Montag, 16. September 2019

Alternative Antriebe Harter Aufprall für Elektroauto-Pioniere

3. Teil: Lorenzo Schmid, Mindset

Mindset-Prototyp in Berlin:
Die Ambitionen waren ebenso groß wie die Ankündigungen: Mit einem alltagstauglichen, bezahlbaren und dabei noch formschönen Elektroauto wollte das Schweizer Unternehmen Mindset die Karten in der Autoindustrie neu mischen.

Nicht weniger als eine Revolution von außen schwebte Mindset vor. Und das Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern konnte vom Start weg mit bekannten Namen beeindrucken. Der ehemalige VW-Stardesigner Murat Günak entwarf die gefällige Hülle des Fahrzeugs, Designprofessor Paolo Tuminelli saß im Mindset-Verwaltungsrat. Geldgeber und graue Eminenz im Hintergrund war der Investor Lorenzo Schmid, dessen börsennotierte Investmentgesellschaft Spirt Avert die Anlaufkosten finanzierte.

Anfang 2008 präsentierte Mindset einen ersten Prototypen, der die Fachwelt durchaus beeindruckte. 4,20 Meter lang war der Viersitzer mit auffallend großen Rädern und einem Gewicht von nur 800 Kilogramm. Mit voll geladenem Akku konnte der Mindset bis zu 100 Kilometer weit rein elektrisch fahren. Ein Benzinmotor an Bord verlängerte die Reichweite auf bis zu 800 Kilometer. Auch im Innenraum wollte sich Mindset nicht lumpen lassen: Ledersitze und eine Bose-Soundanlage waren vorgesehen - und das bei einem Verkaufspreis zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Ende 2009, so hieß es damals, sollte das Fahrzeug auf den Markt kommen. Doch es kam anders.

Rund 60 Millionen Euro benötigte Mindset damals nach eigener Einschätzung, um die Serienfertigung wie geplant zu starten. Allerdings fanden sich kaum Investoren, die in ein unsicheres Projekt mit einem ungewöhnlich aussehenden Auto investieren wollten. Geplant war, das Fahrzeug bei dem französischen Karosserieunternehmen Heuliez fertigen zu lassen. Doch die Termine für Fertigung und Verkaufsstart wanderten immer weiter nach hinten.

Führungsteam geht nach Machtkampf auseinander

Berichten zufolge sprach Mindset zwar im Jahr 2009 mit Vertretern von BMW, die durchaus Interesse hatten. Doch die Verhandlungen scheiterten daran, dass die Münchner den Rückzug von Schmid aus dem operativen Geschäft forderten. Auch Porsche und Magna winkten ab. Zudem hatte Investor Schmid hatte in der Branche keinen guten Ruf - denn der Schweizer war zehn Jahre zuvor mit dem E-Mobil Twike spektakulär gescheitert.

Anfang 2010 schließlich kam es zum Eklat: Die gesamte Mindset-Führung trat zurück, Grund waren laut einer Mitteilung "unüberbrückbare strategische und operative Meinungsverschiedenheiten". Auch Designer Günak verließ das Unternehmen. Investor Schmid blieb aber an Bord - und bezeichnete das Projekt als "überhaupt nicht tot". Eine Kapitalerhöhung konnte Mehrheitsaktionär Schmid noch durchsetzen. Ende 2010 holte sich Schmid einen Geldgeber an Bord, der angeblich 57 Millionen Euro investieren wollte.

Am Rande des Genfer Autosalon 2011 hieß es dann, dass der Mindset ab November vom Band rollen sollte. Daraus wurde nichts. Anfang 2012 ließ Mindset nochmals mit einer Meldung von einem angeblichen Wunderakku aufhorchen, den das Unternehmen auf einem Prüfstand des TÜV Süd testen lassen wollte.

Im September 2012 kam dann das endgültige Aus für Mindset: Das als Aktiengesellschaft notierte Startup meldete schließlich Konkurs an. Es sei über die letzten Monate und Jahre nicht gelungen, die Finanzierung hin zur Serienproduktion sicherzustellen, erklärte Schmid damals. Designer Günak hat sich nach seinem Ausstieg bei Mindset übrigens ein anderes Elektroautoprojekt gesucht: Er ist nun bei dem E-Mobil Mia an Bord. Der Mikrobus wird immerhin gebaut, rund 1000 Stück sind bislang verkauft.

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