MAN Sanfte Warnung an die letzten Aktionäre

Noch ist die MAN SE ein Dax-Konzern mit eigenständigen Berichtspflichten und einem Vorstand, der allen Aktionären dient. Dass er am Vorabend des VW-Halbjahresberichts und eine Woche früher als geplant eine Warnung formuliert, deutet auf erhöhte Nervosität.
Von Cornelia Knust
Eigenes Logo, eigene Logik: Lastwagen des MAN-Konzerns

Eigenes Logo, eigene Logik: Lastwagen des MAN-Konzerns

Foto: DPA

München - Der Münchner Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN  hat schlechte Nachrichten für die Aktionäre. Unmittelbar nach Handelsschluss auf Xetra warnte MAN am Mittwoch per Ad-hoc-Meldung vor einem "zunehmend schwierigen Marktumfeld" und einer "Belastung der Profitabilität".

Die Rendite im Konzern soll im Gesamtjahr nur noch 6 Prozent betragen, im Nutzfahrzeugbereich allein nur noch 4 Prozent, heißt es in der Mitteilung. Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, sei auch eine niedrigere Umsatzrendite möglich. Der Kurs der MAN-Aktie fiel nachbörslich um 2 Prozent.

Eigentlich sollten die Zahlen erst am kommenden Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz erläutert werden. Heute war dann von einer kurzen Pressemitteilung zu den "Rahmendaten" im Anschluss an die heutige Vorstandssitzung die Rede. Man wolle die eigenen Zahlen noch vor Veröffentlichung der VW-Zahlen mit eigenen Worten erläutern, hieß es bei MAN.

Abweichungen im Beteiligungsergebnis

Die Muttergesellschaft Volkswagen , die mehr als 75 Prozent der Stimmrechte an der MAN SE hält, legt am Donnerstag ihre Zahlen vor und hat darin die Ergebnisse der MAN verarbeitet. Denn seit dem 9. November 2011, also seit alle Wettbewerbsbehörden der Übernahme zugestimmt haben, wird MAN bei VW voll konsolidiert.

VW übernimmt in die eigene Berechnung aber nur das operative Ergebnis, nicht die Beteiligungsergebnisse, wie eine VW-Sprecherin erläuterte. Da gebe es leichte Abweichungen.

Zuletzt schlug bei MAN immer die aktuelle Bewertung der eigenen Finanzbeteiligung an Scania (17,7 Prozent) im Ergebnis zu Buche. Sie wird jetzt allerdings direkt mit dem Eigenkapital verrechnet und nicht mehr im operativen Ergebnis verarbeitet. Daneben gibt es aber noch eine größere MAN-Beteiligung in China bei Sinotruk, auf die jetzt eine Wertminderung von 190 Millionen Euro entfiel, wie es in der Ad-hoc-Meldung heißt. Diese schlägt sich sehr wohl im Ertrag nieder.

Zu den Umständen der Ad-hoc-Meldung wollte die VW-Sprecherin sich nicht äußern; schließlich sei Volkswagen nur ein Aktionär, wenn auch ein großer, neben anderen Aktionären der börsennotierten MAN. Sie äußerte sich auch nicht zu möglichen Auswirkungen auf den MAN-Aktienkurs, der ja nach einer Gewinnwarnung sinken und für Volkswagen den Zukauf weiterer Aktien erleichtern könnte: "An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht."

Einbruch auch auf dem brasilianischen Markt

Analysten befürchteten schon seit Tagen, dass der MAN-Konzern seine Jahresprognose nicht wird aufrechterhalten können, weil die Geschäfte in Deutschland und Teilen Europas nicht mehr gut laufen und der Einbruch auf dem brasilianischen Markt (ausgelöst durch eine veränderte Umweltnorm) stärker sein könnte als gedacht. Der Konzern hatte zuletzt für 2012 einen leicht rückläufigen Umsatz und eine rückläufige Umsatzrendite prognostiziert, die aber immer noch 8,5 Prozent erreichen sollte - die Quote also, die stets als Rendite-Mittelwert angestrebt wurde. Nun sollen es nur noch 6 Prozent werden.

Der Vorstand verweist aber auf einen nahezu stabilen Gruppen-Umsatz im ersten Halbjahr hin und einen nur leicht auf 8,3 Milliarden Euro gesunkenen Auftragseingang. Den Marktrückgang in Europa habe man außerhalb des Kontinents und in Russland ausgleichen können, heißt es in der Mitteilung. Allerdings habe das Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge rund 260 Millionen Euro weniger operatives Ergebnis beigesteuert als im Vergleichszeitraum. Dennoch hat die Meldung den Tenor: Alles nicht so schlimm.

Schon im Mai hatte MAN nach dem ersten Quartal 2012 trotz der Schuldenkrise in Europa optimistisch geklungen. Der Auftragseingang war zwar noch leicht gestiegen, doch das operative Ergebnis um 22 Prozent eingebrochen. Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen hatte einen sich verschärfenden Preiswettbewerb im Nutzfahrzeuggeschäft eingeräumt, gerade auf den hochpreisigen Märkten.

Der Schwestergesellschaft Scania  - ihr bisheriger Chef Leif Östling führt jetzt das gesamte VW-Nutzfahrzeuggeschäft - ergeht es nicht besser als MAN, im Gegenteil: Sie hat vor wenigen Tagen für das Halbjahr einen Umsatzeinbruch von 16 Prozent gemeldet. Volvo  dagegen schnitt besser ab als erwartet und hat den Umsatz sogar leicht gesteigert. Daimler  berichtete heute sogar über stark verbesserte Verkaufszahlen für die eigenen Nutzfahrzeuge.

Faktische Beherrschung

Nachdem die enge Zusammenarbeit der beiden Nutzfahrzeugtöchter MAN und Scania aus kartellrechtlichen Gründen Jahre später effektiv wurde als ursprünglich gedacht, signalisierte VW jüngst Entschlossenheit zum Durchgreifen. In der heutigen MAN-Vorstandsrunde saß mit Jochen Schumm, 64, schon ein von Volkswagen entsandter Manager am Tisch; er war bisher Generalbevollmächtigter Personal Volkswagen Nutzfahrzeuge und hat am 1. Juli das Personalressort bei der MAN SE übernommen, bei der MAN Truck & Bus schon am 2. Juni.

Der neue MAN-Einkaufschef Ulf Berkenhagen (bislang in selber Funktion bei Audi) tritt sein Amt am 1. September an. Im Aufsichtsrat der MAN ist die Kapitalseite seit der letzten Hauptversammlung fest im Griff von Volkswagen. Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gibt es aber noch nicht, auch keinen offiziellen Abschied aus dem Börsenindex Dax.

Fraglich ist, ob dem Münchner Konzern aus Wolfsburg ein strikterer Sparkurs verordnet wird, noch bevor die versprochenen Synergien aus der Übernahme wirksam werden. Aus Arbeitnehmerkreisen verlautet bisher noch keine große Sorge über womöglich anstehende Sparprogramme bei MAN. Die Zahl der Leiharbeiter ist zwar schon weitgehend abgebaut, auch wurde der Schichtbetrieb im Sommer vorübergehend reduziert, aber noch stünden übervolle Arbeitzeitkonten zur Verfügung, um den kunjunkturellen Abschwung aufzufangen.

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