Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kriselnder Autohersteller Warum der Druck auf Opel weiter steigt

Opel-Werk in Bochum: Steht schon seit langem auf der internen Abschussliste der GM-Manager

Wenige Tage vor der Präsentation der Jahreszahlen schießt General Motors wieder einmal scharf gegen seine defizitäre Tochter Opel. Doch Drohungen über mögliche Werksschließungen sind alles andere als leer - trotz aller Dementis des Betriebsrats.

"Wir alle stellen uns darauf ein, dass wir Opel wieder auf die Erfolgsspur bringen müssen." Fast schon flehentlich klingen die Worte eines Opel-Insiders, mit denen er die Gerüchte um mögliche Werksschließungen gegenüber manager magazin online kommentiert.

Acht Tage vor Bekanntgabe seiner Jahreszahlen hat General Motors (GM) wieder seiner kriselnden Europa-Tochter Opel vor den Bug geschossen. Gegenüber dem Wall Street Journal sprach ein GM-Manager von einem "horrenden Verlust", den Opel im vierten Quartal geschrieben habe. Man habe das Gefühl, dass die Einschnitte vor zwei Jahren "nicht annähernd tief genug gingen", so der Manager weiter. Nun sollen laut dem Bericht auch Werksschließungen zur Diskussion stehen. Neben dem britischen Standort Ellesmere Port stehe auch das Werk Bochum mit 3100 Mitarbeitern zur Disposition.

Der Opel-Gesamtbetriebsrat weist dies zwar zurück und pocht darauf, dass bis Ende 2014 Kündigungen ausgeschlossen seien. Doch dass es bei Opel schon seit einigen Monaten kräftig im Gebälk knirscht, ist trotz aller Beschwichtigungsrufe aus der Opel-Zentrale kaum mehr zu überhören. Und die Zeichen mehren sich, dass GM bei Opel bald deutlich härter als bisher durchgreift.

Denn während der Autoriese GM dank guter Absatzzahlen in China und Nordamerika hohe Gewinne schreibt, kommt Opel trotz aller Sanierungsbemühungen nicht aus den roten Zahlen. Im November 2011 kassierte GM seine ursprüngliche Prognose, dass Opel im Gesamtjahr 2011 Gewinne schreiben werde. Von Januar bis September vergangenen Jahres hat GM Europe einen Verlust von 590 Millionen Dollar vor Steuern und Zinsen angehäuft, während der Gesamtkonzern im selben Zeitraum einen Gewinn von 7,1 Milliarden Dollar anhäufte. Für das Gesamtjahr 2011 dürfte GM einen Rekordgewinn von acht Milliarden Dollar ausweisen - während Opel als einzige Tochter Verluste schreiben wird.

Trotz Sanierung behielt Opel zu viele Standorte

Bereits im November nannte GM-Chef Dan Akerson das Abschneiden in Europa "nicht tragbar und nicht akzeptabel". GMs Chefstratege Steven Girsky forderte daraufhin, dass Opel einen neuen Sanierungsplan entwickeln müsse. Der alte Plan sei "offensichtlich nicht gut genug, schließlich verlieren wir weiter Geld", befand Girsky damals. Und GM-Finanzchef Dan Ammann gab auf die Frage nach einem weitergehenden Stellenabbau salomonisch zu Protokoll: "Wir schließen nichts aus, wir müssen das Gesamtbild im Auge behalten".

Opels Hauptproblem erklärt ein Insider gegenüber manager magazin online so: "Der Turnaround-Plan von Opel im Jahr 2010 basierte auf dem Verkaufsplan an Magna. Das war kein Sanierungskonzept." Im Klartext: Trotz des Abbaus von 8000 Stellen und der Schließung des Werks Antwerpen hat Opel damals zu viele Standorte behalten, um in einem schrumpfenden europäischen Automarkt zügig Gewinne zu schreiben.

Zwar gelten die GM-Werke in Europa mittlerweile als durchaus wettbewerbsfähig. Doch im europäischen Vergleich sind Werke wie Bochum mit einer Kapazität von jährlich 160.000 Fahrzeugen zu klein. " Peugeot oder Ford bauen in weniger Werken genauso viel Autos wie Opel", meint der Branchenkenner.

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