Fotostrecke

Fotostrecke: Saabs kantige Autoklassiker

Foto: Saab Automobile

Insolvente Kult-Automarke Saabs Sturzflug lockt die Geier an

Bei Saab geht es ans Allerheiligste: Der schwedische Insolvenzverwalter versteigert das firmeneigene Automuseum. Saab-Fans hoffen auf nationale Investoren für die Auto-Juwelen. Zudem sind zwei mögliche Bieter aufgetaucht. Doch ihre Chancen sind denkbar schlecht.

Hamburg - Kurz vor Mittag war der Himmel im schwedischen Trollhättan bedeckt, die Temperatur lag knapp unter null Grad. Das passte zur düsteren Befindlichkeit der verbliebenen Belegschaft in der Saab-Zentrale. Bis 12:00 Uhr nahm der Insolvenzverwalter Delphi/Wistrand Angebote für einen Teil von Saabs Kronjuwelen entgegen: Das firmeneigene Automuseum.

Am 19. Dezember vergangenen Jahres musste das Traditionsunternehmen Insolvenz beantragen. Um Geld in die Kassen der Gläubiger zu spülen, wird die Sammlung mit 120 historischen Fahrzeugen versteigert. Jahrzehntelang hat das Saabmuseum Wagen aus verschiedenen Baureihen gesammelt. Dazu zählen Meilensteine der schwedischen Automobilgeschichte wie der Ur-Saab von 1946, den den Angestellte des damaligen Flugzeugherstellers per Hand zusammenschraubten. Auch Showcars wie die Studie Saab AeroX aus dem Jahr 2006 sind darunter, ebenso wie zwei Roadster vom Typ Saab Sonett 1 aus dem Jahr 1956, die für Langstreckenrennen entwickelt wurden.

Der schwedische Saab-Oldtimerverein bezeichnete die Versteigerung vor kurzem als eine "nationale Katastrophe". Denn der Sammlung droht ebenso wie dem Autobauer selbst die Zerschlagung. Einzelne Stücke gelten als besonders wertvoll: So hat etwa Ur-Saab schwedische Designgeschichte geschrieben und soll Schätzungen zufolge mindestens zwei Millionen schwedische Kronen (rund 230.000 Euro) wert sein.

Letztes Aufbäumen der Saab-Fans

Laut einem Bericht von Zeit Online hoffen die Saab-Fans nun auf das Nationalmuseum in Stockholm. Medienberichten zufolge interessiert sich das Museum zumindest für den Ur-Saab, möglicherweise auch für die gesamte Sammlung.

Und auch ein zweiter Bieter für die automobilen Kronjuwelen wird immer wieder genannt: Das Unternehmen Innovatum, das in Trollhättan einen Technolgiepark betreibt. Doch letztlich liegt die Entscheidung für den Zuschlag bei dem Insolvenzverwalter.

Derweil sorgen Saab-Fahrer weltweit mit ungewöhnlichen Aktionen für Aufsehen. Die Kultmarke hat seit Jahren eine besonders treue Fangemeinde, die sich im Internet über Saabsunited.com organisiert, eine von dem Deutschen Tim Drescher betriebene Website. Bislang 100 Kundgebungen von Saab-Fans in insgesamt 39 Ländern gab es bisher, brüstet sich Saabsunited.com. Selbst angesehene US-Medien wie USA Today oder die Chicago Tribune berichteten über die Protest-Corsofahrten der Saab-Fans.

Zwei neue Saab-Bieter tauchen auf

Ein wenig Hoffnung für die Marke schöpfen die Saab-Anhänger aus zwei Meldungen: Zum einen plant der türkische Finanzinvestor Brightwell Holdings Agenturberichten zufolge ein Gebot für Saab. Das Unternehmen will, wenn es zum Zug kommt, Saab komplett kaufen und die Produktion in Schweden belassen.

Zum anderen soll auch der chinesische Autohersteller Youngman Lotus ein Angebot für Saab vorbereiten, das kommende Woche vorliegen soll. Brightwell benötigt aber noch mindestens zwei Wochen, um eine Offerte zu erstellen, sagte der Brightwell-Vorstand Zamier Ahmed der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Doch beide Bieter müssten dafür eine Hürde überwinden, die bislang jeden angeblichen Saab-Verkauf scheitern ließ: Sie benötigen für den Kauf die Zustimmung der ehemaligen Saab-Mutter General Motors (GM). Alle Verkaufspläne scheiterten daran, dass GM Angst um seine in Saab-Autos verwendete Technologie hat.

GM will Technologien nicht lizensieren

Bislang deutet nichts darauf hin, dass GM seinen Standpunkt hier verändert. Das zeigt auch ein Gespräch, dass die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet mit dem für Saab zuständigen GM-Manager James Cain führte. GM führe mit niemandem Gespräche über Saab und werde die Technologie an keinen Käufer lizensieren, meinte Cain gegenüber der Zeitung.

Der einzige Hoffnungsschimmer, den die Zeitung bieten konnte: Das dürfte für das kleinere Saab-Modell 9-3 in geringerem Umfang gelten als für das größere Modell mit der Bezeichnung 9-5. Doch aus GM-nahen Kreisen hieß es gegenüber manager magazin Online: "Man muss sich absichern, dass bei einem eventuellen Verkauf von Saab keine Rechte in Hände übergehen, die uns schaden könnten."

Mit einem einzigen Modell die Zeit zu überbrücken, bis von GM unabhängige Modellreihen marktreif sind, klingt nicht gerade nach einem realistischen Rettungsplan. Da können die Saab-Fans noch so viele Beistandsfahrten in aller Welt organsieren, am bedauernswerten Zustand von Saab ändert das nichts.

Die Entwicklung einer komplett neuen Modellgeneration für den Weltmarkt kostet zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro, meinen Experten. Dieses Geld hat Saab nicht - und wird es wohl auch niemals haben. Die endgültige Zerschlagung von Saab rückt damit immer näher, wenn GM nicht doch noch im allerletzten Moment eine Kehrtwendung macht. Das die Amerikaner so etwas können, haben sie beim Rückzieher vom Opel-Verkauf bewiesen. Doch die Chancen für Saabs Überleben sind marginal.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.