Autobauer Tariferhöhung bei Opel bis Herbst ausgesetzt

Im Zuge der Sanierungsgespräche bei Opel ist die seit Mai fällige Tariferhöhung für die mehr als 20.000 Beschäftigten in Deutschland vorerst ausgesetzt worden.
Opel-Werk Bochum: Streit um mögliche Schließung und um den Sanierungsplan

Opel-Werk Bochum: Streit um mögliche Schließung und um den Sanierungsplan

Foto: dapd

Frankfurt - Das verlautete am Donnerstag aus der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt am Main. Damit wird Opel kurzfristig um einen zweistelligen Millionenbetrag entlastet. Der Opel-Vorstand hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, im Zuge der Sanierung bis Ende 2016 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Der Opel-Vorstand hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, im Zuge der Sanierung bis Ende 2016 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Das Konzept für die Sanierung von Opel soll im Herbst stehen. Bis Oktober wollen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter die Details für ihren gemeinsamen Deutschland-Plan festklopfen, berichtete die IG Metall am Donnerstag. "Wir haben mit dieser Lösung Zeit gewonnen, nicht mehr und nicht weniger", sagte NRW-IG Metall Bezirksleiter Oliver Burkhard.

Opel leidet wegen des schwachen europäischen Automarktes an Überkapazitäten und fährt ähnlich wie Peugeot oder Fiat Verluste ein. Der ursprüngliche Plan, schnell Kapazitäten abzubauen und Werke zu schließen, liegt nach einem Kompromiss mit den Arbeitnehmern aber vorerst auf Eis.

Werk Bochum vom Aus bedroht - Management will Werk 2017 schließen

Denn der gemeinsame Plan, über den Adam Opel AG, Betriebsrat und IG Metall verhandeln wollen, sieht unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 vor. Zudem soll das vom Aus bedrohten Werk in Bochum nicht schon 2015 geschlossen werden, sondern frühestens zwei Jahre später, wenn die aktuelle Zafira-Fertigung ausläuft.

Das Management erwartet dafür Entgegenkommen bei der Umsetzung des Tarifabschlusses 2012. Die schwierige Frage aus Arbeitnehmersicht lautet dabei, ob ein Gehaltsverzicht durch eine dauerhafte Perspektive auch über 2016 hinaus belohnt wird. "Bis ein Verhandlungsergebnis vorliegt, sind IG Metall und Konzernbetriebsrat im Gegenzug bereit, die Fälligkeit der Tariferhöhung in Höhe von 4,3 Prozent bis Ende Oktober 2012 auszusetzen", sagte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Donnerstag.

IG Metall und Konzernbetriebsrat fordern zudem, dass auch über die Produktionszuteilung für alle deutschen Werke über das Jahr 2016 hinaus verhandelt wird - um langfristige Sicherheit über die Zukunft der Werke zu haben. Burkhard erwartet "vernünftige Perspektiven für alle deutschen Opel-Standorte": "Zugeständnisse der Belegschaft sind nur verhandelbar, wenn es im Gegenzug glasklare Zusagen gibt, für Investitionen, Beschäftigungs- und Standortsicherungen in allen Werken."

Das Management will das Bochumer Werk 2017 schließen. In Bochum gibt es aber die Hoffnung, dass der in der Fachpresse gut bewertete neue Familienvan Zafira Tourer das Werk retten könnte. Schließlich habe die Opel-Führung zugesichert, dass die Zafira-Produktion bis zum Auslauf in Bochum bleibt, sagte ein Mitarbeiter. Die Produktion habe aber erst Ende 2011 begonnen und könne möglicherweise länger als bis 2016 laufen, falls die Auto-Konjunktur sich erhole.

la/apd/dpa-afx
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