Aktienkurs bricht ein Chrysler hält Fiat nur knapp über Wasser

Fiat hat in seinem Stammgeschäft im ersten Halbjahr mehr als 500 Millionen Euro Verlust eingefahren. Damit trifft die Autokrise in Europa Fiat mit den Tochtermarken Alfa Romeo und Lancia immer härter. Einzig Fiats US-Tochter Chrysler hält die Italiener noch über der roten Linie.
Autos auf dem Hof: Fiat mit schweren Absatzproblemen auf dem Heimatmarkt

Autos auf dem Hof: Fiat mit schweren Absatzproblemen auf dem Heimatmarkt

Foto: dapd

Turin - Der kriselnde italienische Autobauer Fiat hat nur dank fremder Hilfe den Sturz in die roten Zahlen vermieden. Fiat selbst hat alleine im zweiten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 246 Millionen Euro eingefahren, wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte.

Dem italienischen Autohersteller macht schwer zu schaffen, dass derzeit zu wenige Italiener neue Fiat-Modelle kaufen, weil sie ihr Geld in der grassierenden Wirtschaftskrise lieber beisammen halten wollen. Der Kurs der Fiat-Aktie  stürzte dann auch heute zeitweiig ab, woraufhin das Papier an der Mailänder Börse kurzzeitig vom Handel ausgesetzt wurde.

Dass Fiat dennoch nicht schon jetzt in die roten Zahlen gerutscht ist, liegt an dem aktuellen Erfolg der amerikanischen Fiat-Tochter Chrysler. Die US-Filiale überwies den klammen Italienern zuletzt netto 737 Millionen Euro, denn Chrysler legt derzeit zu, und das hat zwei Gründe.

Erstens verkaufte Chrysler im zweiten Quartal deutlich mehr Autos als im Vorquartal seinen amerikanischen Kunden. Der Umsatz stieg so um hohe 23 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet 13,7 Milliarden Euro. Der Gewinn lag unterm Strich bei 436 Millionen Dollar; im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 370 Millionen Dollar aufgelaufen.

Fiat und PSA bilden neues Krisendoppel

Zweitens bleibt die Fiat-Tochter vor Problemen in anderen Teilen der Welt verschont - weil sie da ohnehin nicht ennenswert verkauft: Während viele Autobauer in Europa schwere Verluste hinnehmen mussten und mit sinkenden Absatzzahlen auch in China und Südamerika zu kämpfen hatten, ist Chrysler auf diesen Märkten kaum aktiv.

Fiat mit den Töchtern Lancia und Alfa Romeo dagegen blutet aus mehreren Wunden: Die Marken sind traditionell in Südeuropa stark, also Italien, Spanien und Frankreich. Gerade diese Automärkte sind aber wegen der Schuldenkrise um 20 Prozent oder mehr eingebrochen, denn Privatleute und Firmen schieben Autokäufe angesichts hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Auftragseingänge vor sich her.

Der größte Verlierer dieses Markteinbruchs war Fiat: Um 17 Prozent gingen Fiats Neuzulassungen in der Europäischen Union (EU) im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 zurück, der Marktanteil sank von 7,5 Prozent auf nur noch 6,7 Prozent. Fiat-Chef Sergio Marchionne weiß um die Schwäche des einstigen Zugpferds der italienischen Industrie. Rund 63.000 Mitarbeiter hat Fiat in Italien.

Damit ist Fiat in einer ähnlichen Lage wie der französische Kleinwagenkonkurrent PSA Peugeot Citroën , der ebenfalls tiefrote Zahlen schreibt. Fiat hat zu viele Fabriken, die nun nicht voll ausgelastet laufen und Geld kosten. Konzernchef Sergio Marchionne fordert seit Monaten von der EU Finanzhilfe bei der Schließung von Werken, was aber die deutsche Autoindustrie ablehnt.

Marchionne hatte in der vergangenen Woche einen heftigen Streit zwischen Volkswagen und Fiat ausgelöst. Er hatte VW eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vorgeworfen. VW teilte daraufhin mit, Marchionne sei als Vorsitzender des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea nicht mehr tragbar. Der Fiat-Boss hatte wegen der eingebrochenen Nachfrage in Italien deutlich gemacht, eines der vier Fiat-Werke im Land könnte gefährdet sein, falls sich an der desolaten Absatzlage nichts ändere.

kst/apd/dpa-afx/rtr
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