Schmiergeldaffäre Staatsanwälte ermitteln gegen Ex-MAN-Chef Samuelsson

Die Schmiergeldaffäre beim Münchner MAN-Konzern weitet sich aus: Auch gegen Samuelsson und Ex-Finanzchef Hornung leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren ein. Zu den neuen Ermittlungen führte eine überraschende Zeugenaussage.
Hakan Samuelsson: Der ehemalige Vorstandschef von MAN könnte sich bald auf der Anklagebank wiederfinden

Hakan Samuelsson: Der ehemalige Vorstandschef von MAN könnte sich bald auf der Anklagebank wiederfinden

Foto: A3483 Matthias Schrader/ dpa

München - Gegen den ehemaligen MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte. Es bestehe der Verdacht der "Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr". Nach ersten Überprüfungen seien mögliche Taten nicht verjährt. Weitere Angaben wollte die Staatsanwaltschaft "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht machen.

Im Visier der Anklage ist auch der frühere MAN -Finanzchef Karlheinz Hornung. Die jetzt aufgenommenen Ermittlungen gehen auf eine Zeugenaussage im laufenden Prozess gegen den einstigen Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, zurück.

Dort hatte vor zwei Wochen der frühere Leiter der Konzernrevision überraschend Samuelsson und Hornung belastet. Beide hätten schon ab Mai 2006 - Jahre vor dem Auffliegen des Skandals - von der Bestechungspraxis gewusst. Die Revision habe sie damals informiert, dass man auf dubiose Provisionszahlungen in Slowenien gestoßen sei. "Das Wort 'Schmiergeldzahlungen' habe ich ihm gegenüber erwähnt", sagte der Zeuge über sein Gespräch mit Samuelsson.

Schwere Vorwürfe gegen Weinmann

Bislang ist Weinmann der ranghöchste Beschuldigte in der MAN-Korruptionsaffäre. Ihm wird Bestechung im geschäftlichen Verkehr zur Last gelegt. Er bestreitet die Vorwürfe. 2009 war aufgeflogen, dass der Dax-Konzern jahrelang den Verkauf von Lastwagen, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt hatte. Samuelsson, Hornung und Weinmann mussten daraufhin ihren Hut nehmen.

Laut Anklage soll der einstige Nutzfahrzeugchef von dem Schmiergeldsystem gewusst und es geduldet haben, statt es zu unterbinden. Im laufenden Verfahren geht es bei zahlreichen Zeugenvernehmungen im Kern um die Frage, ob Weinmann von einem internen Vermerk der Prüfer über Schmiergeldzahlungen in Slowenien gewusst hat oder nicht.

Der ehemalige Leiter der Gesamtrevision sagte aus, er habe zwar regelmäßig mit Weinmann telefoniert, über die Vorfälle in Slowenien habe er jedoch Samuelsson als seinen obersten Vorgesetzten informiert. In einer früheren Vernehmung hatte der Zeuge dies nicht angegeben.

mahi/rtr/dpa/dapd