Montag, 11. November 2019

Alternative Antriebe Harter Aufprall für Elektroauto-Pioniere

5. Teil: Kevin Czinger, Coda Automotive

Elektroauto Coda: Trotz guter Reichweite nicht gerade ein Blickfänger
Die Liste all jener, die Coda Automotive unterstützen, schindet Eindruck. Der frühere US-Finanzminister Hank Paulson zählt ebenso zu den Coda-Investoren wie SAP-Mitgründer Klaus Tschira. Im Aufsichtsrat sitzt der frühere BP-Chef John Browne, geführt wurde das US-Unternehmen von mehreren ehemaligen Goldman-Sachs-Bankern.

2009 trat Coda mit dem Ziel an, ein Elektroauto für die Massen zu entwickeln. Das Fahrzeug kam im März 2012 auf den US-Markt - und glänzt in einer Disziplin: Mit über 200 Kilometern Reichweite pro Batterieladung übertrumpft es US-Konkurrenten wie den Nissan Leaf deutlich. Eine optische Schönheit ist das Coda-Modell aber nicht gerade. Die Karosserie stammt vom chinesischen Hersteller Hafei Motors und basiert auf einem Mitsubishi-Modell der späten 1990er-Jahre. Antriebsstrang und Ladetechnik stammen aber aus den USA.

Die treibende Kraft bei der Gründung von Coda war Kevin Czinger, ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker mit einer Menge Durchsetzungskraft. Von Mitstreitern wurde er schon mal als Naturgewalt beschrieben. Im Herbst 2010 musste Czinger jedoch zurücktreten, weil Coda seine Produktionsziele verfehlte. Schlimmer noch: Coda hatte zu diesem Zeitpunkt nicht mal ein Produkt.

Im Januar 2011 trat ein neuer CEO an. Doch auch er scheiterte an der amerikanischen Realität. Dort werden auch wegen staatlicher Subventionen zwar mehr Elektroautos als in Europa verkauft, die Stückzahlen sind aber im Vergleich zum Gesamtmarkt nach wie vor verschwindend gering. Bis Mitte 2012 verkaufte Coda laut dem US-Magazin Fortune gerade mal 500 Fahrzeuge - viel zu wenig, um zu überleben. Mehrere Entlassungsrunden folgten. Derzeit versucht Coda, seinen wichtigste Verkaufsvertretung in Los Angeles zu verkaufen. US-Medien spekulieren bereits, wann Coda endgültig der Stecker gezogen wird. Der Zeitpunkt dürfte nicht mehr allzu weit entfernt sein.

Think Global, Norwegen

Das Unternehmen aus Norwegen erwies sich in seiner 20-jährigen Geschichte als wahrer Überlebenskünstler: Vier Mal musste Think Global seit 1991 bereits Insolvenz anmelden.

Dabei war das Unternehmen eines der ersten, das ein Elektroauto auf den Markt brachte: Bereits im Jahr 1999 gab es die ersten Stadtstromer von Think, die allerdings eher einer rollende Verzichtserklärung ähnelten. Im Jahr 2006 begann Think nach einigen finanziellen Verwerfungen die Entwicklung eines neuen Stadtautos. Ende 2007 rollten die ersten neuen Modelle vom Band, ein Jahr später musste Think die Produktion wegen Geldschwierigkeiten stoppen.

Im Jahr 2009, als Elektroautos noch eine große Zukunft prophezeit wurde, holte Think neue Geldgeber an Bord, unter anderem auch Wagniskapitalgeber. Ein Jahr später eröffnete Think eine Fabrik in den USA. Doch im März 2011 war das Abenteuer schon wieder zu Ende. Think musste die Produktion seines Stadtautos stoppen, drei Monate später folgte der Insolvenzantrag.

Kurz danach fand Think einen russischen Geldgeber, der einen großen Teil der Anteile übernahm. Von Januar bis August 2012 wurde der Think noch einmal weiterproduziert. Doch seither stehen die Bänder still.

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