Verkäufe im Juni Deutsche Autobauer triumphieren in den USA

Die deutschen Autobauer konnten im Juni bei US-Autokäufern erneut kräftig punkten. Doch Während VW, Daimler und Co. von einem Rekord zum nächsten eilen, kämpfen die auf den europäischen Markt fokussierten Rivalen Fiat und Peugeot ums Überleben.
Mercedes-Benz Showroom in den USA: US-Amerikaner kaufen wieder verstärkt Autos, deutsche Autobauer profitieren davon

Mercedes-Benz Showroom in den USA: US-Amerikaner kaufen wieder verstärkt Autos, deutsche Autobauer profitieren davon

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Frankfurt am Main - Es ist ein gespaltener Markt. Die deutsche Autoindustrie sonnt sich noch immer im Aufwind. Das belegen auch die aktuellen Verkaufszahlen aus den USA.

Allein Volkswagen  verkaufte rund 34 Prozent (38.000 Stück) mehr Autos als im Vorjahreszeitraum. Die Tochter Audi  steigerte den Absatz um 26 Prozent (12.700 Autos). Porsche  schaffte immerhin ein Verkaufsplus von 18 Prozent auf rund 3000 Fahrzeuge.

Auch Daimler  konnte mit seinen Wagen bei US-Autokäufern punkten. Von seiner Kernmarke Mercedes-Benz brachte der Konzern 25.388 Autos an den Mann, ein Plus von 12,5 Prozent. BMW  blieb dagegen mit einem Absatzzuwachs von lediglich 3,2 Prozent Schlusslicht.

An der Börse kamen diese Nachrichten gut an, die deutschen Autowerte stemmten sich gegen den schwächeren Markt. Am späten Vormittag legten BMW und Daimler um 0,63 und 0,27 Prozent zu. Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) notierten prozentual unverändert, während der Dax zeitgleich um knapp ein halbes Prozent nachgab. Die in keinem großen Index notierten Porsche-Vorzüge rückten zuletzt ebenfalls um moderate 0,23 Prozent vor.

Andere europäische Autohersteller wie Fiat und Peugeot haben dagegen riesige Probleme und können sich auch in den USA nach wie vor nicht durchsetzen. Traditionell sind diese Autobauer eher in Europa stark, aber angesichts der Schuldenkrise halten sich die europäischen Kunden derzeit zurück.

Fiat prüft derzeit sogar eine weitere Werkstilllegung: Fiat hat nach der Schließung eines Werks in Sizilien nun einem weiteren italienischen Standort auf die Streichliste gesetzt. Um das Aus für das weitere Fiat-Werk in Italien abzuwenden, müsse das Unternehmen einen Weg finden, um in italienischen Werken Autos für den nordamerikanischen Markt zu bauen, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne am späten Dienstagabend in Turin.

Nach seiner Einschätzung dürfte der europäische Autoabsatz in den nächsten zwei oder drei Jahren auf dem derzeitigen schwachen Niveau bleiben. In diesem Fall habe Italien mindestens ein Werk zu viel. Der Autoabsatz in Westeuropa ist vor dem Hintergrund der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt.

Die einzige bedeutende Ausnahme in der Malaise der europäischen Automärkte stellt derzeit der deutsche Markt da. Der ist nach dem kräftigen Einbruch vom Mai im Juni wieder gewachsen. Die Zahl der Neuzulassungen stieg um 3 Prozent auf 296.800 Fahrzeuge, wie der Branchenverband VDA am Dienstag mitteilte. In den ersten sechs Monaten kamen damit 1,63 Millionen neue Autos auf die Straßen, ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte, die deutsche Autoindustrie profitiere von ihrer starken Position auf den Weltmärkten. In China und den USA verkauften sich deutsche Autos besonders gut. "Es hat sich ausgezahlt, dass deutsche Hersteller bei Forschung und Entwicklung auch in Krisenjahren nicht gespart haben." So könne man international mit neuen und innovativen Modellen punkten. Mit dem jüngsten Zuwachs setzt sich der deutsche Markt von der Abwärtsentwicklung in Europa ab: So liegen die Absätze etwa in Frankreich und Italien mehr als 20 Prozent im Minus. Im Mai war auch der deutsche Automarkt um fast 5 Prozent zurückgegangen.

Vor Kurzem hatten Fiat und Peugeot auch bei der Europäischen Union (EU) angeklopft und um weitreichende Hilfen gebeten. Doch die schwächelnden Autobauer holten sich eine Abfuhr.

mg/kst/rtr
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