Samstag, 21. September 2019

Milliardenüberschüsse Porsche will in den Mittelstand investieren

Porsche Cayman: Die Holding häuft Milliardenüberschüsse an

Der größte VW-Anteilseigner Porsche SE will seine 2,6 Milliarden Euro schweren Überschüsse vorwiegend in mittelständische Unternehmen stecken. Profitieren sollen autonahe Bereiche, so Vorstandschef Winterkorn. Allerdings bedrohen Schadenersatzklagen die Gelder.

Stuttgart - Nach erfolgreichem Schuldenabbau rechnet die Porsche Holding in den kommenden Jahren mit Milliardengewinnen. Sowohl 2013 als auch 2014 gehe er von einem Konzernergebnis im niedrigen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich aus, sagte Porsche-SE-Chef Martin Winterkorn am Dienstag. 2012 hatte die Porsche SE dank des Verkaufs des Sportwagenherstellers Porsche AG an Volkswagen 7,83 Milliarden Euro Gewinn gemacht und ihren Schuldenberg komplett abgetragen.

Der "überwiegende" Teil der Nettoliquidität in Höhe von zuletzt 2,6 Milliarden Euro solle in Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen mit erfahrenem Management im In- und Ausland investiert werden, sagte Winterkorn, der neben der Finanzholding Porsche SE auch den Wolfsburger Autobauer VW führt. Geeignete Beteiligungsobjekte würden derzeit analysiert und geprüft.

Im Mittelpunkt stünden die Trendthemen der Automobilindustrie wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung oder Vernetzung. Die Porsche SE hält knapp 51 Prozent der Stimmrechte an VW beziehungsweise gut 32 Prozent des Gesamtkapitals der Wolfsburger, Europas größtem Autobauer. Nach dem im vergangenen Jahr unter Dach und Fach gebrachten Komplettverkauf des operativen Porsche-Fahrzeuggeschäfts an VW agiert das Unternehmen mit 29 Beschäftigten als Holding und ist künftig von den VW-Dividendenerträgen abhängig.

Schadenersatzklagen als Damoklesschwert

Die Porsche SE stehe "finanziell ausgesprochen solide da", sagte Winterkorn. Derzeit würden die Überschüsse "marktgerecht" verzinst.

Allerdings schwebt mit milliardenschweren Aktionärsklagen ein Damoklesschwert über der Holding. Investoren haben die Porsche SE - aber auch VW - auf Schadenersatz in Deutschland, den USA und Großbritannien verklagt, da sich in der jahrelangen Übernahmeschlacht von Porsche und VW getäuscht und um Kursgewinne gebracht sehen.

Die Holding weist die Vorwürfe zurück, über einige Schadenersatzklagen wird im April vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt. "Wir werden uns unverändert und mit allen uns zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln gegen behauptete Schadenersatzansprüche zur Wehr setzen", bekräftigte Winterkorn.

Die Porsche SE hatte im Herbst 2005 mit Rückendeckung durch Großaktionär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech mit dem Aufbau ihrer Beteiligung an VW begonnen und den Stimmrechtsanteil in Trippelschritten auch über komplexe Optionsgeschäfte stetig bis auf eine Stimmrechtsmehrheit aufgestockt. Die geplante Beherrschung von VW missglückte allerdings 2009, da der Holding im Zuge der sich zuspitzenden Finanzkrise das Geld ausging. VW drehte den Spieß um und griff der Holding mit der Übernahme von rund der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts unter die Arme.

cr/rtr/dpa

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