Sonntag, 26. Januar 2020

Lkw-Hersteller Wie Daimler gegen Dongfeng besteht

Kampf der Kulturen im Lkw-Markt: Daimler, MAN und Volvo müssen aufrüsten, um gegen Dongfeng und Tata zu bestehen. Autoexperte Nikolaus Lang sagt, was ein Schwellenland-Truck leisten muss - und warum Russland künftig der vielleicht attraktivste Wachstumsmarkt sein wird.

mm: Herr Lang, Sie prognostizieren dem Lkw-Markt einen Kampf der Kulturen. Die etablierten westlichen Truck-Hersteller werden künftig direkt mit den aufstrebenden Konzernen aus China, Indien und Russland konkurrieren. Dass bedeutet Daimler Börsen-Chart zeigen gegen Dongfeng und Volvo gegen Tata. Wer wird diesen Wettbewerb gewinnen?

Lang: Diese Frage kann ich Ihnen erst in fünf oder zehn Jahren beantworten. Aber in der Tat werden erstmals die Daimlers, Volvos, Scanias und MANs dieser Welt gegen die Dongfengs und Tatas mit vergleichbaren Trucks gegeneinander antreten. Bislang hatten die einen teure Premium-Lkw und die anderen weit billigere Lowtech-Fahrzeuge. Das Schlachtfeld der Zukunft wird jedoch ein neues, mittleres Marktsegment sein.

mm: Trucks, die es noch gar nicht gibt?

Lang: Doch, die ersten Modelle sind auf dem Markt. Ein gutes Beispiel ist der von MAN in Brasilien gebaute Constellation. Der indische Tata-Konzern bietet seit 2009 den Prima an, Dongfeng aus China seit 2007 den Kinland, und Daimler bringt in diesem Jahr den speziell für Indien entwickelten Bharat Benz auf den Markt. Aber die eigentliche Wachstumsstory beginnt gerade erst; und sie wird extrem temporeich verlaufen.

mm: Das hört sich an, als stünde ein lukrativer Markt zur Verteilung...

Lang: Exakt. Die Bric-Staaten...

mm: ...also Brasilien, Russland, Indien und China...

Lang: ... diese Staaten haben natürlich schon heute eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Truck-Hersteller. Die globalen und lokalen Konzerne haben dort 2010 fast 60 Prozent ihres kumulierten Gewinns erwirtschaftet. Jetzt steht in diesen Ländern allerdings ein fundamentaler Marktumbruch bevor - und damit ergeben sich auch ganz neue Chancen: 2020 werden dort rund 70 Prozent aller verkauften Trucks aus dem neuen Midmarket-Segment kommen. Weltweit prognostizieren wir einen Anteil von 44 Prozent. Einen solchen Multimilliarden-Markt sollte niemand ignorieren.

mm: Was unterscheidet diese neuen Trucks von den Billig-Lkw, die bislang die Straßen Indiens oder Chinas dominieren?

Lang: Sie bieten mehr Komfort, haben stärkere Motoren, folgen den neuen Emissionsstandards und sind sparsamer. Die Kunden in den Emerging Markets werden in den kommenden Jahren deutlich anspruchsvoller werden. Der Tata Prima zeigt, wie die regionalen Anbieter das Thema angehen. Die Inder wollten beispielsweise einen komplett neuen Truck. Also haben sie Pininfarina, die unter anderem auch für Ferrari designen, damit beauftragt, die Kabine des Prima zu entwerfen. Der Motor kommt vom amerikanischen Zulieferer Cummins, das Getriebe von ZF Friedrichshafen. Das Ergebnis ist ein Modell irgendwo zwischen einem MAN Börsen-Chart zeigen und einem alten Tata Börsen-Chart zeigen .

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