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Elektroautos: Welche E-Mobile zu den Händlern kommen

Daimler-Stadtauto "Der Elektro-Smart wird sich durchsetzen"

Zu teuer, zu geringe Reichweiten: Die Verkäufe der ersten Großserien-Stromer liegen weit unter den Erwartungen. Smart-Chefin Annette Winkler ist trotzdem optimistisch, dass die Elektroversion des Kleinstwagens zum Erfolg wird - und will ihn auch in China anbieten.

mm: Frau Winkler, im Juni dieses Jahres kommt der Smart mit Elektroantrieb zu den deutschen Händlern. In der Branche ist die Euphorie über den Batterieantrieb aber verflogen. Halten Sie trotzdem an Ihren Absatzzielen fest?

Winkler: Ja. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass wir den Elektro-Smart ab 2013 in fünfstelliger Zahl verkaufen werden. Bereits heute sind über 2000 Smart Fortwo Electric Drive in Kundenhand. Dadurch haben wir viele Erfahrungen der bisherigen Fahrer unserer elektrischen Smart sammeln können, die in der neuen Generation bereits berücksichtigt sind.

mm: Wieso sollte ausgerechnet der Smart Hersteller wie Nissan und General Motors schlagen, deren Elektroautos sich nur schleppend verkaufen?

Winkler: Der Smart war von Beginn an elektrisch geplant. Seine ganze Konstruktion ist auf diesen Antrieb ausgelegt, und er ist der konsequenteste Stadtwagen auf dem Markt. Unsere Kunden, die einen Smart mit Verbrennungsmotor haben, fahren heute im Schnitt 40 bis 60 Kilometer pro Tag. Dafür reicht eine Batterieladung mehr als aus. Zudem macht das Fahren mit Elektroantrieb einfach Spaß. Das finde ich ebenso wichtig wie alle rationalen und ökologischen Argumente.

mm: Die hohen Anschaffungskosten für ein Elektroauto schrecken aber viele ab.

Winkler: Weniger als 16.000 Euro netto für das Fahrzeug sind ein durchaus erschwinglicher Preis. Mit der Batteriemiete von monatlich unter 60 Euro vor Steuern geben wir dem Kunden auch Sicherheit bezüglich der Zuverlässigkeit der Batterie. Hinzu kommt, dass der Verbrauch sehr günstig ist: Unsere Kunden müssen für 100 Kilometer Fahrt nur zwei bis drei Euro an Stromkosten kalkulieren. Nach der ersten Euphorie hinterfragen jetzt viele, ob sich der Elektroantrieb durchsetzt. Für den Smart beantworten wir diese Frage mit einem ganz klaren Ja.

mm: Ihre Konzernmutter Daimler entwickelt eigens für den chinesischen Markt ein Elektroauto. Werden Sie den Smart mit Elektroantrieb trotzdem parallel in China anbieten?

Winkler: Wir arbeiten gerade daran, eine Zertifizierung für den Elektro-Smart in China zu bekommen. Zusätzlich wird Daimler in China gemeinsam mit Build Your Dreams ein Elektroauto unter einer anderen Marke bauen. Dieses Fahrzeug und unser Smart sind komplett unterschiedliche Konzepte und haben ganz verschiedene Zielgruppen.

"Carsharing ist für uns sehr wichtig"

mm: Der Markt für Kleinwagen in China ist besonders dicht besetzt. Können Sie da überhaupt mit einem vergleichweise teuren Fahrzeug wie dem Smart punkten?

Winkler: Der Smart hat zwei Vorteile: Zum einen die Länge von 2,69 Metern, zum anderen die Tridion-Sicherheitszelle, die Insassen bei Unfällen besonders gut schützt. Wir haben im vergangenen Jahr in China über 11 000 Smart fortwo abgesetzt. Im ersten Quartal dieses Jahres werden wir bereits so viele Smart verkaufen wie im Gesamtjahr 2010. Es ist uns gelungen, das Produkt und die Marke Smart in China gut zu positionieren. Beispielweise wollen chinesische Architekten, Designer und Künstler unser Auto fahren, weil es eben anders ist. Ganz nach dem Motto "status free statt status quo". Menschen mit dieser Einstellung gibt es aber auch in anderen Ländern. Beispielsweise sind wir auch in Deutschland, den Niederlanden oder Mexiko im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gewesen.

mm: Viele Jahre lang bescherte Smart seiner Konzernmutter Daimler Verluste. Ist das noch immer so?

Winkler: Nein, im vergangenen Jahr haben wir weltweit 102 000 Smart verkauft. Die ursprünglichen Planungen lagen bei 90 000 plus x Fahrzeugen. Entsprechend positiv tragen wir zum Geschäftsergebnis von Mercedes Benz Cars bei.

mm: Mit dem Smart probieren Sie auch neue Geschäftsideen aus. Daimlers Carsharing-Programm car2go setzt bislang ausschließlich auf Smart-Autos. Wird sich die Kurzzeitmiete für den Konzern je rechnen?

Winkler: Weltweit haben wir derzeit mehr als 3000 car2go-Fahrzeuge auf der Straße und mit mehr als 65 000 Kunden über 1,3 Millionen Mietvorgänge. Daimler setzt keine Projekte um, hinter denen nicht ein positiver Business Case steckt. Wir denken, dass wir ab 2014 mit car2go Gewinne schreiben und bis 2016 wollen wir in rund 50 europäischen und 30 amerikanischen Städten präsent sein.

mm: Profitiert die Marke Smart denn davon?

Winkler: Das Thema Carsharing ist für uns sehr wichtig. Immer mehr Städter wollen Autos nicht mehr besitzen, sondern nur bedarfsweise nutzen oder mieten. Smart steht für mich für ein Stück Freiheit, weshalb auch ein Mobilitätskonzept wie car2go gut zur Marke passt. Außerdem wird dieser Markt in Zukunft weiter wachsen, und wir wollen mit Smart ein schönes Stück des Kuchens abhaben.

mm: Umweltfreundlicher wäre es allerdings, wenn die car2go-Autos elektrisch durch die Städte gleiten. Warum setzt car2go vor allem den Smart mit Verbrennungsmotor ein?

Winkler: Wir richten Elektroflotten dort ein, wo die Kommunen das wünschen. Die car2go-Flotten in Amsterdam und San Diego sind rein elektrisch, weil diese Städte das so wollten. Andere Städte sehen das anders, weil sie zum Beispiel noch nicht genügend Ladestationen haben. Und manche Städte wollen sogar gemischte Flotten haben. Wir richten uns ganz nach den Wünschen der Kunden.

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