Mittwoch, 24. Juli 2019

Trotz Spritschock Autofahrer verschmähen Elektroautos

Verzicht auf das Auto: Für die junge, urbane Smartphone-Generation in unseren Großstädten kein Problem

Das Elektroauto ist die Hoffnung einer ganzen Branche, doch die Käufer wollen sie selbst in der Not nicht haben. Das zeigt jetzt eine weltweite Umfrage: Statt sich ein Elektroauto anzuschaffen, erwägen viele Fahrer bei weiter steigenden Spritpreisen ganz auf das eigene Fahrzeug zu verzichten.

Hamburg - Die Situation scheint auf den ersten Blick paradox: Während die deutschen Autohersteller von einem Absatz- und Gewinnrekord zum nächsten fahren, stöhnen die deutschen Autofahrer an der Tankstelle wie lange nicht mehr. Auch hier gibt es täglich neue Rekorde: beim Spritpreis.

Allmählich droht der teure Kraftstoff allerdings doch zum Problem für die Autobauer zu werden - und das nicht nur in Deutschland. Die Bereitschaft, sich komplett vom eigenen Fahrzeug zu verabschieden, könnte in den kommenden Jahren erheblich zunehmen. Selbst das Elektroauto erscheint vielen Befragten nur als Alternative, wenn von staatlicher Seite entsprechende Anreize geschaffen werden.

Das ist eines der Ergebnisse, zu denen eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und der ESB Business School Reutlingen kommt, für die rund 3000 Personen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Singapur befragt wurden und die manager magazin Online exklusiv vorliegt.

Für ihre Studie "The Future of Mobility - what drives the Change?" wollten die Studienautoren wissen, wie sich die Entwicklung des Spritpreises sowie verschiedene Anreize und Sanktionen auf das Mobilitätsverhalten bis zum Jahr 2030 auswirken. Wie also schlagen sich etwa eine Autobahnmaut für Pkw, Zufahrtsbeschränkungen für Städte, finanzielle Förderung von Elektroautos oder ein besser ausgebauter öffentlicher Nahverkehr im individuellen Nutzungsverhalten nieder?

40 Prozent verzichten ganz

Dazu entwickelten die Autoren zwei Szenarien: Ein moderates, das unter anderem von einem Spritpreis von 2,50 Euro je Liter bis zum Jahr 2030 und einem besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr ausgeht. Das zweite, aggressivere Szenario unterstellt einen Spritpreis von 4 Euro sowie weitere Belastungen wie eine City- und eine Autobahnmaut, wobei "auch dieses Szenario aus unserer Sicht keineswegs unrealistisch oder besonders schwarzmalerisch ist", wie Oliver-Wyman-Partner Matthias Bentenrieder betont.

Das Ergebnis: Zwar bleibt das Auto auch in Zukunft das wichtigste Transportmittel. Je nach Szenario würden allerdings bis zu 40 Prozent der Befragten künftig auf ein eigenes Auto verzichten. Dabei sind die Unterhaltskosten zwar der Haupttreiber für den Stimmungswandel, aber bei weitem nicht der Einzige. "Die Studie zeigt auch, dass vor allem junge Menschen keinen so großen Wert mehr auf das eigene Fahrzeug legen wie frühere Generationen", sagt Oliver-Wyman-Experte Bentenrieder. "Diese junge, urbane Smartphone-Generation ist es auch, die den Wandel der Industrie treiben wird."

So zeigt sich etwa, dass vor allem in städtischen Regionen schon jetzt die Bereitschaft, ganz auf das Auto zu verzichten oder ein kleineres als bisher zu fahren, relativ hoch ist. Wollen die Autohersteller dagegenhalten so empfiehlt Bentenrieder, sollten sie sich schon jetzt intensiv mit neuen Mobilitätskonzepten beschäftigen und auch Gadgets, wie die inzwischen weit verbreiteten Smartphones in ihre Konzepte einbinden. "Das Interesse, die eigenen Wegstrecken mit Hilfe des Smartphones zu planen, ist hoch", sagt Bentenrieder.

Wer hingegen bisher davon ausging, dass diejenigen, die auf ihr konventionelles Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verzichten, sich stattdessen automatisch ein Elektroauto anschaffen, könnte sich getäuscht sehen. Hier spielen vor allen Dingen die Anreize, die in den Händen von Staat und Kommunen liegen, eine entscheidende Rolle. So würden etwa bei einem unterstellten Spritpreis von 2,50 Euro nur 23 Prozent der Befragten auf ein Elektroauto umsatteln. Würden Städte hingegen künftig nur noch E-Mobilen die Zufahrt in die Zentren gestatten, steigt der Wert auf 36 Prozent.

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