Montag, 22. April 2019

Britische Sportwagenmarke "Seit Januar fließt kein Geld an Lotus"

Britische Autoeleganz: Legendäre Sportwagen von Lotus
dapd

Mit fünf neuen Modellen bis 2017 will die britische Kultmarke Lotus wieder zu Ferrari aufschließen. Nun gefährdet ein Eigentümerwechsel den Zeitplan. Lotus-Chef Dany Bahar über seine Modelloffensive, ausbleibende Zahlungen und die Beschränkung auf das Wesentliche.

mm: Herr Bahar, im Oktober 2009 sind Sie mit einem klaren Auftrag des malayischen Lotus-Eigentümers Proton angetreten: Sie sollen den jahrelangen Niedergang der britischen Edelmarke stoppen. Wie weit sind Sie damit?

Bahar: Lotus gehört der Proton-Gruppe seit 15 Jahren, seit damals schreibt die Firma Verluste. Wir haben 2009 einen Plan aufgesetzt, um neue Produkte zu entwickeln. Deshalb machen wir derzeit sehr hohe, aber geplante jährliche Verluste von 20 Millionen Pfund aufwärts (rund 24 Millionen Euro). Unsere Eigentümer investieren auf fünf Jahre verteilt zwischen 500 und 600 Millionen Pfund, das sind 600 bis 750 Millionen Euro. Davon haben wir jetzt knapp 40 Prozent ausgegeben. Im vergangenen Quartal lagen wir nur minimal über den Vorgaben. Grundsätzlich sind wir im Plan, was die Voraussagen und Entwicklungsprogramme betrifft.

mm: Mit dem Geld will Lotus bis Ende 2017 fünf neue Modelle auf den Markt bringen. Bislang hat Lotus alle paar Jahre ein neues Modell vorgestellt. Warum diese Beschleunigung?

Bahar: Die Aktionäre wollen für ihre Investitionen auch Erträge sehen. Unsere neuen Autos müssen eine gesunde Profitabilität erzielen. Dafür benötigen wir ein jährliches Volumen von rund 4000 verkauften Fahrzeugen. Diese Zahl können wir nicht mit einem einzigen Modell erreichen, das kann nicht mal Ferrari oder Aston Martin. Wir glauben, dass wir für unsere Absatzziele drei Modelle benötigen.

mm: Wird das Geld aus Malaysia pünktlich überwiesen? In der Vergangenheit gab es ja immer wieder Unregelmäßigkeiten bei den Zahlungen.

Bahar: Das ist gerade jetzt der Fall. Anfang des Jahres übernahm der malaysische Industriekonzern DRB-Hicom die Mehrheit an Proton. An der malaysischen Börse gibt es ein Gesetz, dass den an einer Übernahme beteiligten Unternehmen in den ersten 90 Tagen nur die Fortsetzung des gewöhnlichen Geschäfts erlaubt. Alles andere muss gestoppt werden. Praktisch fließt seither an uns gar kein Geld. Da geht es um Summen im Millionen-Pfund-Bereich. Für uns ist das ein großes Problem, denn für die Fortführung unseres Sanierungsprogramms sind wir auf die Zahlungen angewiesen.

mm: Welche Auswirkungen hat der Zahlungsstopp bisher?

Bahar: Das Ausbleiben der Zahlungen erschwert unser Leben erheblich. Wir sind im dritten Jahr unseres Sanierungsprogramms und haben eine klare Ausgabenplanung. Bis zum letzten Quartal waren wir komplett im Plan und haben alles erreicht. Wenn da von einem Tag zum anderen der Hahn zugedreht wird, ist das eine schwierige Situation. Wir versuchen nun, unsere ursprünglichen Planungen zu modifizieren und die Kosten zu reduzieren. Doch das erste unserer fünf neuen Modelle, der für 2013 geplante Esprit, wird definitiv später als geplant auf den Markt kommen.

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