Pumpspeicher Volkswagen erwägt Kraftwerksbau im Harz

Europas größten Autokonzern zieht es auch ins Energiegeschäft. Volkswagen untersucht die mögliche Nutzung aufgegebener Bergwerke im Harz für Pumpspeicher. So könnte Strom aus erneuerbaren Quellen effizienter genutzt - und die geplante Elektroautoflotte besser vermarktet werden.
Großinvestition in Sicht: Bergwerksschacht Wiemanssbucht in Bad Grund

Großinvestition in Sicht: Bergwerksschacht Wiemanssbucht in Bad Grund

Foto: dapd

Wolfsburg - Der Volkswagen-Konzern erwägt den Einstieg in ein gigantisches Pumpspeicherprojekt im Harz. Nach den Plänen soll ein stillgelegtes Bergwerk für mehr als 100 Millionen Euro zum Speichern überschüssiger elektrischer Energie umgebaut werden. "Volkswagen unterstützt im Rahmen des geplanten Ausbaus regenerativer Energieformen die Machbarkeitsstudie für ein Pumpspeicherkraftwerk im Harz", erklärte Firmensprecherin Ines Roessler am Dienstag.

Die Pläne beruhen auf einer Untersuchung des Energieforschungszentrums Niedersachsen (EFZN) in Goslar. Die Ingenieure hatten festgestellt, dass alte Bergwerke sich generell als Pumpspeicher für Elektrizität eignen. Allein im Harz gebe es mehr als zehn denkbare Standorte. "Zu dem in Deutschland grundsätzlich geplanten Ausbau an erneuerbaren Energieträgern sind auch entsprechende Energiespeicher notwendig, deshalb prüft Volkswagen  dieses Vorhaben", sagte die VW-Sprecherin.

Die konzerneigene Volkswagen Kraftwerk GmbH wird sich an einer Wirtschaftlichkeitsberechnung beteiligen. Dies sei die Vorstufe zur Gründung einer Projektentwicklungsgesellschaft, teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode am Dienstag in Clausthal-Zellerfeld mit. Der FDP-Politiker stellte dort die bisherigen Ergebnisse der vom Land mitgetragenen "Initiative Zukunft Harz" (IZH) vor. Das Land ist Großaktionär des Konzerns. An der Initiative sind neben dem Land Niedersachsen die Kreise Goslar und Osterode, die Agentur für Arbeit und die Unternehmensberatung McKinsey beteiligt.

In einem Pumpspeicherwerk wird in Zeiten mit Stromüberschuss Wasser in ein hochgelegenes Becken gepumpt. Wenn wieder Strom gebraucht wird, fließt das Wasser in Turbinen und erzeugt Elektrizität. Volkswagen will ab 2013 im großen Stil Autos mit Elektroantrieb vermarkten.

Volkswagen hatte schon erklärt, der Konzern wolle mittelfristig 600 Millionen Euro in erneuerbare Energien stecken. Die Konzerntochter Audi hat bereits ein erstes Projekt laufen: Der Hersteller aus Ingolstadt beteiligt sich an vier Windrädern in der Nordsee. Mit dem Windstrom sollen später Audi-Elektrofahrzeuge angetrieben werden. Audi will damit dem Vorwurf entgehen, Stromfahrzeuge würden mit Elektrizität aus umweltschädlichen Kohlekraftwerken oder Atomkraftwerken geladen.

Volkswagens Stromgeschäft: Energiewald, Windräder, Zuhausekraftwerke

Volkswagen selbst ist in kleinerem Maßstab seit Jahren bei der Erzeugung von Öko-Strom dabei: Im Werk Emden wächst auf 400.000 Quadratmetern ein sogenannter Energiewald aus Pappeln und Weiden, der später als Biomasse umweltfreundlich Wärme erzeugen soll. Außerdem drehen sich in dem Werk direkt am Meer elf Windräder. Zudem bietet der Konzern gemeinsam mit dem Ökostromanbieter Lichtblick "Zuhausekraftwerke" an, kleine gasgetriebene Blockheizkraftwerke für den Heimbetrieb.

Manager des Konzerns denken darüber nach, ob Fahrzeug und die Stromversorgung in einer Paketlösung angeboten werden können. Dazu müsste der Strom CO2-frei mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt werden.

Ein Pumpspeicherwerk wie die geplante Anlage im Harz würde das einfacher machen: Ökoenergie wie etwa Windstrom fällt auch nachts an, wenn der deutsche Stromverbrauch niedrig ist. Anstatt die Windräder anzuhalten, könnte dieser Nachtstrom zum Füllen der unterirdischen Pumpspeicherbecken genutzt werden. Am Tag dann fließt das Wasser in den alten Bergwerksschächten in die Tiefe und erzeugt wieder Strom.

Ein unterirdisches Pumpspeicherwerk würde außerdem das Landschaftsbild nicht stören und weniger Bürgerproteste auslösen als etwa neue Hochspannungsleitungen. Nach den Plänen des EFZN würde der Umbau eines alten Bergwerks 150 bis 200 Millionen Euro kosten. So ein Pumpspeicher könnte 40.000 Haushalte einen Tag lang mit Strom versorgen. Ein möglicher Standort wäre der Schacht Wiemannsbucht in Bad Grund.

ak/dapd/dpa-afx