Sonntag, 20. Oktober 2019

Busse aus China Elektroschock für Daimler und Co.

Elektrobus aus China: Stromer zum Billigpreis
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2. Teil: Am Anfang war die DDR-Connection

Wird das der Knackpunkt? Immerhin hat es schon einmal einen Test mit einem schwächeren Batteriebus der deutschen Marke Cobus in Wiesbaden und Offenbach gegeben, bei dem die Fahrgäste bitterlich froren.

Seitz winkt ab. Seine Partner vom Tewoo-Konzern aus Tianjin werden Wort halten, so wie sie es bisher fast immer getan haben, da ist er sicher. Der Bus werde bestehen. "Es gibt so viele Vorurteile in Deutschland über China", sagt der Unternehmer. Doch die dortigen Ingenieure seien viel besser als ihr Ruf.

Es ist eine Erkenntnis, die Seitz in seinem Leben als Weltmann der eher ungewöhnlichen Art gewonnen hat. Seine 20-Mitarbeiter-Firma stellt hauptsächlich Geldtransporter für den internationalen Markt her, baut Kleinbusse für Millionäre zu Luxusmobilen um und panzert Limousinen für Regierungsmitglieder.

Der Vater verkaufte IFA-Lastwagen in China

Vorhin ist er aus einem schwarzen Audi A8 gestiegen - der Langversion. Schwarz sind auch Limousine und Zwirn des kantigen Mitarbeiters, der ihn begleitet. Man habe sich der Kundschaft wohl etwas angepasst. Die mag es im übrigen nicht so, wenn Dinge nicht gleich funktionieren. Das ist in Saudi-Arabien genauso wie in China.

Nun verlangt eben Seitz von den Chinesen Qualität, was ist schon dabei? Zumal er Tewoo als Gesellschafter in die Unternehmung eingebunden hat.

Das Herz für die Volksrepublik hat der Berliner wohl auch von seinem Vater Detlef geerbt, mit dem er sich heute um das Busprojekt kümmert. Der Alte verkaufte dort in den 80er-Jahren Zehntausende DDR-Lastwagen der Marke IFA. Nach der Wende fiel ihm irgendwann auf, dass sich die Verhältnisse zumindest im Busbereich umkehren: Auf einmal setzten die Chinesen Maßstäbe.

Das wurde auch dem Sohn klar, als die Pekinger Stadtverwaltung zur Olympiade 2008 erstmals Elektrobusse einsetzte. Europa stöhnte derweil über einen Ölpreis von fast 150 Dollar pro Barrel. Diese Batteriegefährte mussten einfach nach Deutschland.

Mehr Komfort für die Busse

Von Anfang an war Vater und Sohn jedoch klar, dass sie die China-Busse aufwerten mussten. "In China sollen die Busse bloß irgendwie von A nach B kommen, Komfort spielt keine Rolle", sagt Seitz. Mit einem befreundeten Busunternehmer aus Bayern schrieb er eine Liste mit 50 Änderungsaufträgen für Tewoo. So haben die Arbeiter einen Bus nach Seitz' Wünschen gemacht, in dem sich auch ein deutsches Renterpaar wohlfühlen könnte.

Wenn Busfahrer Miller auf das Pedal tritt, surrt der Bus los, leiser als eine Straßenbahn. Kraftvoll und völlig ruckfrei beschleunigt der Wagen auf Tempo 50. "Jenauso flink wie jeder andere Bus", sagt Miller. Nur eben praktisch lautlos, ohne Schaltung und ohne krebserregende Dieselabgase. "Für mich ist es naheliegend, dass sich das durchsetzen wird."

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