Mittwoch, 17. Juli 2019

BMW-Bilanz Reithofer versteckt den Optimismus

BMW-Chef Reithofer bei der Bilanzpressekonferenz in München: Der Autobauer verbreitet lediglich gedämpfte Zuversicht

Bei seinem Ausblick für 2013 gab sich BMW-Chef Norbert Reithofer während der Bilanzpressekonferenz betont vorsichtig - trotz eines Rekordjahrs im Rücken. Nur bei einem Thema blitzte Zuversicht auf: der Strategie für die kommenden Jahre. Dabei wagt sich BMW weit vor.

München - Optimismus - dieses Wort hört man derzeit bei den großen deutschen Automobilherstellern kaum mehr. Kein Wunder, geht doch in ihrem Kernmarkt Europa der Absatz weiter zurück. In der EU fiel die Zahl der verkauften Autos im Februar um 10,5 Prozent auf 795.500 Stück. Zwar ziehen die Verkaufszahlen der deutschen Luxusmarken in den USA weiter an - und lindern so ein wenig die Misere in Europa. Doch auch in China lässt das Wachstumstempo nach.

Diese Gemengelage macht die Chefs der deutschen Nobelmarken zurzeit ziemlich wortkarg bei Prognosen für dieses Jahr. Denn nachdem sie für 2012 neue Rekorde bei Absatz und Umsatz vorlegen konnten, wird das laufende Jahr schwierig. Auch BMW bildet diesbezüglich keine Ausnahme. "Unser Umfeld ist ungewiss und volatil", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer bei der Bilanzpressekonferenz in München. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die Rezession in der EU, und das Nachlassen des Wachstums in China - all diese Risikofaktoren erwähnte Reithofer in seiner Rede.

Zwar peilt BMW Börsen-Chart zeigen auch in diesem Jahr neue Bestmarken bei den Verkaufszahlen an, der Gewinn muss dadurch aber nicht zwangläufig höher ausfallen. Ein Konzernergebnis vor Steuern "in der Größenordnung des Jahres 2012" strebt Reithofer an, da BMW in diesem Jahr hohe Investitionen in neue Modelle und das Produktionsnetzwerk bevorstehen.

Doch irgendwann im letzten Drittel seiner Rede, nachdem Reithofer die beeindruckenden Kennzahlen für 2012 aufgezählt und vor den Risiken des Jahres 2013 gewarnt hat, blitzt doch noch Optimismus auf. "Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft", sagt Reithofer. Und damit meint er nicht die kommenden Monate, sondern die kommenden Jahre.

BMW hält eisern am Elektroauto fest

Zwei zentrale Botschaften hat Reithofer zu diesem Termin mitgebracht. Die erste: Nach dem Rekordjahr 2012 steht BMW so gut da wie noch nie zuvor. Weltweit haben die Münchener 2012 so viele Autos verkauft wie nie: Rund 1,85 Millionen BMWs, Minis und Rolls-Royce verließen im vergangenen Jahr die 29 Werke in mittlerweile 14 Ländern. Damit verdiente der Konzern insgesamt 5,1 Milliarden Euro, um 4 Prozent mehr als im Jahr 2011.

Dennoch, und das war Reithofers zweite Botschaft, können sich die Münchener auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Denn in den nächsten Jahren steht die Automobilbranche vor großen technologischen Herausforderungen. Diese Zukunft will BMW aus einer "Position der Stärke" heraus mitgestalten. Die ist zu einem guten Teil Reithofers Verdienst. Denn im Jahr 2007 hat Reithofer die Strategie "Number One" erarbeitet und damit eine deutliche Steigerung der Profitabilität versprochen. Dieses Versprechen hat er gehalten. Fünf Jahre später liegt BMWs Ebit-Marge nun bei 10,9 Prozent - und damit nur knapp hinter jener von Audi.

Trotz aller zur Schau gestellten Vorsicht Reithofers wagen sich die Bayern in einem Bereich ziemlich weit vor, in dem seine Konkurrenten nun zurückrudern: Das Segment der rein elektrisch angetriebenen Autos.

In diesem Jahr startet BMW mit dem i3 die Großserienproduktion eines reinen Elektroautos. Rund 150 Kilometer weit soll das Fahrzeug mit einer Batterieladung kommen. Die Karosserie besteht aus Karbonfasern und ist so besonders leicht. Damit steckt BMW viel Geld in die Entwicklung eines völlig neuen Fahrzeugs - und befindet sich unter Deutschlands Nobelmarken alleine auf weiter Flur.

Audi hat kürzlich seine Elektroautoprojekte zugunsten von Hybridautos komplett eingestellt. Daimler Börsen-Chart zeigen verkauft zwar seit Mitte vergangenen Jahres den Elektro-Smart. Doch der Start der rein elektrisch angetriebenen B-Klasse von Mercedes verschiebt sich immer weiter nach hinten.

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