Freitag, 15. November 2019

Konkurrenz für BMW und Co. Wie gefährlich ist Tesla?

Elektroautopionier: Mit welchen Stromern Tesla auffährt
Tesla Motors

Elektroautobauer Tesla schreibt schwarze Zahlen und hat sich in die erste Liga des US-Luxuswagensegments katapultiert. Firmenchef Elon Musk wildert damit im Hoheitsgebiet von BMW, Mercedes und Audi. Auf Dauer kann das die deutschen Platzhirsche nicht kalt lassen.

Hamburg - Tesla-Chef Elon Musk gibt sich gern als großer Verehrer deutscher Autos. "Eine der erlesensten Luxuslimousinen der Welt" sei die S-Klasse von Mercedes, lobte der Chef des kalifornischen Elektroauto-Bauers gerade die Schwaben, die an Tesla beteiligt sind. Und so garantiert Musk Käufern seines Model S nach drei Jahren einen Restwert, der sich exakt an dem der Stuttgarter Prestige-Limousine orientiert.

Die respektvolle Haltung des Milliardärs steht allerdings im krassen Gegensatz zu seinen hochfliegenden Plänen, bald 100.000 Autos im Jahr zu bauen und damit insbesondere die deutschen Premiumhersteller zu ärgern. Dass Musk Worten oft Taten folgen lässt, zeigt er erneut dieser Tage. Im ersten Quartal hat Tesla mehr Autos verkauft als erwartet, die Firma schreibt schwarze Zahlen. Die nächste Zwischenetappe - 20.000 Autos im laufenden Jahr - dürfte Tesla locker schaffen. "Wir sind praktisch ausverkauft", sagt der Chef.

In Stuttgart, München oder Ingolstadt jucken die Erfolgsmeldungen aus dem Silicon Valley offiziell niemanden. Er glaube nicht an das Elektroauto, betonte zuletzt erneut Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch. Und was sind schon 20.000 oder 100.000 Autos, wenn auch im Premiumsegment? Und wie soll es ein Start-up aus Palo Alto auch langfristig mit den Heerscharen deutscher Autoingenieure von BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen oder Audi Börsen-Chart zeigen aufnehmen?

"Ein Automobilunternehmen, das unter 100.000 Einheiten verkauft, wird sich schwer tun und ist letztlich immer auf Dritte angewiesen, die finanzielle Unterstützung gewähren können", wiegelte auch Porsche-Chef Matthias Müllerim Interview mit manager magazin online ab, allerdings bevor Tesla die eigene Profitabilität verkündete. Einen Markt für Premiumelektroautos sieht Müller eher nicht. "Die Frage ist, wie viele Käufer wirklich bereit sind, aus ökologischen Gründen erheblich mehr Geld auszugeben."

In Kalifornien liegt Tesla bereits weit vorn

Doch sind es ökologische Gründe, die Käufer zuletzt für Tesla begeistert haben? Offenbar nur zum Teil. Die einflussreichen US-Zeitschriften Motor Trend und Automobile Magazine, die das Model S zum Auto des Jahres 2013 kürten, begründeten die Wahl vor allem mit außerordentlichen Fahreigenschaften der 87.000-Dollar-Limousine mit bis zu 480 Kilometern Reichweite, die einen Porsche Panamera in der vergleichbaren Preisklasse oder auch mal einen BMW M5 abhängt.

Auch das Kriterium Sportlichkeit hat wohl seinen Anteil daran, dass das Model S im US-Markt für Luxuslimousinen inzwischen in einer Liga mit den dominierenden deutschen Herstellern spielt. Etwa 2000 Stück liefert Tesla derzeit monatlich in den USA aus. BMW verkaufte aus der 5er-Reihe im März 5300 Fahrzeuge, Mercedes 4000 Wagen der E-Klasse - bei beiden Modellen ging der Absatz im ersten Quartal entgegen dem allgemeinen Trend zurück. Audi legte beim A6 dagegen zu - im März auf 1750 Stück.

In Kalifornien, dem größten US-Markt, verkauft Tesla Branchenkennern zufolge etwa jedes zweite Model S, das mit den Deutschen dort bereits um die Spitzenposition streitet. "Die kalifornischen Kunden sind sehr technikaffin", sagt Autoexperte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. Teure Elektroautos passten gut in das von der IT-Branche geprägte Umfeld - nicht zuletzt, weil die Stromer sich mit intelligenter Software gut vom Smartphone aus überwachen lassen.

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