Sonntag, 8. Dezember 2019

Kamaz-Anteil Daimler baut Lkw-Geschäft aus

Daimler will seinen Anteil an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz in den nächsten Jahren schrittweise aufstocken. Die Stuttgarter haben eine Option auf eine Sperrminorität - eine Übernahme komme kurzfristig aber nicht in Betracht.

Stutgart - Der Stuttgarter Konzern sei aber nicht daran interessiert, kurzfristig eine Mehrheit an Kamaz zu erwerben, sagte Daimler-Truck-Chef Andreas Renschler am Montag. Daimler Börsen-Chart zeigen wolle seinen direkt und indirekt gehaltenen Anteil von 15 Prozent vielmehr binnen drei bis vier Jahren abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung bei Kamaz erhöhen.

Der deutsche Konzern hat vertraglich die Option, seinen Kamaz-Anteil auf eine Sperrminorität von bis zu 25 Prozent plus eine Aktie zu erhöhen. Die russische Kartellbehörde hatte Daimler zuvor grünes Licht für den Kauf von weiteren zehn Prozent gegeben.

Die Stuttgarter waren im Jahr 2008 bei Kamaz eingestiegen. Der Staatskonzern stellt unter anderem Lastwagen, Busse und Motoren her. Daimler und Kamaz hatten vor einigen Monaten angekündigt, ihre Zusammenarbeit auszuweiten. Außer bei Achsen wollen die beiden Unternehmen künftig auch bei Lkw-Fahrerhäusern kooperieren.

Wachstum in China und Indien angestrebt - Stagnation in Europa

"Der Auftragseingang stimmt uns verhalten optimistisch", ergänzte Renschler bei einem Pressegespräch in Stuttgart. Weltweit sollen die Verkäufe in diesem Jahr weiter steigen, das Ergebnis soll mindestens das Niveau des Vorjahres erreichen.

Für künftiges Wachstum setzt Renschler vor allem auf die Wachstumsmärkte in China und Indien, wo der Hersteller im Herbst die Fertigung an neuen Standorten aufnimmt.

"Aktuell sind unsere Auftragsbücher weltweit gut gefüllt", bekräftigte Renschler. Bei den Verkäufen sei Daimler Trucks im Januar und Februar "gut unterwegs" gewesen. Auf den aktuell schwierigen Märkten in Europa und Lateinamerika setzt der Lkw-Chef auf eine Erholung im zweiten Halbjahr. In Brasilien sei dann die Umstellung auf eine strengere Abgasgesetzgebung weiter fortgeschritten.

In Europa belastet außer der Nachfrageschwäche in Südeuropa auch die Umstellung des Hauptwerks Wörth auf die Ende 2011 neu vorgestellte Generation des Schwer-Lkw Actros. Für Europa erwartet Renschler 2012 bestenfalls eine Stagnation, stellt sich aber auch auf einen Rückgang von bis zu 10 Prozent ein.

Anziehende Verkäufe in USA und Japan

Insgesamt wollte Renschler für 2012 kein konkretes Absatzziel nennen. Im nächsten Jahr sollen rund eine halbe Million Lastwagen verkauft werden. Darin sind dann auch die Fahrzeuge der neuen indischen Marke BharatBenz enthalten. Bis 2020 soll der Absatz der Sparte weltweit auf mehr als 700.000 Stück wachsen.

In diesem Jahr werde das Wachstum vor allem aus Nordamerika stammen, wo die Fahrzeuge besonders alt sind und ersetzt werden müssten. Auch in Japan dürfte es nach den Katastrophen des vergangenen Jahres weiter aufwärts gehen.

Im vergangenen Jahr hat die Lastwagensparte ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) knapp 1,9 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 28,8 Milliarden Euro erzielt. Mit 425.800 Fahrzeugen wurde ein Fünftel mehr abgesetzt als ein Jahr zuvor.

Insgesamt zeigte sich Renschler "durchweg positiv" gestimmt. In den nächsten Jahren bis 2020 stehe ein weltweites Marktwachstum von 1,7 Millionen Lastwagen in der Klasse über 3,5 Tonnen auf 6,7 Millionen Stück an, in der Hauptsache außerhalb der traditionellen Märkte Nordamerika, Europa und Japan. Denn in den Schwellenländern werde der Transportbedarf analog zur wirtschaftlichen Entwicklung zunehmen. "Der steigende Lkw-Standard in den Wachstumsmärkten eröffnet uns neue Möglichkeiten", sagte Renschler.

Neue Modelle brauchen Zeit - 8 Prozent Rendite sind das Ziel

Dass er in diesem Jahr keine Ergebnissteigerung erwartet, begründete Renschler mit dem Anlauf der neuen Modelle. Das Ziel, ab dem nächsten Jahr eine Rendite von durchschnittlich 8 Prozent zu erzielen, habe Bestand. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 6,5 Prozent. Kosteneinsparungen verspricht der Lastwagenchef durch die Verwendung von Gleichteilen, etwa bei den Motoren für schwere Lkw.

Zu Daimler Trucks gehören neben der Marke Mercedes-Benz die US-Marken Freightliner, Western Star und Thomas Built Buses sowie die japanische Fuso. Neu hinzukommen jetzt die Fahrzeuge von BharatBenz sowie des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens mit Foton unter der Marke Auman. Die Sparte beschäftigte Ende vergangenen Jahres weltweit 77.295 Menschen.

Das geplante engere Zusammenrücken von Scania und MAN Börsen-Chart zeigen unter dem VW-Dach sieht Renschler gelassen. Die Konkurrenten seien bereits bekannt, "da wird es keine Überraschung geben". Zudem dauere es immer einige Zeit, bis unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenwachsen. "Das ist keine einfache Arbeit."

la/dpa-afx

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