Porsche Holding Milliardengewinn mit gut 30 Angestellten

Die hoch verschuldete Porsche-Muttergesellschaft holt mit der nahenden Veräußerung des Porsche-Sportwagengeschäftes an VW zum finanziellen Befreiungsschlag aus. Sie rechnet schon für das laufende Jahr mit einem satten Milliardengewinn.
Komplizierte Familie: Nach Fehlschlägen fusionieren Porsche und VW zum 1. August vollständig. Die Porsche Holding verkauft dazu das in der Porsche AG gebündelte Sportwagengeschäft an VW

Komplizierte Familie: Nach Fehlschlägen fusionieren Porsche und VW zum 1. August vollständig. Die Porsche Holding verkauft dazu das in der Porsche AG gebündelte Sportwagengeschäft an VW

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Stuttgart - Die Stuttgarter Porsche  Holding hat im ersten Halbjahr 2012 glänzend an ihren beiden Beteiligungen an VW und dem Porsche-Autogeschäft verdient. Mit den sprudelnden Gewinnen konnte die Holding den erneuten Milliardenverlust aus einem Optionsgeschäft mit VW klar ausbügeln, wie das Unternehmen mitteilte.

Nach Steuern verdiente die börsennotierte Holding in den Monaten Januar bis Juni 1,15 Milliarden Euro, vor Jahresfrist waren es gerade einmal 149 Millionen Euro gewesen.

Nach diesem Gewinnsprung ist die nur knapp drei Dutzend Beschäftigte zählende Holding zuversichtlich, auch am Jahresende einen Überschuss "im hohen einstelligen Milliarden-Bereich" abzuliefern.

Denn das - in den vergangenen Quartalen stets verlustträchtige - Optionsgeschäft mit VW, das Porsche den vollständigen Verkauf des Autogeschäfts ab Jahresende ermöglichte, wird dann hinfällig sein. Mit VW kam die Porsche Holding Anfang Juli überein, dass die Wolfsburger bereits zum 1. August die Automarke Porsche einschließlich Schulden ganz schlucken.

4,5 Milliarden Euro fließen für die Marke Porsche zur Holding

Dadurch kann die auch weiterhin mit rund einem Drittel am VW-Kapital beteiligte Porsche Holding ein zusätzliches Ergebnis von sechs bis sieben Milliarden Euro verbuchen. Mit dem anstehenden Mittelzufluss von knapp 4,5 Milliarden Euro will die noch mit 1,45 Milliarden Euro in der Kreide stehende Dachgesellschaft ihre Verbindlichkeiten tilgen und in neue Geschäftsfelder investieren.

Die enge Verflechtung zwischen der Porsche Holding und VW ist das Ergebnis des missglückten Übernahmeversuchs von VW durch die Holding vor drei Jahren. Um die damals hochverschuldete und von den Familien Piech und Porsche kontrollierte Dachgesellschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren, kauften die Wolfsburger den Stuttgartern knapp die Hälfte des Autogeschäfts ab, das in der Porsche AG gebündelt ist. Zugleich wurden wechselseitige Kauf- und Verkaufsoptionen auf die restlichen Anteile vereinbart, die erstmals zum Ende dieses Jahres gezogen werden konnten, aber bis 2014 hohe Steuerzahlungen nach sich gezogen hätten.

Solange wollten die beiden Unternehmen zuletzt nicht mehr warten und die Früchte einer engeren Zusammenarbeit im operativen Geschäft schneller ernten. Daher schlüpft die Automarke Porsche nun bereits im August als zwölfte Konzernmarke ganz bei VW unter.

Mit Hilfe eines von findigen Juristen im Umwandlungssteuerrecht entdeckten Schlupflochs sparen die Unternehmen zudem die Steuerzahlungen: Der Schulterschluss wird als Umstrukturierung abgewickelt. Die Konstruktion der Kauf- und Verkaufsoption im Krisenjahr 2009 hat der Porsche Holding insgesamt Buchverluste von mehreren Milliarden Euro eingebracht, VW bescherte sie im Gegenzug hohe Buchgewinne.

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