Freitag, 19. Juli 2019

Deutlicher Gewinnrückgang Lkw-Krise trifft Scania mit voller Wucht

Scania-Lastwagen: Im ersten Halbjahr 2012 stärkerer Absatzrückgang als von Experten erwartet

Die Talfahrt auf Europas Lkw-Märkten macht dem schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania zu schaffen. Im ersten Halbjahr brach der VW-Tochter ein Drittel des Gewinns weg. Immerhin in einem Bereich bleibt die Nachfrage hoch.

Södertälje - Die Talfahrt auf dem europäischen Nutzfahrzeugmarkt hat beim schwedischen Lkw-Bauer Scania Börsen-Chart zeigen auch den Gewinn in die Tiefe gerissen. Das operative Ergebnis im zweiten Quartal stürzte um 42 Prozent ab auf umgerechnet rund 227 Millionen Euro, wie die Volkswagen -Tochter am Freitag in Stockholm mitteilte.

Wegen der Lkw-Absatzkrise hatten Experten zwar mit weniger Gewinn gerechnet, allerdings nicht mit einem solch starken Rückgang. Der scheidende Scania-Chef Leif Östling verwies auf geringere Stückzahlen und eine schwächere Auslastung. Immerhin habe sich die Auftragslage im Kernmarkt Europa zuletzt verbessert, auch wenn das Niveau niedrig bleibe. Für etwas Linderung könne zudem die hohe Nachfrage nach Ersatzteilen und Service sorgen.

Mit diesem Lichtblick ließen sich die Anleger trösten - die Scania-Aktie Börsen-Chart zeigenkletterte nach der Veröffentlichung der Zahlen um rund sechs Prozent. Starke Schwankungen sind in der Nutzfahrzeugbranche an der Tagesordnung. Die Schuldenkrise in Europa und die schwache Wirtschaftsleistung im schwer angeschlagenen Süden des Kontinents lassen seit Monaten die Verkaufszahlen von Lastwagen, Transportern oder Bussen schrumpfen.

Im Mai ging der Absatz so stark zurück wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Firmen und Speditionen lassen ihre alten Fahrzeuge länger laufen und bestellen neue Lastwagen später oder gar nicht, wenn es weniger zu transportieren gibt.

Krise in Europa trifft Scania hart

Unter der Krise in Europa leidet Scania besonders, weil die Schweden fast die Hälfte ihrer Laster hier verkaufen. Die Zahl der Lkw-Auslieferungen brach von April bis Ende Juni um 25 Prozent ein, allein in Europa um 20 Prozent. Auch der Auftragseingang, der das Geschäft von morgen abbildet, schrumpfte. Die Neubestellungen von Lkw hätten allerdings im Vergleich zum schwachen ersten Quartal wieder angezogen, hieß es. "Wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Ich sehe davon nicht viel", sagte Scania-Chef Östling, fügte aber hinzu, er erwarte eine Stabilisierung des europäischen Marktes auf dem jetzigen Niveau.

Einen positiven Aspekt konnte Östling dem schwachen Nutzfahrzeuggeschäft auch abgewinnen: Die Nachfrage nach Service und Ersatzteilen sei generell hoch. Der Konzern rechnet damit, dass in Europa der Erneuerungsbedarf angesichts der alternden Flotten wächst. Und mit Service erzielen Fahrzeugbauer gemeinhin höhere Margen als mit Verkäufen.

Scania wies konzernweit eine operative Rendite von 10,1 Prozent für das zweite Quartal und von 10,8 Prozent für das erste Halbjahr aus - viel weniger als noch vor Jahresfrist (14,4 beziehungsweise 15,2 Prozent).

Zahlen der Konkurrenz dürften noch schlechter ausfallen

Weil die VW-Tochter üblicherweise höhere Margen erzielt als die Konkurrenz, lässt dies nichts Gutes für deren Quartalsbilanzen erahnen. Volvo und Daimler wollen ihre Zahlen in der nächsten Woche vorlegen, die ungeliebte Konzernschwester MAN folgt am 31. Juli. Daimler hat angekündigt, trotz der Krise 2012 mehr Lkw zu verkaufen und mehr operativen Gewinn einzufahren. In Europa sei der Auftragseingang stabil, auch wenn der Markt um bis zu zehn Prozent schrumpfen werde.

Der Münchner Lkw-Bauer MAN hat sich, kaum stand er endgültig unter Kuratel von VW, das Ziel auf die Fahnen geschrieben, bis 2020 bester Nutzfahrzeughersteller der Welt zu werden - gemessen auch an der Rendite. Für Synergien soll die lang verschleppte Allianz der beiden rivalisierenden VW-Töchter sorgen. Der Mutterkonzern drängt Scania und MAN, enger zu kooperieren, um Daimler und Volvo mehr Konkurrenz machen.

Östling, lange ein Kritiker des Bündnisses, wird sich ab September in seiner neuen Funktion als VW-Vorstand für Nutzfahrzeuge damit herumschlagen müssen. Einen Ausblick auf die Entwicklung im Nutzfahrzeugmarkt traute er sich am Freitag nicht zu. Für Scania sei derzeit Flexibilität das oberste Gebot. Der schwedische Konzern hatte bereits im vergangenen Herbst die Produktion heruntergefahren und anschließend zahlreiche Zeitarbeiter entlassen.

wed/rtr

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