Sonntag, 15. Dezember 2019

Automesse Detroit Cadillac werkelt an der Wiederauferstehung

Cadillac ATS: Der Kompaktwagen markiert den Neuanfang der gebeutelten US-Nobelmarke

Abgehängt von Mercedes und BMW: Auf ihrem Heimatmarkt fahren die US-Nobelmarken Cadillac und Lincoln seit Jahren hinterher. Nun wollen beide mit frischem Design in den USA angreifen. Cadillac hat gute Chancen - wenn die Verantwortlichen Geduld mitbringen.

Hamburg - Als Hort der Bescheidenheit galt die heute startende Detroiter Automesse noch nie - und Amerikas größter Autohersteller General Motors Börsen-Chart zeigen (GM) weiß genau, wie er sein Publikum bei Laune hält. Etwa mit der Premiere der siebenten Generation des Sportwagens Corvette. Das sei "eines der schönsten Autos, die je gebaut wurden", tönte GM-Chef Dan Akerson wenige Tage vor der Messeeröffnung.

Wer es noch etwas brachialer braucht, findet auf GMs Messestand die Neuauflage des Pickups Silverado - der "stärkste, smarteste und leistungsfähigste Silverado aller Zeiten", wie GMs Konzernmarke Chevrolet vollmundig wirbt.

Doch für eines der Highlights der Messe müssen die Besucher einige Schritte weitergehen. Zum ersten Mal gönnt sich die GM-Nobelmarke Cadillac auf der Detroiter Messe einen eigenen Stand abseits der übrigen GM-Konzernmarken Chevrolet, GMC und Buick. Dort präsentiert Cadillac den ELR, ein Elektroauto mit Range Extender, dessen Technologie bereits im Chevrolet Volt oder dem Opel Ampera zum Einsatz kommt.

Direkt nebenan befinden sich die Messestände von Tesla Motors, Jaguar und Volvo, bis zu den Ständen von Audi Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Mercedes Börsen-Chart zeigen sind es nur wenige Schritte. Die neue räumliche Positionierung ist kein Zufall. Nach vielen Jahren des Niedergangs versucht Cadillac mit aller Macht ein Comeback - mit frischem Design und einer Modellpalette, die direkt gegen deutsche Luxusmarken antreten soll. Auch der US-Autoriese Ford Börsen-Chart zeigen müht sich darum, seine in Europa kaum bekannte Nobelmarke Lincoln mit Milliardenaufwand aufzupolieren.

Doch die Amerikaner werden für ihren geplanten Angriff in der Oberklasse in ihrem Heimatmarkt einen langen Atem brauchen. Denn die Vorlieben zahlungskräftiger Autokäufer in den USA, wo Cadillac und Lincoln zumindest noch eine Basis haben, ändern sich nicht von einem Tag auf den anderen. Toyotas Börsen-Chart zeigen Nobelmarke Lexus hat mehr als zwei Jahrzehnte benötigt, um sich in den USA als Alternative zu deutschen Premiummarken zu etablieren. Für Nissans Börsen-Chart zeigen Luxusvariante Infiniti gilt das ebenfalls.

Deutsche ernten den Lohn jahrzehntelanger Arbeit

Der Erfolg der deutschen Nobelmarken, die in den USA rund 55 Prozent Marktanteil in der Oberklasse auf sich vereinen, kam ebenfalls nicht über Nacht. "Deutsche Hersteller haben ihr Image jahrzehntelang aufgebaut", sagt Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB. "Die Amerikaner haben diesen Trend verschlafen."

Zwar fahren die US-Präsidenten seit Jahrzehnten stark modifizierte Cadillacs, doch US-Autokäufer wenden sich von den heimischen Nobelmarken ab. Anfang der 1990-er Jahre verkauften Cadillac und Lincoln in den USA je rund 250.000 Fahrzeuge pro Jahr, davon sind die beiden Marken nun weit entfernt. Im Jahr 2012 sanken Cadillacs Verkaufszahlen um zwei Prozent auf unter 150.000 Fahrzeuge. Der Absatz von Lincoln-Fahrzeugen ging sogar um vier Prozent auf 82.500 Autos zurück.

Deutsche Nobelmarken konnten sich hingegen in den vergangenen Jahren über kräftige Zuwächse freuen. Der Absatz von Mercedes legte in den USA um 12,7 Prozent auf 295.000 Fahrzeuge zu, BMWs US-Verkaufszahlen stiegen um 13,5 Prozent auf 281.500 Autos. Audi verbuchte ein Absatzplus von 18,5 Prozent auf 139.300 Fahrzeuge, Porsches Verkäufe stiegen sogar um 20,7 Prozent auf 35.000 Automobile.

Jahrzehntelang haben die deutschen Autohersteller in den USA ihr Ingenieurs-Image mit Erfolg kultiviert. "German Engineering" gilt als Qualitätsausweis, auch wenn deutsche Nobelmarken in US-Qualitätsrankings oft gar nicht auf den vordersten Plätzen landen. Die japanischen Nobelmarken punkten hingegen mit Verlässlichkeit und niedrigeren Preisen. US-Nobelmarken verließen sich bis vor kurzem vor allem auf ihre glorreiche Vergangenheit.

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