Zwölfte Marke von VW Ducati-Übernahme durch Audi fast perfekt

Er kauft und kauft und kauft: Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch schnappt sich nun auch den Motorradhersteller Ducati. Die von Audi geführten Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Audi wird zwischen 870 und 875 Millionen Euro bezahlen.
Neunfacher Weltmeister: Valentino Rossi gehört seit 2011 zum Ducati-Team

Neunfacher Weltmeister: Valentino Rossi gehört seit 2011 zum Ducati-Team

Foto: DPA

Hamburg - Nach Scania, Porsche, MAN und der Beteiligung an Suzuki sichert sich Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch jetzt auch den Motorradhersteller Ducati. Die von Audi geführten Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es in Konzernkreisen.

"Wir wollen das VW-Management nicht mit zu vielen Marken überstrapazieren." Es ist noch nicht lange her, da wiegelte Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ab, als er auf eine Übernahme von Ducati angesprochen wurde. Und in der Tat, er sagte nicht einmal die Unwahrheit. Denn der Kauf der italienischen Motormarke steht jetzt zwar kurz vor dem Abschluss. Aber nicht VW kauft Ducati. Audi übernimmt die Italiener.

Der Ingolstädter Nobelautobauer habe die Due Diligence so gut wie beendet, heißt es in Verhandlungskreisen - und die Ergebnisse der Buchprüfung seien sehr positiv ausgefallen. Die Übernahme werde höchstwahrscheinlich noch im April perfekt gemacht, Audi bezahle zwischen 870 und 875 Millionen Euro. Im Preis inklusive sei die Übernahme von rund 200 Millionen Euro Schulden. Strittig sei nur noch die Bewertung einiger Grundstücke, berichten Manager des Konzerns. Aber daran werde der Abschluss kaum scheitern.

Ein hochrangiger Audi-Mann wollte den nahen Abschluss noch nicht bestätigen. Er schwärmte aber, die Marke Ducati sei "ein Juwel". Technisch seien die Italiener derzeit "state of the art" und eine "sehr schöne Marke". Für Ducati gebe es sicherlich noch erhebliches Wachstumspotenzial, vor allem in Nordamerika und Asien.

"La Rossa" schreibt schwarze Zahlen

Ducati erwirtschaftete 2011 bei 480 Millionen Euro Umsatz einen operativen Gewinn von gut 110 Millionen Euro. Der Absatz erreichte 42 000 Motorräder. Das Unternehmen ist derzeit in Händen von Finanzinvestoren: 70 Prozent gehören Investindustrial, 20 Prozent dem Private-Equity-Fonds BS, und weitere 7 Prozent liegen bei dem kanadischen Pensionsfonds Hospitals of Ontario Pension Plan. Investindustrial will sich schon seit einiger Zeit von Ducati trennen. Nachdem unter anderem Gespräche mit Daimler gescheitert waren, hatten die Italiener auch einen Börsengang vorbereitet - und sich diese Option auch stets offen gehalten.

Technisch seien an Ducati vor allem zwei Dinge interessant, heißt es in Konzernkreisen: zum einen ein spezielles Brennkammerverfahren, das unter Umständen auch für Autos oder alternative Mobilitätskonzepte verwendbar sei, zum anderen die Leichtbaukompetenz der Italiener.

Unter Zweiradfans gilt Ducati als einer der nobelsten Adressen. Die Zentrale von Ducati befindet sich im Borgo Panigale, einem Vorort von Bologna - und damit in illustrer Nachbarschaft. Aus der Region Emilia-Romagna stammen auch die italienischen Edel-Autohersteller Ferrari, Lamborghini und Maserati.

"La Rossa" wird Ducati von seinen Fans wegen seiner traditionell rot lackierten Motorräder genannt. Mindestens 9000 Euro müssen Zweirad-Afficionados für eine Maschine aus Bologna auf den Tisch legen. Für das Spitzenmodell, das 195 PS starke Superbike 1199 Panigale S Tricolore, werden knapp 30.000 Euro fällig. Die Marke hat prominente Fans: So schwingt sich VW-Konzernpatriarch Ferdinand Piëch, der privat Motorrad fährt, am liebsten in den Sattel einer Ducati. Den italienischen Motorradstar Valentino Rossi hat die Zweirad-Ikone seit 2011 unter Vertrag.

VW liebäugelt seit langem mit Ducati

Doch so glamorös Ducati auch nach außen erscheint - der 1926 gegründete Traditionsbetrieb hat bewegte Zeiten hinter sich. Eigentümerwechsel, zu hohe Kosten und Absatzkrisen brachten die stolzen Zweiradkonstrukteure aus Bologna immer wieder in die Bredouille. Mitte der 80er-Jahre ging Ducati an den Konkurrenten Cagiva, der den "Ferrari unter den Motorradherstellern" 1996 an den US-Finanzinvestor Texas Pacific Group weiterrreichte. Als die italienische Beteiligungsfirma Investindustrial im Jahr 2006 Ducati für rund 300 Millionen Euro übernahm, war der Motorradhersteller ein Sanierungsfall mit tiefroten zahlen.

Investindustrial-Chef Andrea Bonomi drückte die Kosten, entließ einige Manager - und setzte gleichzeitig auf Expansion. So zog Ducati unter seiner Führung zwei Werke in Thailand und Brasilien hoch, das Vertriebsnetz erstreckt sich nun bis nach China und Indien. Der Lohn seiner Mühen zeigte sich im vergangenen Jahr. Da legte Ducati trotz Branchenkrise das beste Ergebnis der Firmengeschichte vor.

Für Audi ist Ducati eine Rückkehr zu den Wurzeln

Audis Konzernmutter Volkswagen hat schon seit langem ein Auge auf den noblen Motorradhersteller geworfen. Bereits im Jahr 2005 interessierten sich die Wolfsburger intensiv für Ducati - ließen letztlich jedoch die Finger von den damals defizitären Italienern. 2009 deutete Ferdinand Piëch erneut Interesse an den Italienern an.

Nun soll die Volkswagentochter Audi den Italiener unter die Arme greifen. Audi hatte bereits in den 70er-Jahren den Einstieg ins Motorradgeschäft vorbereitet. Die Ingolstädter, der heutige Volkswagen-Aufsichtsratschef Piech war damals Audi-Entwicklungschef, hatten damals den Prototyp Z02 entwickelt. Das Motorrad, ausgestattet mit einem 60-PS-Motor mit rund 1100 Kubikzentimetern Hubraum, kam allerdings niemals in den Handel. Die Konzernzentrale in Wolfsburg verweigerte ihre Zustimmung. Heute steht die Z02 im Audi-Forum unweit des Ur-Quattros.

Bereits seit Februar zeichnet sich ab, dass Ducati in die Hände eines neuen Eigentümers wechseln könnte. In einem Interview mit der Financial Times erklärte Investindustrial-Chef Bonomi damals, dass Ducati jetzt ein perfektes Unternehmen sei. "Um weiter wachsen zu können, braucht es aber die Unterstützung eines Branchenpartners von Weltrang", konstatierte Bonomi vor einem Monat. Auf diesen Partner wolle er dieses Jahr noch hinarbeiten. Es sieht so aus, als hätte Bonomi ihn jetzt in der Volkswagen-Tochter Audi gefunden.

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