Montag, 23. September 2019

Alternative Antriebe Harter Aufprall für Elektroauto-Pioniere

4. Teil: Wang Chuanfu, BYD

BYD-Gründer Wang Chuanfu: Zu viel versprochen, zu wenig gehalten
Es ist noch nicht lange her, da sorgte das Kürzel BYD bei Deutschlands Autoherstellern für Kribbeln. Monatelang wurde chinesische Auto- und Batteriehersteller von den weltgrößten Autounternehmen umworben - und hatte auch Fürsprecher außerhalb der Branche. Starinvestor Warren Buffett etwa, bekannt für seine konservativen Investments, kaufte sich 2008 in großem Stil bei BYD ein.

Das Unternehmen aus Shenzhen stellt konventionelle Kleinwagen, aber auch Batterien und Solarpanele her. Mit dieser Mischung brachte es Unternehmensgründer Wang Chuanfu zum reichsten Mann Chinas - und eine Zeitlang zum gefragten Gesprächspartner auf Automessen. Chuanfu verdankt seinen Aufstieg vor allem Handyakkus. In jedem vierten Telefon weltweit stecken Batterien von BYD. In die Autoproduktion stieg sein Unternehmen erst im Jahr 2003 ein, eine Zeitlang war BYD vor allem mit kleineren Fahrzeugen sehr erfolgreich.

Früher als andere Hersteller setzte Chuanfu darauf, die beiden Unternehmensbereiche zu verbinden. "Unser Know-how bei der Herstellung ist unser großer Trumpf bei der Entwicklung von Elektroautos, die mit Batterien betrieben werden", sagte er einmal. Davon will auch Daimler profitieren: Die Stuttgarter kooperieren seit drei Jahren mit BYD und bringen demnächst ein gemeinsames Elektroauto auf den chinesischen Markt.

Bescheiden war der Hersteller, dessen Kürzel für Build Your Dreams steht, nie. Noch im Frühjahr 2011 kündigte BYD vollmundig an, dass man 2015 in China, zehn Jahre später dann weltweit die Nummer eins der Autobranche sein wolle.

Zu spät auf wechselnden Kundengeschmack reagiert

Doch davon ist BYD heute weit enfernt. Mehrfach gerieten die Chinesen in den letzten Jahren aus dem Tritt. Im Jahr 2010 etwa musste BYD sein Verkaufsziel gleich um ein Viertel reduzieren, im ersten Halbjahr 2011 brach BYDs Gewinn um 90 Prozent ein.

Verantwortlich dafür waren einerseits steigende Kosten und das Auslaufen von staatlichen Subventionen für Kleinwagen. BYD hat aber auch den wechselnden Geschmack der chinesischen Kunden zu spät erkannt. Denn Chinas Mittelschicht wendet sich von technisch einfachen, billigen Autos ab, wie BYD sie lange anbot - und greift statt dessen zu hochwertigeren Modellen der globalen Autohersteller.

Zudem lief auch die Massenproduktion seines lange angekündigten Elektroautos E6 lief für BYD nicht rund. Probleme soll BYD vor allem bei der Herstellung der Elektroautoakkus gehabt haben. Von seinen beiden Elektroauto-Modellen, dem Hybrid-Kleinwagen F3 und der Limousine E6, hat BYD pro Jahr nur wenige hundert Stück verkauft. Ein Unfall eines Elektroautotaxis vom Typ E6, das nach einer heftigen Kollision Feuer fing, hat Konsumenten im vergangenen Jahr zusätzlich verunsichert. Die Folge: Im Jahr 2012 brach BYDs Jahresgewinn auf 13 Millionen Dollar ein, um 94 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor.

Nun ist es sehr ruhig geworden um das einst so umworbene Unternehmen. Daimler hat vor kurzem ein paar Millionen investiert, um das gemeinsam entwickelte Elektroauto Denza starten zu lassen. Doch das dürfte erst Anfang 2014 der Fall sein. Kürzlich prognostizierte BYD einen deutlichen Umsatzanstieg für das erste Quartal dieses Jahres - dank neuer Modelle und möglicher staatlicher Zuschüsse für umweltfreundliche Autos.

Doch vom Ziel, in zwei Jahren Chinas größter Autohersteller zu sein, ist BYD sehr weit entfernt. Auch Firmenchef Chuanfu musste Federn lassen: Sein Vermögen schrumpfte von 5,8 Milliarden Dollar im Jahr 2009 auf weniger als die Hälfte, berichtet das US-Magazin Forbes vor wenigen Wochen.

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