Montag, 20. Mai 2019

Autoindustrie Großreinemachen in Europas Autobranche

Ford-Produktion in Köln: Der US-Hersteller erwartet einen Milliardenverlust in Europa - und macht drei Werke dicht

Daimler setzt den Rotstift an, Peugeot greift nach Staatshilfen, Ford macht drei Werke dicht: Europas Autohersteller stellen sich nach langem Wegsehen der bitteren Realität. Nun drohen weitere harte Einschnitte - für die Unternehmen und deren Beschäftigte.

Hamburg - Fiat-Chef Sergio Marchionne nennt die Dinge gerne beim Namen - und bemüht auch mal drastische Vergleiche. So warf er dem Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen in einem Interview vor, mit übermäßigen Rabatten ein "Blutbad bei den Margen" anzurichten. Die Wolfsburger schossen wütend zurück. Doch die gestern veröffentlichten Quartalszahlen von Volkswagen zeigen, dass Marchionnes Aussage durchaus einen wahren Kern hat.

So schlägt sich der schwache Automarkt in Europa schön langsam auch auf die Bilanz der erfolgsverwöhnten Wolfsburger durch. Für das Gesamtjahr hält Europas größter Autohersteller jedoch an seinen Zielen fest - mit einem aufschlussreichen Detail. So will VW-Chef Martin Winterkorn in diesem Jahr den Betriebsgewinn auf dem Niveau des Vorjahres halten, Absatz und Umsatz soll jedoch steigen. Volkswagen ist bereit, pro Auto weniger Geld zu verdienen - was wiederum nahelegt, dass sich die Wolfsburger auf Preisschlachten in Europa einlassen wollen.

Dabei stehen die Wolfsburger noch immer ziemlich gut da, wie der gestrige Tag gezeigt hat. Die Lage bei Europas zweitgrößtem Autohersteller PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen ist mittlerweile so mies, dass die hauseigene Autobank der Franzosen eine staatliche Stütze über sieben Milliarden Euro bekommt. Ford Börsen-Chart zeigen, nach Marktanteil die Nummer zwei in Europa, erwartet einen Milliardenverlust und schließt gleich drei Werke - eines in Belgien mit 4500 Mitarbeitern sowie zwei kleinere in Großbritannien. Daimler Börsen-Chart zeigen reduziert seine Gewinnprognose für dieses Jahr um eine Milliarde Euro und startet ein milliardenschweres Sparprogramm, über das manager magazin online vor einigen Tagen exklusiv berichtete.

So viele schlechte Botschaften an einem einzigen Tag sollten schon zu denken geben. Nach monatelangem Zögern ringen sich die ersten Autohersteller in Europa dazu durch, zu handeln - und nicht nur abzuwarten, dass die Konkurrenz die ersten Schritte setzt. Das Großreinemachen in der Branche dürfte nun losgehen - und es wird für Beschäftigte und Regierungen schmerzlich werden.

Sehenden Auges in die Krise

Denn schon seit langem ist klar, dass sich der europäische Automarkt in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Bereits im Jahr 2009 warnten Experten, dass der Autoabsatz in Europa in den kommenden Jahren schrumpfen wird. Da war die Dimension der Euro-Schuldenkrise noch nicht absehbar, die den Autohändlern das Leben nun besonders schwermacht.

In Südeuropa sind die Verkaufszahlen in diesem Jahr um zweistellige Prozentbeträge zurückgegangen - und schön langsam erreicht die Kaufzurückhaltung nun auch den deutschen Automarkt. Kriselnden Massenhersteller wie Peugeot Börsen-Chart zeigen, Fiat Börsen-Chart zeigen oder Opel Börsen-Chart zeigen geraten doppelt in die Zange: Zum einen macht ihnen der Volkswagen-Konzern mit seinem Dutzend Marken und den dank China gut gefüllten Taschen das Leben schwer. Auf der anderen Seite schnappt ihnen der koreanische Hyundai-Konzern Börsen-Chart zeigen mit geschicktem Marketing und qualitativ guten Fahrzeugen erfolgreich Marktanteile weg - und wächst selbst in einem schrumpfenden Markt .

Prognosen zufolge werden die Verkaufszahlen erst zum Ende des Jahrzehnts wieder das Rekordniveau von 2007 erreichen. Die Autohersteller haben also eine lange Durststrecke vor sich. Zudem droht in vielen Werken Europas eine schleichende Verlagerung nach Übersee - auch wenn das Automanager stets erbost dementieren. Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Co. investieren Milliarden in den Ausbau ihrer Fertigungsanlagen in Mexiko, Russland, Brasilien, China und Indien.

In Schwellenländern gibt es dafür gute Gründe, denn die Steuern für den Import von Fahrzeugen sind hoch. Bislang haben Luxushersteller wie BMW hohe Zölle mit einem umständlichen Verfahren umgangen: Sie haben fixfertig zusammengebaute Fahrzeuge zerlegt und in Einzelteilen ins Land geschafft, um sie dort wieder zusammenbauen zu lassen. Auf Dauer ist das jedoch ein teures und umständliches Verfahren - da kommt die komplette Fertigung im Land billiger.

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