Dienstag, 17. September 2019

Porsche-Chef Matthias Müller "Magische Grenze bei 50.000 Euro"

Porsche-Chef Matthias Müller: "Der Hype um Elektroautos ist verflogen"

2. Teil: "Eine für Porsche ungewohnte Preisstellung"

mm: Den Cayenne und den Panamera bezeichnen Sie also als Sportwagen.

Müller: Das sind für mich auch Sportwagen, nur eben in einem anderen Format. Der Panamera ist etwas limousinenähnlicher, der Cayenne eben ein SUV. Das sind allemal die sportlichsten Angebote in ihrem jeweiligen Segment - mit Abstand. Von daher kann man die Aussage, dass Porsche eine Sportwagenmarke ist, sehr wohl aufrecht erhalten.

mm: Ist Sportlichkeit oder Luxus für die Marke wichtiger?

Müller: Wichtiger in Bezug auf die Marke ist für uns die Preisstellung. Je erreichbarer die Marke für Kunden wird, desto mehr besteht die Gefahr, dass etablierte Porsche-Kunden sagen: Das ist dann doch nicht mehr das, was ich gerne hätte. Für Porsche liegt so eine magische Grenze inzwischen bei 50.000 Euro, das passt gut zu unserer Marke und zu unserem Markenwert.

mm: Scheitert eine Neuauflage des legendären, aber auch sehr kleinen James-Dean-Porsches 550 letztlich an dieser Preisschwelle?

Müller: Das 550er-Thema ist, wenn man nur das Auto betrachtet, sehr attraktiv. Doch bei so einem Modell wäre man ganz schnell bei einer für Porsche ungewohnten Preisstellung. Der Publikumsverkehr am Point-of-Sale ist dann plötzlich ein ganz anderer. Warum sollte man dieses Risiko eingehen? Dann doch lieber in die bekannten Markenwerte investieren, zum Beispiel durch eine Limitierung des Zugangs oder die Rückkehr in den Spitzenmotorsport.

mm: 2014 gibt Porsche wieder Vollgas bei den 24 Stunden von Le Mans. Um den Elektroporsche ist es hingegen still geworden. Passt die Elektromobilität nicht zur Marke?

Müller: 2011 haben wir drei Elektro-Boxter gebaut und sichergestellt, dass wir dieses Konzept beherrschen. Leise geworden ist es aber nicht nur um unser Auto, sondern um Elektroautos insgesamt. Der Hype ist wieder verflogen, weil die Batterieentwicklung sich als aufwendiger als geplant erwiesen hat.

mm: Der US-Autobauer Tesla zeigt aber doch, wie es geht. Oder nicht?

Müller: Das entscheiden am Ende die Kunden. Die schauen eben doch auf ihr Budget. Und ein Elektroauto kostet mehr als ein Auto mit einem Verbrennungsmotor. Und die Frage ist, wieviele Käufer wirklich bereit sind, aus ökologischen Gründen erheblich mehr Geld auszugeben. Hinzu kommt, wenn wir über Wirtschaftlichkeit sprechen: Ein Automobilunternehmen, das unter 100.000 Einheiten verkauft, wird sich schwer tun und ist letztlich immer auf Dritte angewiesen, die finanzielle Unterstützung gewähren können.

mm: Porsche hat 2012 rund 143.000 Autos ausgeliefert. Wird 2013 neue Rekorde bringen?

Müller: Das wissen wir heute nicht. Leider ist es immer noch so, dass Europa, wo wir ein Drittel des Umsatzes machen, aus bekannten Gründen kränkelt. In China, wo wir das zweite Drittel machen, gibt es jetzt eine neue Regierung. Da muss man zunächst abwarten, ob sie ihren Wachstumskurs mit 8 Prozent im Jahr fortsetzen oder etwas korrigieren.

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