Dienstag, 17. September 2019

Fisker-Flitzer "Vom Luxussegment aus aufzäumen - wie beim iPhone"

Schnell und nachhaltig: Die Fisker-Flitzer
Fisker

Leo DiCaprio fährt einen, Colin Powell und Al Gore - in dem Elektrosportwagen Karma vereint Fisker luxuriösen Fahrspaß mit Nachhaltigkeit. Mitgründer Henrik Fisker spricht über überzogene Erwartungen, eine mögliche strategische Partnerschaft - und was Elektro-Autobauer vom iPhone lernen können.

mm: Herr Fisker, Sie sind 2007 mit großen Hoffnungen gestartet - dann kamen die Lehman-Pleite, dann die Euro-Krise und mit ihr die Absatzkrise in Europa. Hätten Sie sich vorstellen können, dass es so schwer wird?

Fisker: 2007 hatte jeder in der Automobilwelt andere Vorstelllungen davon, wie sich die Dinge entwickeln würden - und war gezwungen, sich den Realitäten zu stellen. Eine der größten Fehleinschätzungen von damals und den folgenden Jahren war wahrscheinlich die zu erwartende Größe des Marktes für Elektroautos. Offensichtlich ist er nicht so groß, wie alle erwartet haben.

mm: Was heißt das für Fisker?

Fisker: Wir haben unsere Volumina angepasst. Wenn man sich die Verkaufszahlen im Vergleich zu den ursprünglichen Erwartungswerten anschaut, kann man natürlich sagen, dass wir hinter unseren Zielen zurückgeblieben sind. Aber wenn man auf die Wettbewerbssituation schaut, haben wir uns ganz gut geschlagen. Als komplett neue Marke haben wir in den vergangenen zehn Monaten ungefähr 2000 Fisker Karma verkauft - in etwa soviel wie Maserati.

Dabei spielen uns natürlich auch Anreizprogramme in einigen Staaten in die Hände. In den Niederlanden haben wir im ersten Quartal mehr Autos verkauft als alle bekannten deutschen Anbieter im 4-Türer-Luxussegment. Wir haben mehr Karmas verkauft als Mercedes seine S-Klasse, oder Audi den A8. Dabei sind wir in Europa erst seit einigen Monaten präsent, in Deutschland ungefähr seit einem Monat.

mm: Und wie sieht es in hierzulande aus? Wieviel Karmas haben Sie schon abgesetzt?

Fisker: Aktuelle Zahlen habe ich leider nicht. Kürzlich waren es etwas mehr als 50. Aber wir sind auch erst seit kurzer Zeit hier - und haben nur etwas mehr als eine Handvoll Händler. Aber Deutschland ist für uns sehr wichtig. Es ist der größte und wettbewerbintensivste Markt in Europa. Wenn man sich wirklich als Luxusmarke etablieren will, muss man hier erfolgreich sein.

mm: Die vergangenen Monate waren für Sie nicht nur von Erfolgen gesäumt. Sie mussten wegen technischer Probleme mehr als 200 Fahrzeuge zurückrufen, US-Staatshilfen flossen nicht wie geplant und nun hat auch noch ihr Batterielieferant A123 Insolvenz angemeldet.

Fisker: Die technischen Probleme sind behoben. Und das mit dem Staatsgeldern ist alles andere als neu. Mittlerweile haben wir 300 Millionen neue Investorengelder eingesammelt.

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