VW-Porsche-Deal "Gut für den Industriestandort Deutschland"

VW-Chef Winterkorn beschwört die nationale Bedeutung der Übernahme von Porsche durch Volkswagen. Und Finanzchef Pötsch versucht Kritiker der Steuerkonstruktion zu beschwichtigen. In Wolfsburg hat das Topmanagement von Volkswagen den Deal mit Porsche gerechtfertigt.
Morgens Wolfsburg, nachmittags Stuttgart: VW-Chef Winterkorn (r.) und Porsche-Chef Müller am Rande der heutigen Pressekonferenz

Morgens Wolfsburg, nachmittags Stuttgart: VW-Chef Winterkorn (r.) und Porsche-Chef Müller am Rande der heutigen Pressekonferenz

Foto: dapd

Wolfsburg - Volkswagen -Chef Martin Winterkorn hält die lange Hängepartie um die Komplettübernahme des Sportwagenbauers Porsche  endgültig für beendet. "Jetzt ist der Weg frei für eine gemeinsame Zukunft. Damit bringen wir eines der wichtigsten Vorhaben in der Automobilgeschichte erfolgreich ins Ziel", sagte Winterkorn am Donnerstag in Wolfsburg. "Volkswagen und Porsche gehören zusammen."

Beide Unternehmen hatten am Mittwochabend angekündigt, dass Volkswagen  voraussichtlich zum 1. August die übrigen 50,1 Prozent am Porsche-Sportwagengeschäft für 4,46 Milliarden Euro übernehmen wird.

Mit einem Kunstgriff sollen die befürchteten hohen Steuerzahlungen vermieden werden.

"Die einzigartige Marke Porsche wird nun fester Bestandteil des Volkswagen-Konzerns. Das ist gut für Volkswagen, für Porsche und für den ganzen Industriestandort Deutschland", sagte der VW-Chef.

Zusammen mit Porsche-Chef Matthias Müller will er die Belegschaft des Zuffenhausener Sportwagenherstellers noch am Nachmittag über die bevorstehende Übernahme informieren. Müller und Winterkorn machten sich unmittelbar nach der Pressekonferenz in Wolfsburg mit dem Flugzeug auf den Weg nach Stuttgart, wo für 13.40 Uhr eine Mitarbeiterveranstaltung angesetzt wurde, wie ein Porsche-Sprecher sagte. Die Reden sollen an alle Porsche-Standorte übertragen werden.

Kritik von Brüderle

Zuvor ging das VW-Management in Wolfburg auch auf das umstrittene Steuerkonstrukt des Deals ein. Der Staat sei nicht der große Verlierer der Übernahme, hieß es. "Es fallen Steuern von deutlich über 100 Millionen Euro an", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. "Diese Steuern sind transaktionsbedingt." Er verwies auf "Transaktionssteuern" wie Grunderwerbsabgaben. Zudem werde der Staat künftig davon profitieren, dass die beiden Autobauer zusammen Kostenvorteile heben können und so mehr Gewinn machen.

An dem nun überraschend schnellen Zusammenschluss hatte sich zuvor Kritik geregt, weil die Unternehmen dabei ein Schlupfloch im Steuerrecht ausnutzten. Andernfalls hätten sie Schätzungen nach rund 1,5 Milliarden Euro Steuern für das Geschäft überweisen müssen. Kern des Deals ist, dass VW den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden zweiten Hälfte der Porsche AG als eine - ausdrücklich legale - Umstrukturierung ausweist. Die ist steuerfrei.

Das Delikate an der Sache: Normalerweise fließt bei einem Geschäft dieser Art kein Geld. Für gewöhnlich ist es ein Anteilstausch. Für die noch ausstehende Hälfte der Porsche AG hätten also eigentlich VW-Aktien zum Gegenwert fließen sollen. Nun aber wandert nur eine Aktie plus der Kaufpreis von knapp 4,5 Milliarden Euro in den Süden. Diese Gestaltungsmöglichkeit ist das Extrem, aber erlaubt.

FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle ließ es sich dennoch nicht nehmen, Kritik zu üben. "Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen", sagte der Politiker. Wenn Weltkonzerne mit solchen Steuertricks Milliarden an Steuern sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. "Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen."

Porsche will Schulden begleichen und behält Klagerisiko

Volkswagen erwartet nach der Übernahme kräftig steigende Gewinne des Konzerns: Allein aus Bewertungsgewinnen erwarten die Wolfsburger nach eigenen Angaben neun Milliarden Euro im laufenden Jahr. Dazu kommt der hohe Gewinn, den Porsche im Alltagsgeschäft einfährt: Von Januar bis März wies Porsche mit dem Bau von Sportwagen rund 530 Millionen Euro operativen Gewinn aus.

Die erste Hälfte der Porsche-Sportwagenfabrikation hatte VW bereits 2009 nach dem Sieg im Machtkampf mit Porsche für rund 3,9 Milliarden Euro gekauft. Porsche hatte damals versucht, VW zu übernehmen. Allerdings musste Porsche dazu hohe Schulden aufnehmen und musste dann von VW vor der Pleite gerettet werden.

Porsche trennte damals das operative Geschäft in die Porsche AG ab und schuf die Porsche Holding SE (PSE) als Dachgesellschaft. Die PSE wird nicht an VW verkauft, sondern hält weiter die damals erworbenen Anteile an VW von heute rund 51 Prozent.

PSE will nach eigenen Angaben mit dem Kaufpreiserlös zunächst zwei Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Der Rest soll für Beteiligungen mit Schwerpunkt Autoindustrie verwendet werden.

Klagerisiko bleibt bei Porsche-Dachgesellschaft

Die Übernahme spart den beiden Autobauern viel Geld: Bisher durften sie nicht wie etwa VW und die Töchter Audi oder Skoda eng zusammenarbeiten. Statt dessen mussten sie sich bei gemeinsamen Projekten wie fremde Firmen behandeln, was eine engere Kooperation enorm erschwert. VW spricht von Einsparungen von über 600 Millionen Euro durch die Vereinfachung.

VW und Porsche bauen schon zusammen den Porsche Cayenne und den Porsche Panamera. Der geplante kleine Geländewagen Porsche Macan soll auch auf Technik des VW-Konzerns stehen.

Anfang Juni war ein Schlupfloch im Umwandlungssteuerrecht bekanntgeworden, das VW jetzt nutzt: Durch die Überlassung einer einzelnen Stammaktie gilt der Kauf als Umstrukturierung in einem Konzern und nicht als steuerpflichtiger Kauf. Dadurch wird die Steuerpflicht vermieden. VW kann 1,5 Milliarden Euro an Steuern sparen, die sonst erst bei einer Übernahme nach 2014 entfallen wären. Das Vorgehen hatte viel Kritik von Politikern ausgelöst.

Notiz am Rande: Mit der aktuellen Übernahme holt sich der Volkswagen-Konzern nicht die rechtlichen Risiken der Porsche-Dachgesellschaft ins Haus. Das Klagerisiko bleibe bei der Porsche SE (PSE), sagte VW-Finanzvorstand Pötsch am Donnerstag. Auf absehbare Zeit werde es keine Fusion mit der PSE geben, die ihrerseits größter VW-Aktionär ist.

Ein Zusammenschluss mit der Dachgesellschaft war einmal der ursprüngliche Plan, wie VW Porsche integrieren wollte. Doch wegen der hohen finanziellen Risiken aus Anlegerklagen gegen die PSE wählte VW einen anderen Weg, in dem es nur das operative Geschäft des Sportwagenbauers - die Porsche AG - übernimmt.

cr/dapd/rtr/dpa-afx

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