BMW Schwacher Euro hilft, hohe Kosten belasten

Entsetzt reagierten Anleger auf den Gewinnrückgang bei BMW. Der Kurs brach um 4 Prozent ein. Dafür reichte schon, dass die vage Prognose nur bestätigt und nicht erhöht wurde - trotz der für BMW günstigen Euro-Schwäche. Die macht BMW-Chef Reithofer jetzt zum Euro-Fan und Unterstützer.
Von Cornelia Knust
Hohe Vorleistungen: Elektroauto BMW i3

Hohe Vorleistungen: Elektroauto BMW i3

München - Die bekannte Coolness des BMW-Konzerns wirkte diesmal etwas angestrengt. Finanzvorstand Friedrich Eichiner mühte sich redlich, den Gewinneinbruch im zweiten Quartal (minus 25 Prozent beim Ergebnis vor Steuern) nicht als solchen zu betiteln und den scharfen Rückgang beim Aktienkurs heute morgen als Werk von Spekulanten abzutun. Dass viele Analysten noch vor kurzem positiver gestimmt waren und das Kursziel heraufgesetzt hatten, darauf ging er in einer Telefonkonferenz zum Quartalsabschluss gar nicht ein.

Ein positiver Sondereffekt im Vorjahr habe die Vergleichsbasis verändert, sagte Eichiner. Natürlich sei da mehr Wettbewerb, mehr Preisdruck und auf Märkten wie Spanien und Italien gingen die Zahlen runter. Doch im Grunde sei nichts passiert. Die Prognose, 2012 die Vorjahreswerte bei Umsatz und Gewinn zu übertreffen und bei der Marge den Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent zu erreichen, bestätige man vollumfänglich: "Wir sind genauso zuversichtlich wie zu Beginn des Jahres".

Vorstandschef Norbert Reithofer stieß ins gleiche Horn: Die Marge von 11,6 Prozent (operatives Ergebnis zu Umsatz), die der Konzern sowohl im vergangenen Quartal als auch auf das Halbjahr gesehen erreicht hat, sei ein "starkes Signal der Leistungsfähigkeit". Hier erreichte BMW  genau den selben Wert wie Audi und schnitt besser ab als Mercedes.

Man sei weltweit ausbalanciert und zeichne wie immer ein realistisches Bild der Lage, sagte Reithofer. Der europäische Absatz insgesamt sei stabil und der Absatz in Deutschland aufgrund eines Modellwechsels nur leicht rückläufig. Die Frage nach den Tageszulassungen, mit denen auch BMW seinen Absatz in Deutschland in großem Umfang aufpolieren soll, wie Studien behaupten, überhörte der Vorstandschef geflissentlich.

Kurzarbeit kein Thema

Sollte sich die Absatzlage weltweit, auch durch das fragile politische Umfeld in Europa, verschlechtern, werde man konsequent reagieren, sei ja höchst flexibel, könne in einem solchen Fall Ergebniswirkungen aber nicht ganz ausschließen, sagte Eichiner. Noch sei die Auslastung hoch und Kurzarbeit kein Thema. Keine Einigung hat BMW bisher mit dem Betriebsrat über einen neuen Vertrag zu Flexibilisierung erzielt, der auch den Abbau der seit Jahren sehr hohen Leiharbeiterquote bei BMW umfasst. Seit dem 1. Juli muss sich die neue Frau im Vorstand, Milagros Caiña-Andree, mit diesem Reizthema beschäftigen.

Tatsächlich gehört BMW nicht zu den Notleidenden der Branche. Das Unternehmen verdient sehr gut und kann das etwas schwächere Geschäft in Europa mit zweistelligen Zuwächsen in Asien und Nordamerika ausgleichen. Beflügelt hat auch der schwache Euro, der laut Eichiner im bisherigen Jahresverlauf 5 Prozentpunkte zum Umsatzwachstum und um die 500 Millionen Euro zum Ergebnis beigetragen hat. Schließlich produziert das Unternehmen noch einen Großteil seiner Modellpalette in deutschen Werken.

Nicht von ungefähr beschwor Reithofer in der Telefonkonferenz daher den Fortbestand der Währungsunion, auf dass eine Rückkehr zur D-Mark und eine damit verbundene Aufwertung nicht stattfinde: "Wir fordern ein entschlossenes Handeln der Staatengemeinschaft". Die Geldwertstabilität solle zwar oberstes Ziel der Notenbank bleiben, distanzierte sich Reithofer auf Nachfrage von den neuesten Rettungsplänen der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch ein Auseinanderbrechen der Währungsunion ist für ihn nicht hinnehmbar: "Die Eurozone ist unser Binnenmarkt". BMW verkaufe rund die Hälfte seiner Autos in Europa, auch wenn China und die USA längst die größten Einzelmärkte sind und auch die größten Zuwachsraten beim Absatz zeigen.

Immer wieder sprach Reithofer aber auch von den dramatisch hohen Vorleistungen, also Entwicklungs- und Personalkosten, die sein Haus aufzubringen habe, um neue umweltfreundliche Autos zu entwickeln und bis 2020 die neuen Vorgaben der EU-Kommission zum durchschnittlichen CO2-Ausstoß quer über alle Marken und Modelle des Konzerns zu erfüllen. Eine Milliarde Euro sei allein für dieses Jahr an solchen Vorleistungen eingeplant. Er sprach von einem "Marathonlauf" und der "größten Zäsur" in der Geschichte der Autoindustrie. Nur in der Kooperation mit starken Partnern (BMW wandte sich jüngst noch stärker Toyota zu und ging auf Abstand zu PSA und General Motors) sei das zu schaffen.

Milliarden für die Auslandsexpansion

Er stelle die Vorgabe der EU von 95 Gramm CO2 pro Kilometer als solches nicht in Frage, verhandele allerdings gemeinsam mit dem Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) über eine Ausgestaltung, die Anreize für Innovationen setze und die beschleunigte Einführungo alternativer Antriebe belohne, sagte Reithofer. Bekanntlich fordert die deutsche Autoindustrie von der Bundesregierung Subventionen auf dem Weg zu mehr Elektroautos im Straßenverkehr, zum Beispiel in Form steuerlicher Anreize. BMW will schon im nächsten Jahr mit einem Elektroauto in Leichtbauweise, dem I3, auf den Markt kommen, das überwiegend in Leipzig produziert wird.

Dabei kann BMW eigentlich vor Kraft kaum gehen. Drei Milliarden Euro Cash-flow will der Konzern 2012 erwirtschaften. Das Geld wird aber auch gleich für den Aufbau von Kapazitäten im Ausland verbraucht, mit denen bis 2016 die Zwei-Millionen-Grenze bei der Fahrzeugproduktion erreicht werden soll, auf dass sich die hohen Investitionen in umweltfreundliche Technik auf eine größere Stückzahl verteilen. Man hat ein zweites Werk in China eröffnet, baut das US-Werk Spartanburg aus und investiert mehr Geld als geplant in die Mini-Produktion an britischen Standorten.

Auf Eis liegt dagegen der Bau für ein neues Werk in Brasilien, wo BMW von Steuererhöhungsplänen der Regierung überrascht wurde, so dass sich der "Business Case" plötzlich nicht mehr rechnete. Man sei aber in "konstruktiven Gesprächen mit den Verantwortlichen", sagte Reithofer. Die Spekulation, BMW könne stattdessen in Mexiko ein neues Werk errichten um Brasilien von dort zu beliefern, dementierte der BMW-Chef ausdrücklich. Dazu gebe es "mittelfristig keine Pläne".

 
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