Sonntag, 26. Januar 2020

Staatshilfe Peugeot erhält Milliardengarantie

Peugeot-Kleinwagen: Dank Milliardengarantien fällt die Finanzierung durch die hauseigene Bank PSA Finance künftig leichter

Auf den französischen Staat ist Verlass: Mit staatlichen Garantien bis zu sieben Milliarden Euro stützt die Regierung die Finanzsparte des kriselnden Autoherstellers PSA Peugeot Citroën. Einem deutschen Bundesland passt das gar nicht.  

Paris - Der angeschlagene französische Autobauer Peugeot bekommt Staatshilfen für seine Finanztochter PSA Finance. Frankreich werde mit bis zu 7 Milliarden Euro für die Emission von Anleihen garantieren, teile der Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën heute mit.

Ein Bankenpool sei darüber hinaus gebeten worden, 11,5 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung zu stellen. PSA Börsen-Chart zeigen wies darauf hin, dass die Bank, die unter anderem Autokäufe finanziert und das Leasing-Geschäft abwickelt, derzeit profitabel arbeitet. Allerdings hat sie durch die schwierige Lage des Konzerns Probleme bei der Refinanzierung.

Mit Hilfe der Garantien könnte Peugeot Autokäufern etwa günstige Kredite anbieten. Die Regierung knüpft die Unterstützung jedoch an Job-Garantien und Mitsprache. Der VW-Aktionär Niedersachsen will angeblich bei der EU gegen die Hilfen vorgehen, da sie Peugeot unfaire Wettbewerbsvorteile verschaffen könnten.

Belastet durch hohe Produktionskosten und große Überkapazitäten verliert Peugeot im Preiskampf auf dem schwächelnden Automarkt in Europa gegen Rivalen wie Volkswagen immer mehr an Boden. Nach jüngsten Herabstufungen der Kreditwürdigkeit droht der Finanzierungssparte zudem der Ramsch-Status, was Kredite teurer machen und die Wettbewerbsfähigkeit weiter verschlechtern würde. Peugeot hatte erst im Juli angekündigt, 8000 Stellen zu streichen und ein Werk zu schließen, um die Verluste in den Griffe zu bekommen.

Niedersachsen will sich an EU wenden

Das Land Niedersachen, in dem VW sitzt, machte aus seiner ablehnenden Haltung zu den Staatshilfen keinen Hehl. Ein Sprecher der Staatskanzlei in Hannover sagte gestern, Ministerpräsident David McAllister habe auf die Frage, ob er eine Überprüfung durch die EU-Kommission wegen der geplanten Staatshilfen an PSA fordere, gesagt, dass die Hilfen nicht zur Lösung der Probleme geeignet seien. McAllister ist Mitglied im VW-Aufsichtsrat.

Frankreichs Industrieminister Arnauld Montebourg machte bereits klar, dass die Regierung Hilfen für die Finanzierungssparte Banque PSA Finance an Bedingungen knüpft. Der Konzern müsse Abstand von seinem zuletzt angekündigten Stellenabbau nehmen und eine Standortgarantie für die Werke in Frankreich geben, sagte er der Zeitung "Liberation". Darüber hinaus müsse Peugeot in sein Aufsichtsgremium mehrere Arbeitnehmervertreter sowie eine Vertrauensperson der Regierung aufnehmen. Beim Rivalen Renault sitzen zwei Regierungsvertreter im Kontrollgremium.

Zugleich konkretisierte PSA die Allianz mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors Börsen-Chart zeigen. Die Unternehmen einigten sich auf eine engere Zusammenarbeit bei vier Fahrzeugmodellen von Peugeot und Opel sowie beim Einkauf, wie die Unternehmen am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung erklärten. Zu den vier Projekten gehört die Entwicklung gemeinsamer Vans für Opel/Vauxhall und Peugeot sowie eine Plattform für emissionsarme Kleinwagen. Ziel sei es, die ersten Autos aus den gemeinsamen Programmen bis Ende 2016 auf den Markt zu bringen.

wed/dpa/rtr

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