Mittwoch, 23. Oktober 2019

Busse aus China Elektroschock für Daimler und Co.

Elektrobus aus China: Stromer zum Billigpreis
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4. Teil: Deutsche Hersteller könnten bald von Chinesen kopieren

Es steht einiges auf dem Spiel. Setzt sich die Batterietechnik durch, müssten viele Manager und Spitzenbeamte womöglich eingestehen, dass sie jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt und Unsummen zum Fenster herausgeworfen haben.

Doch auch manche Experten sind überrumpelt. In einer renommierten Verkehrsberatung wird sogar die schiere Existenz der Batteriebusse infrage gestellt. "Haben Sie ein solches Fahrzeug denn schon mit eigenen Augen gesehen?", will die zuständige Fachfrau erstmal wissen. Aus ihrer Sicht ist ein Akku in der benötigten Größe "unvorstellbar".

"Zu schwer", sagt auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer mit Blick auf das Akkukonzept. Hybrid und Erdgas, vielleicht auch Oberleitungsbusse, seien bessere Alternativkonzepte. "Mit Batterie wird das nichts werden."

Gewicht ist nicht das Problem

Da widerspricht Hans-Jürgen Lamla energisch. Lamla ist Geschäftsführer bei der Pinneberger Kreisverkehrsgesellschaft in Uetersen. Seit ein paar Wochen steuern seine Leute den China-Bus zwischen Baumschulen, Pferdekoppeln und Kleinstädten hindurch - und sind bisher überzeugt.

Tatsächlich bringt die Batterie im Eurabus 1,8 Tonnen auf die Waage. Das sei gar kein Problem, sagt Lamla. Eine Software regelt den gleichmäßigen Lade- und Entladeprozess - das spart Masse. Schließlich falle ja auch manches weg: klassischer Motorblock, Getriebe, und, und, und. Unterm Stich bleibe das Gewicht gleich, der Bus könne genausoviele Passagiere transportieren wie ein Diesel - nämlich 86 Personen.

Zuerst sei er für die Idee mit dem China-Gefährt angefeindet worden, sagt Lamla. Doch inzwischen haben sich Delegationen von Verkehrsgesellschaften aus ganz Deutschland in Uetersen angemeldet, um den Bus zu begutachten. "Die Meinung über Batteriebusse ändert sich gerade sehr deutlich."

Im Gegensatz zu Anderen rechnet Unternehmensberater Wolfgang Bernhart von Roland Berger erstmal nach, bevor er sich ein Urteil über den Einsatz von Batteriebussen in Deutschland erlaubt. Das fällt dann verhalten positiv aus. "Es ist denkbar, dass die Busse für bestimmte Einsätze wirtschaftlich sinnvoll sind. Halten sie, was sie versprechen, kann das Konzept funktionieren." Einen großen Anteil würden die Fahrzeuge zunächst nicht ausmachen. "Einige 10.000 könnten es in den nächsten Jahren aber sein."

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