Sonntag, 15. Dezember 2019

Elektroauto Ampera Opels letzter Trumpf

Bei Opel läuft es derzeit alles andere als rund. Immerhin rollt endlich das Elektroauto Ampera auf die Straße. Der Wagen verkauft sich offenbar zufriedenstellend - und könnte damit dem Schwestermodell Chevrolet Volt helfen, der in den USA ins Zentrum einer bizarren Debatte geraten ist.

Hamburg - Das Jahr hatte nicht schlecht begonnen für Opel. Tausende potenzielle Kunden stürmten die Höfe der Händler, als die Rüsselsheimer im Januar ihre neuen Modelle vorstellten. Von einem "Andrang wie seit Jahren nicht mehr" sprachen manche Verkäufer und hatten den Grund dafür schnell ausgemacht: den Ampera, das Elektroauto mit benzinbetriebenem Reichweitenverlängerer.

Inzwischen kreist das öffentliche Interesse wieder um die wirtschaftlichen Probleme des Herstellers. Die Rede ist von einem Milliardenverlust im vergangenen Jahr, die Mitarbeiter fürchten die Schließung mehrerer Werke in Europa.

Umso stärker hofft die Unternehmensführung auf den Erfolg des Ampera. Zumindest als Imageträger könnte der Wagen Opel wieder nach vorn bringen. "Der Ampera ist ein Flaggschiff für uns, weil er die Ingenieursleistung im Unternehmen herausstreicht", sagt der Direktor für E-Mobilität im Unternehmen, Enno Fuchs, gegenüber manager magazin online.

Ab dieser Woche werden seinen Worten zufolge die ersten Amperas an die Kunden ausgeliefert. Der Modellstart hatte sich um vier Wochen verzögert, weil 200 dafür geschulte Mechaniker die bisher 2500 nach Europa verschifften Fahrzeuge nachrüsteten. Ein zusätzliches Blech soll die Batterie besser von entzündlichen Flüssigkeiten im Auto abschirmen.

Feindbild der US-Republikaner

Im Herbst hatte das Ampera-Schwestermodell Chevrolet Volt vom Mutterkonzern General Motors Börsen-Chart zeigenNegativschlagzeilen in den USA gemacht. Drei Wochen nach einem Crashtest war das Auto in Flammen aufgegangen. Es wird in derselben Detroiter Fabrik produziert wie der Ampera.

Nach dem Vorfall entbrannte in den USA eine hysterische Debatte um die Sicherheit von Elektroautos, die auch für Opel ärgerlich ist. Dabei wurde weitgehend übersehen, dass von gefüllten Benzintanks eine weit größere Feuergefahr ausgeht als von Batterien. "In der Debatte werden Äpfel mit Birnen verglichen", sagt Autoexperte Eric Heymann von DB Research.

Auch die Euphorie um den Ampera in Europa kühlte nach den Berichten um den brennenden Volt jedoch etwas ab. "Eine derart irrationale Debatte ist gefährlich, weil viele Menschen noch wenig über Elektroautos wissen", sagt Opel-Manager Fuchs. "Das ist nicht nur für General Motors und Opel ein Risiko. Auf diese Weise könnte die gesamte Technologie in Verruf geraten".

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