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Volt und Co.: Auf diese Elektroautos stehen die Amerikaner

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US-Automarkt Stromer auf der linken Spur

Der Absatz von Elektroautos eilt in den USA von Rekord zu Rekord. Üppige Kaufprämien und viele neue Modelle heizen einen Markt an, auf dem sich nicht mehr allein Technik-Freaks und Weltverbesserer tummeln. Die Deutschen um Volkswagen sehen bisher nur rote Lichter.

Hamburg - Kaum ein Jahr ist es her, da hatte die US-Öffentlichkeit für den Chevrolet Volt nur Hohn und Spott übrig. Wochen nach einem Crashtest war ein Exemplar des Stromers von General Motors in Flammen aufgegangen - und in einer hysterischen Debatte witterten manche Kommentatoren bereits das Ende des Experiments Elektroauto.

Inzwischen haben die Amerikaner offenbar ihren Frieden mit dem immer noch ungewohnten Antrieb gemacht. Mehr noch: Die Verkaufszahlen für reine Batterieautos, Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Reichweitenverlängerer wie den Volt machen Monat für Monat einen kräftigen Satz nach vorn.

Im Oktober überschritt der Absatz die Marke von 7000 abgesetzten Fahrzeugen. Das sind etwa fünfmal mehr Wagen als im Vorjahr. In Deutschland dümpeln die Zulassungszahlen seit zwei Jahren bei etwa 200 bis 400 Autos, nur der dabei nicht mitgezählte Winzling Twizy hat bisher etwas Schwung gebracht. In Frankreich sieht es kaum besser aus - bei gut 500 Autos liegt der monatliche Absatz. Und das, obwohl Renault , Peugeot  und Citroën mit eigenen Modellen am Markt sind und der Staat den Kauf eines Elektroautos mit 5000 Euro fördert.

Verwirrende Aussagen von Martin Winterkorn

Eine solche Förderung hat in den USA jedenfalls dazu beigetragen, dass es mit den Stromern vorankommt. Washington gewährt eine Steuergutschrift von 7500 Dollar, Staaten wie Kalifornien legen weitere 2500 obendrauf.

Den entscheidenden Schub haben aber wohl die zuletzt arg gestiegenen Benzinpreise in den USA gegeben, sowie ein harter Wettbewerb um Leasing-Kunden. Immer wieder lassen begeisterte Käufer eines Volt oder eines Nissan Leaf die Netzwelt wissen, dass sie ihre Autos für nicht viel mehr als 200 Dollar im Monat bekommen - bei einer Anzahlung von unter 3000 Dollar.

Auf diese Weise hat sich in der Pendlernation USA eine Situation ergeben, in der Besitzer von Elektroautos jeden Tag so viel Geld beim Treibstoff sparen, dass sich die Sache für viele Besitzer von Anfang an rechnet - zumal die Strompreise nur ein Drittel von denen in Deutschland betragen.

Die deutschen Hersteller spielen in den USA bisher fast keine Rolle beim Thema Elektroautos. Ein paar Tests, bald kommt der Smart - das war's. Das Vorgehen passt zum Stand der Diskussion über Elektroautos in Deutschland. Die hiesigen Hersteller haben sich bei dem Thema zuletzt eher zurückgehalten.

Viele deutsche Automanager kultivieren ihre defensive Haltung geradezu, wie Volkswagen-Chef Martin Winterkorn zeigt. Der wird nicht müde zu betonen, ein Elektroauto könne - leider, leider - nicht weiter als 150 Kilometer fahren. Und das werde noch eine ganze Weile so bleiben. Da sei es doch kein Wunder, dass fast niemand die Fahrzeuge haben wolle.

Deutsche Autoindustrie: "Klumpenrisiko rund um den Verbrennungsmotor"

Derweil läuft in den USA seit Monaten das Model S von Tesla vom Band, dessen Top-Variante mindestens 400 Kilometer weit kommt, wie inzwischen vielfach bestätigt ist. Die Elektrolimousine hängt einen Porsche Panamera mühelos ab und hat mangels Verbrennungsmotor vorn sowie hinten Kofferräume. Kein Wunder, dass die US-Presse den Wagen aus Kalifornien unisono in den Himmel lobt und die Fans seinen Erfinder Elon Musk wie einen Messias feiern. Unlängst kam der Wagen bereits zur Europa-Premiere über den Atlantik.

Zwei Nummern bodenständiger geht Renault vor. Die Franzosen bringen in wenigen Wochen den Zoe zu den Händlern. Doch auch der knackt dank zahlreicher Innovationen wie einer Wärmepumpe zu Heiz- und Kühlzwecken zumindest die 200-Kilometer-Marke.

Hat Winterkorn den Markt so wenig im Blick, dass ihm diese Entwicklung entgangen ist? Oder verbreitete er ganz bewusst Fakten von geringem Wahrheitsgehalt, die zu seinem Glück auch selten hinterfragt werden? Vor dem Hintergrund einer derart verzerrten Realität mutet Volkswagens Spätstart in die Elektromobilität für die Öffentlichkeit jedenfalls völlig vernünftig an. In den USA machen derweil General Motors oder Toyota mit dem Plug-in-Prius das Geschäft.

Bequeme Rolle als Nachzügler

Tatsächlich hat die Nachzügler-Rolle für Volkswagen durchaus Vorteile - die hohen Kosten für die Markteinführung von E-Autos tragen zum Beispiel andere. Dafür nimmt der Autobauer aber das Risiko in Kauf, seinen technologischen Rückstand nur schwer aufholen zu können und als Marke schon bald als altbacken und gestrig wahrgenommen zu werden.

Der Kurs ist auch volkswirtschaftlich potenziell brisant. Denn der Vorsprung, den sich die USA, Frankreich und auch Japan inzwischen erarbeitet haben, macht sich nicht nur bei den Absatzzahlen bemerkbar: Während in den Vereinigten Staaten bereits sechs Elektroautos als Serienmodelle vom Band laufen, ist es in Deutschland kein einziges; Daimlers E-Smart wird in Frankreich gefertigt. Der parteilose Stuttgarter Oberbürgermeister-Kandidat Sebastian Turner nannte die Autoindustrie der Schwabenmetropole deshalb bereits wenig schmeichelhaft ein "Klumpenrisiko rund um den Verbrennungsmotor".

Für Premiumhersteller wie Daimler wäre es besonders fatal, in einer neuen Technologie die rote Laterne zu halten. Immerhin ist Daimler mit dem E-Smart aber in Deutschland Pionier und bei Tesla als Aktionär engagiert. Konzernchef Zetsche gehört zudem zu den eher wenigen Befürwortern einer Kaufprämie für Elektroautos in Deutschland.

Piëch rät indirekt vom Kauf der neuen VW-Stromer ab

Im kommenden Jahr soll es nun auch bei den anderen Herstellern so weit sein mit den Elektroautos. Volkswagen geht mit dem E-Up und dem E-Golf an den Start, BMW mit seinen Karbonflitzern i3 und i8. Doch die Münchner, die ihre Fahrzeuge in Leipzig zusammensetzen wollen, mussten sich bereits mehrfach gegen Gerüchte wehren, dass sie dieses Projekt auf Eis legen.

Was indes bisher über die deutschen Elektroautos bekannt ist, dürfte zumindest Käufer in den USA nicht vom Hocker reißen. Dort gehen General Motors und Nissan bereits mit den nächsten Generationen von Volt und Leaf an den Markt. Der Volt bekommt ohne großen Aufpreis eine größere Batterie, der Leaf wird wohl billiger. Der Wettbewerb ist zudem bereits so weit fortgeschritten, dass hohe Rabatte an der Tagesordnung sind - kein gutes Umfeld für die Einführung teurer Neuentwicklungen wie von BMW.

Gelingt den Deutschen trotzdem der Anschluss? Volkswagen glaubt offenbar selbst nicht daran. Zuletzt riet Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Kunden indirekt davon ab, die neuen VW-Elektromodelle zu kaufen. "Ich halte nichts vom reinen Elektroantrieb", sagte er am Wochenende der "Bild am Sonntag". "Denn ich sehe nicht, dass in absehbarer Zeit Batterien mit ausreichender Haltbarkeit zur Verfügung stehen werden."

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