Kräftiges Wachstum Volkswagen trotzt der Euro-Schuldenkrise

Während andere europäische Autokonzerne unter der Euro-Krise leiden, steht Volkswagen noch immer gut da. Doch beim Blick in die Zukunft nimmt die Skepsis des Vorstands zu. Anleger hatten auf eine Anhebung der Prognose gehofft und reagieren enttäuscht.
Autostadt in Wolfsburg: Ungeachtet der sich verschärfenden Absatzkrise in Europa hat Volkswagen beim Gewinn zugelegt.

Autostadt in Wolfsburg: Ungeachtet der sich verschärfenden Absatzkrise in Europa hat Volkswagen beim Gewinn zugelegt.

Foto: dapd

Wolfsburg - Im ersten Halbjahr sei das operative Ergebnis auf 6,49 Milliarden Euro geklettert, teilte Volkswagen mit. Trotz hoher Investitionen in neue Modelle und Werke war das ein Zuwachs von 6,7 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich schnellte der Gewinn um 35,9 Prozent auf 8,83 Milliarden Euro nach oben.

Damit schnitt VW etwas besser ab als von Analysten erwartet. Allerdings schwächte sich der Zuwachs angesichts einer verhalteneren Entwicklung in Europa im zweiten Quartal ab.

"Wir können mit dem Geschäftsverlauf der ersten sechs Monate zufrieden sein", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn. "Unsere starke Stellung auf den Weltmärkten wird uns trotz des fordernden Umfelds helfen, die Entwicklung des Gesamtmarktes zu übertreffen." Die breite globale Aufstellung und die Mehrmarkenstrategie seien zusammen mit den Finanzdienstleistungen die Wettbewerbsvorteile des Konzerns.

Konkurrenten erleiden Rückschlag im zweiten Quartal

Der französische Konkurrent PSA Peugeot Citroën (Kurswerte anzeigen) war im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gestürzt und steht vor einem harten Sparprogramm. Auch Daimler (Kurswerte anzeigen) und Opel mussten im zweiten Quartal beim Gewinn Federn lassen. Die VW-Gruppe verbuchte dagegen im ersten Halbjahr ein Plus von 10 Prozent beim Absatz. In Westeuropa gingen die Verkaufszahlen zwar ebenfalls zurück, die Wolfsburger profitierten aber davon, dass ihre Fahrzeuge vor allem in Nordamerika, Osteuropa, Asien und Deutschland weiter stark gefragt sind.

Dank der Vollkonsolidierung des übernommenen Lastwagenbauers MAN  und eines Absatzrekords legte der Umsatz bei Volkswagen im ersten Halbjahr um 22,6 Prozent auf 95,4 Milliarden Euro zu. Neben der guten Entwicklung des Geschäfts in China, das VW nicht in seinem operativen Ergebnis bilanziert, trugen dazu erneut Bewertungseffekte aus Optionen auf die lange blockierte Komplettübernahme von Porsche  bei. Mit den Porsche-Bewertungseffekten hat es bald ein Ende. Denn zum Monatswechsel will Volkswagen den Sportwagenbauer endgültig in den Konzern eingegliedert haben.

Vorstand enttäuscht mit Prognose

Für Enttäuschung an der Börse sorgte der VW-Vorstand aber mit seinen Prognosen, die er nicht wie von Analysten gehofft, erhöhte. Die im Dax notierten VW-Vorzugsaktien  verloren nach Veröffentlichung des Halbjahresberichts in einem schwachen Umfeld 2,6 Prozent. Anleger hätten sich eine mutigere Prognose gewünscht.

"Wir gehen davon aus, unsere gesteckten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen", sagte VW-Chef Winterkorn. Umsatz und Absatz sollen in diesem Jahr Rekordwerte erreichen. Das operative Ergebnis soll auf dem Vorjahreswert von 11,3 Milliarden Euro stagnieren. Dabei wirken sich Schwierigkeiten auf dem Lastwagenmarkt ebenso aus wie die hohen Investitionen in die Werke. Der Konzern baut seine Produktion um und will künftig mehr als 40 Modelle aus dem sogenannten modularen Querbaukasten herstellen. Das soll langfristig viel Geld sparen, drückt aber zunächst auf den Gewinn.

Die Porsche-Übernahme soll in diesem Jahr zunächst kaum einen operativen Effekt für den Gewinn haben, da Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation den Ergebnisbeitrag der Sportwagenbauers zunächst ausgleichen dürften. Von 2013 an rechnet Volkswagen dann mit substanziellen Beiträgen aus der Integration.

Audi super, Seat schwach

In den ersten sechs Monaten verkaufte Volkswagen konzernweit 4,6 Millionen Fahrzeuge, 12,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Als Zugpferd erwies sich erneut die Premiummarke Audi  mit einem operativen Gewinnzuwachs von 13,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Die Kernmarke VW steigerte ihren Gewinn um 3,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Zuwächse gab es auch bei Skoda.

Ganz kann sich der Konzern dem allgemeinen Absatzrückgang in Europa aber nicht entziehen. Das bekommt vor allem die spanische Marke Seat zu spüren, die weiter in den roten Zahlen steckt. Gewinnrückgänge gab es zudem bei den Lastwagentöchtern Skania und MAN, die unter der Nachfrageschwäche leiden.

Die Schwäche in Europa behält VW im Blick: Das Marktumfeld in einigen europäischen Ländern sei herausfordernd, der Wettbewerb werde intensiver, hieß es. Für VW sei Disziplin bei Ausgaben und Investitionen angesagt, um bis 2018 Weltmarktführer zu werden.

mg/dpa-afx/rtr
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