Autoindustrie Topautobauer weichen Krise vorerst aus

Trotz Absatzkrise in Europa steuern BMW, Audi, Mercedes und Volkswagen  erneut ein Bestjahr an. Darbende Rivalen wie Fiat, Opel und PSA geraten immer stärker unter Druck. Doch für Europa bleiben die Topautobauer ebenso skeptisch wie die Analysten.
Mini-Produktion in Großbritannien: Der BMW-Konzern glänzt im September mit einem neuen Auslieferungsrekord

Mini-Produktion in Großbritannien: Der BMW-Konzern glänzt im September mit einem neuen Auslieferungsrekord

Foto: picture alliance / dpa

Hannover/München/Paris - Erfolgsmeldungen aus der deutschen Automobilbranche: Die Marken BMW , Audi , Mercedes-Benz  und Volkswagen  trotzen Europas Absatzkrise mit neuen Rekordwerten für die ersten neun Monate des Jahres. Zwar spüren die Konzerne die schwachen europäischen Märkte, doch das weiter robuste Wachstum in Übersee trägt die Hersteller wohl auch 2012 zu einem weiteren Rekordjahr.

Die deutschen Topautobauer sind vor allem in den Wachstumsmärkten USA und China gut aufgestellt und daher nicht so abhängig von der Entwicklung in Westeuropa. Dort ist der Automarkt angesichts der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt.

Vor allem Hersteller wie Opel, Fiat  oder PSA Peugeot Citroën schwächeln. In Paris musste die Polizei heuteTränengas einsetzen, um 1000 demonstrierende Mitarbeiter von PSA und anderen Unternehmen am Stürmen des dortigen Automobil-Salons zu hindern, wie Medien berichteten. PSA hatte vor kurzem eine Werksschließung und den Abbau von rund 8000 Job angekündigt.

Die Absatzkrise in Westeuropa wird die Autoindustrie nach einer Prognose noch mehrere Jahre belasten. "Unsere Aussicht ist, dass die Erholungsphase ungefähr zehn Jahre dauern wird", sagte Analyst Volker Krueger vom Prognoseinstitut LMC Automotive auf einer Veranstaltung der Ratingagentur Standard & Poor's in Frankfurt.

Erst 2018 werden nach der Prognose wieder so viele Autos verkauft wie im Vorkrisenjahr 2007. In Deutschland werden demnach 2012 etwa 2 Prozent weniger Neuwagen verkauft als im Vorjahr. Die Absatzkrise habe auch zur Rezession in der Autoproduktion geführt. S&P schätzt Europas Überkapazitäten auf mindestens 20 Prozent.

VW mit neuem Absatzrekord

Europas größter Autobauer Volkswagen  allerdings ist weiter gut unterwegs. Der Konzern hat nach vorläufigen Zahlen bis Ende September die weltweiten Auslieferungen um 10,6 Prozent auf 6,8 Millionen Fahrzeuge gesteigert und damit eine neue Rekordmarke erreicht.

Auch bei der Kernmarke Volkswagen gab es neue Bestmarken. "Erstmals wurden in den ersten drei Quartalen über vier Millionen Fahrzeuge verkauft", teilte VW in Wolfsburg mit. Die Zahl der Auslieferungen bei der Kernmarke VW kletterte bis Ende September um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum auf knapp 4,21 Millionen Wagen. In den ersten neun Monaten 2011 legte die verkaufte Zahl an VW-Autos auf 3,81 Millionen Wagen zu.

BMWs Verkäufe wachsen deutlich

Allerdings gab es auf dem deutschen Heimatmarkt eine leichte Delle bei der Zahl der Auslieferungen, die per September von 449.600 im Vorjahr um 0,6 Prozent auf 447.000 Fahrzeuge sanken. VW begründete das mit Sondereffekten im Vorjahr, als zwei zusätzliche Werktage und Vertriebsaktionen bei Händlern die Auslieferungen ansteigen ließen.

BMW  verkaufte im vergangenen Monat weltweit 177.716 Autos der Marken BMW, MINI und Rolls-Royce - ein Plus von 11,6 Prozent, wie der Konzern heute in München mitteilte. In den ersten neun Monaten summiert sich der Absatz auf mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge, so viele wie nie zuvor in diesem Zeitraum.

Mercedes-Verkäufe laufen trotz Gewinnwarnung rund

Erzrivale Audi  verkaufte dank der guten September-Zahlen erstmals bereits nach neun Monaten mehr als eine Million Autos. Die VW-Tochter setzten im abgelaufenen Monat weltweit 136.600 Fahrzeuge ab. Dabei profitierte Audi von starker Nachfrage in den USA, China, aber auch in Europa.

Auch bei Mercedes-Benz lief es Gewinnwarnung und Sparpaket zum Trotz gut. Daimler  verkaufte in seiner Pkw-Sparte im September 132.606 Autos der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach, ein Plus von 2,4 Prozent. Von Januar bis September lag der Absatz bei rund 1,04 Millionen Autos - ein Rekord mit einem Plus von 4,7 Prozent.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Ende September angekündigt, 2012 in der Autosparte mit einem Gewinnrückgang zu rechnen. An den Prognosen für einen Rekordabsatz halten die Stuttgarter aber fest.

In Europa bleiben Hersteller skeptisch

Allerdings bleiben die Autohersteller sehr wachsam, schließlich hat die Krise die vor allem auf den europäischen Markt ausgerichteten Volumenhersteller wie Fiat, Opel, Renault oder Peugeot bereits in eine Abwärtsspirale gezogen. "Im anhaltend schwierigen Umfeld der westeuropäischen Automobilmärkte bleiben wir sehr aufmerksam", sagte etwa VW-Vertriebsvorstand Christian Klinger. VW wappnet sich bereits für ein Überschwappen der Krise und will unter anderem mehr liquide Mittel vorhalten.

Mercedes-Benz hat sogar eine Gewinnwarnung herausgegeben. Schwierige Marktbedingungen in Europa und eine Verschärfung des Wettbewerbs in China würden für das Gesamtjahr "wohl dazu führen, dass wir bei Mercedes-Benz Cars unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche im September.

Der Autoexperte Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen erwartet in diesem Jahr mit 11,6 Millionen Pkw-Verkäufen das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993. Nach Einschätzung der Branche wird es auch 2013 nicht aufwärtsgehen, frühestens 2015 sehen die meisten Hersteller Licht am Ende des Tunnels.

Den deutschen Automarkt sieht Dudenhöffer auf dem Weg in die Rezession. Noch nie haben die Hersteller in Deutschland laut einer Studie seines Instituts so hohe Rabatte gewährt wie im September. "Ohne Rabatte geht im deutschen Automarkt nichts mehr", sagte Dudenhöffer. Einzelne Hersteller wie Honda oder Citroen würden Kunden gar mit Vorteilen von bis zu 30 Prozent locken.

wed/dpa/dapd/rtr
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