Dienstag, 25. Juni 2019

17-Millionen-Gehalt VW-Chef avanciert zum ewigen Krösus

VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn: Größere Lohntüte als eins Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Das Rekordjahr 2011 von Volkswagen zahlt sich für Vorstandschef Martin Winterkorn richtig aus: Er bekommt eine Riesenvergütung in Höhe von mehr als 17 Millionen Euro. Damit verdoppelt der VW-Chef nicht nur sein Gehalt. Nie zuvor wurde hierzulande mehr Geld an einen Dax-Konzernlenker gezahlt.

Wolfsburg - Das Rekordjahr 2011 bei Volkswagen zahlt sich für Vorstandschef Martin Winterkorn richtig aus: Der 64-Jährige bekommt eine Rekordvergütung in Höhe von mehr als 17 Millionen Euro, wie aus der am Montag veröffentlichten Bilanz des Autokonzerns hervorgeht. Diese Summe ist die höchste, die jemals an den Chef eines Dax-Unternehmens ausgezahlt wurde, wie Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch und Partner (HKP) sagte. Den bisherigen Rekord hielt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit knapp 14 Millionen Euro.

Winterkorn bekommt 17.456.206 Euro für 2011 und damit fast doppelt so viel wie für 2010, als er mit 9,33 Millionen Euro entlohnt worden war. Die Summe von 17,4 Millionen Euro setzt sich zusammen aus einem Festgehalt von rund 1,89 Millionen Euro, einem Bonus von rund 11,4 Millionen Euro und einer an der langfristigen Geschäftsentwicklung orientierten Prämie in Höhe von rund 3,67 Millionen Euro. Dazu kommen 860.000 Euro, die 2010 nicht ausgezahlt worden waren.

Insgesamt zahlte der Volkswagen-Konzern seinen acht obersten Managern im vergangenen Jahr 70,6 Millionen Euro, doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Bezüge gehen aus dem am Montag veröffentlichtem Geschäftsbericht hervor.

Auch den rund 90.000 deutschen VW-Mitarbeitern füllt das gute Jahresergebnis die Taschen: Der Jahresbonus stieg von 4000 auf 7500 Euro, wenngleich diese Summen sich gegen Winterkorns Verdienst geradezu verschwindend klein ausnehmen. Nicht so üppig fließt zudem das Geld zu den Aktionären: Die Dividende stieg nur um weniger als ein Drittel auf drei Euro pro Volkswagen-Stammaktie Börsen-Chart zeigen .

Winterkorn hängte mit seinen Bezügen erneut Daimler-Chef Dieter Zetsche ab, der im vergangenen Jahr 8,65 Millionen Euro nach Hause brachte. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kam 2010 auf 6,3 Millionen Euro. Der VW-Chef liegt mit seinen 17,5 Millionen Euro sogar über dem Rekordverdienst von 2008. Er kassierte damals 12,7 Millionen Euro. Die enorme Summe kam aus dem Verkauf von Aktienoptionen. Allerdings reicht er nicht an Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking heran, der 2009 als Abfindung 50 Millionen Euro einstrich.

Winterkorn-Vorgänger abgeschlagen

Damals erlebte die VW-Aktie Börsen-Chart zeigen im Zusammenhang mit dem Übernahmekampf gegen Porsche Börsen-Chart zeigen einen von Spekulanten ausgelösten Höhenflug, der das Papier auf bis zu 1000 Euro Kurswert führte. Die Topmanager verkauften daraufhin ihre über Aktienoptionspläne bezogenen Anteilsscheine mit gigantischen Gewinnen und spendeten einen Teil der Gewinne für soziale Zwecke.

Auch die übrigen VW-Vorstände verdienten 2011 ordentlich: Finanzchef Hans Dieter Pötsch lag bei 8,1 Millionen Euro, die übrigen sechs Vorstandsmitglieder kassierten zwischen 7,3 Millionen und 7,7 Millionen Euro. Auch der Milliardär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kassierte ordentlich ab: 850.000 Euro für die Aufsehertätigkeit.

Personalvorstand Horst Neumann rechtfertigte die enorm hohen Gehälter, die an die Bezüge von Bankmanagern vor der Krise erinnern. "Ich glaube, das Vergütungssytem ist angemessen und auf den Erfolg von Volkswagen bezogen", sagte er.

Europas größter Autohersteller hatte 2011 einen Rekordgewinn von mehr als 15 Milliarden Euro netto eingefahren. Der weitaus größte Teil der Bezüge ist erfolgsabhängig. VW verzichtet auf die umstrittenen Aktienoptionen für Manager. Neumann sagte, der Winterkorn-Vorgänger Bernd Pischetsrieder habe noch Platz 19 unter den Chefs der Dax-Unternehmen eingenommen. Inzwischen sei der VW-Chef auf Platz eins "mit einem ordentlichen Anstieg".

Winterkorn wies den Vergleich mit Bankern zurück: "Dieses Ergebnis ist ein real erwirtschaftetes Ergebnis", sagte er mit Blick auf die Papiergewinne vieler Geldhäuser.

kst/dpa/rtr

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