Montag, 11. November 2019

Alternative Antriebe Harter Aufprall für Elektroauto-Pioniere

2. Teil: Shai Agassi, Better Place

Von den Geldgebern aus dem eigenen Unternehmen gedrängt: Shai Agassi
In den Reihen all jener, die für Elektroautos trommelten, war der Israeli Shai Agassi einer der lautesten. Seine Pläne waren kühn. Noch innerhalb dieses Jahrzehnts wollte der Ex-SAP-Manager den Stromern zum Durchbruch verhelfen. Dabei wollte Agassi auch den größten Schwachpunkt der Elektroautos ausmerzen: Die geringe Reichweite pro Akkuladung, die etwa bei Nissans Leaf rund 150 Kilometer beträgt.

Agassis Idee klang verführerisch einfach. Statt ihre Elektroautos stundenlang aufzuladen, sollten Besitzer an einer Austauschstation die Akkus wechseln können. Fünf Minuten dauerte dieser Vorgang an einer Better-Place-Station

Sein System für Elektroauto-Wechselakkus entwickelte Agassi ab Ende 2007 zur Marktreife. Rund 800 Millionen Dollar hat der Marketing-Profi bei israelischen und internationalen Investoren aufgetrieben. Der Autohersteller Renault lieferte Agassi umgebaute Fluence-Modelle mit austauschbaren Batterien. In seinem Geburtsland Israel erhielt Agassi Unterstützung von höchster Stelle, Präsident Schimon Peres zählte zu den Fürsprechern des Projekts. Kein Wunder, da Israel keine eigenen Ölvorkommen besitzt. Deshalb hat das Land großes Interesse, sich von arabischen Energielieferanten möglichst weit abzunabeln.

Doch der Start verlief wenig elektrisierend: Seit dem Marktstart im Januar 2012 hat Better Place in Israel gerade mal etwas mehr als 500 Elektroautos verkauft. 150 der Fahrzeuge sollen Berichten zufolge an Mitarbeiter des Unternehmens gegangen sein. In Dänemark hat Better Place im Dezember 2012 sein landesweites Netzwerk komplettiert, in Amsterdam gibt es ein kleineres Testprojekt mit Elektrotaxis am Flughafen.

Mit Expansion und wachsender Organisation überfordert

Die Bilanz nach etwas mehr als fünfeinhalb Jahren fällt deshalb eher ernüchternd aus. Insgesamt hat Better Place etwas über 1000 Elektroautos in Kundenhand übergeben. Damit ist das Startup weit entfernt von jenen rund 100.000 Stück, die es nach den Ankündigungen Agassis bis 2016 verkaufen wollte. Stark gewachsen sind nur die Verluste - die summieren sich seit 2007 auf über 500 Millionen Dollar.

Unterschätzt hat Better Place die Ernüchterung nach dem Elektromobilitätshype. Berichten zufolge krankt das Unternehmen auch an Managementfehlern. So soll Agassi zwar einen durchdachten Geschäftsplan ausgearbeitet haben. Doch die Umsetzung dieses Planes in ein größer dimensioniertes Infrastrukturunternehmen sei nicht gelungen, urteilen ehemalige Mitarbeiter. So habe Agassi etwa viele Experten für In-Car-Software eingestellt, aber zu wenige mit Erfahrung im Automobil- oder Infrastrukturbereich.

m Oktober 2012 kam es wegen der hohen Verluste zum Eklat zwischen dem Haupteigner Israel Corporation und dem Gründer. Das Unternehmen schasste seinen eigenen Gründer als Vorstandschef, eine Woche später verließ Agassi auch den Aufsichtsrat. Sein Nachfolger Evan Thornley warf im Januar hin, nun sitzt bei Better Place der dritte Chef innerhalb weniger Monate im Sattel. Die Expansionspläne für die USA und Australien hat der Neue verworfen. Better Place konzentriert sich nun auf Israel und Dänemark. Der Ausgang des Batteriewechsel-Abenteuers ist ungewisser denn je.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung