarteten Rückgang von zehn bis 15 Prozent gesprochen.

Der Konzern, der unter anderem Grafitelektroden für Stahlhochöfen und Kathoden für die Aluminiumschmelze herstellt, setzt auch auf Karbon als Leichtbauelement für die Karosserie von Elektroautos. In diesem Jahr will Großaktionär BMW  seine ersten Strommobile mit Hüllen aus einer Gemeinschaftsproduktion mit SGL auf den Markt bringen. Die an beiden Unternehmen beteiligte Susanne Klatten kandidiert in der kommenden Woche als Aufsichtsratschefin von SGL, trifft damit aber auf Kritik von Aktionärsschützern.

ak/dpa-afx/rtr