Dienstag, 10. Dezember 2019

Autohersteller Volvos chinesische Wiederauferstehung

Volvo-Kombi V50: Sparsamere Motoren und rundlicheres Design sorgen für Absatzschub

Von wegen alter Schwede: Mit frischem Design, einer pfiffigen Positionierung und Geld aus China kam Volvo im Rekordtempo wieder auf die Beine. Nun bereiten die zum Geely-Konzern gehörenden Skandinavier den Angriff auf Daimler und Co. vor. Doch der Weg zurück in die Oberliga ist schwierig.

Hamburg - Concept You - das könnte der Titel eines Ratgeber-Buches sein, das Menschen zu einem erfolgreichen, unabhängigen Leben verhelfen soll. Dabei ist die seltsame Bezeichnung Namensgeber für Volvos neues Konzeptauto, das der Autohersteller auf den Automessen in Frankfurt und Detroit präsentierte.

Knapp fünf Meter lang ist die Luxuslimousine, die im Inneren auf zahlreiche Touchscreens, helle Hölzer und handgeknüpfte Teppiche setzt. Außen erscheint das coupéartige Fahrzeug stromlinienförmig rundlich, die Frontpartie behält aber den klassischen Volvo-Look. "Die Studie gibt einen Ausblick darauf, wie sich Volvo eine zukünftige Premium-Limousine vorstellt", sagt Volvo-Chef Stefan Jacoby über die Kreation seiner Designer.

Doch der Name deutet auch an, was die Automarke wohl auch für sich selbst erhofft: Vom einstigen Problemkind zum unabhängigen und erfolgreichen Autohersteller in der Premium-Liga aufzusteigen.

Einen Zehn-Punkte-Plan für garantierten Erfolg, wie ihn Ratgeber-Autoren gerne präsentieren, muss Jacoby glücklicherweise nicht aus dem Ärmel schütteln. Doch die Studie zeigt die Richtung auf, in die der einst zu Ford Börsen-Chart zeigen gehörende Autobauer unter seinem neuen chinesischen Eigentümer Geely fährt. Die Mission ist klar: Volvo soll sich einen festen Platz in der Auto-Oberliga zurückerobern.

Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Volvos neue Modelle kommen bei den Kunden gut an. In nicht einmal einem Jahr ist Volvo in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Mit seinem früheren Eigentümer pflegt Volvo anders als die einstige Kultmarke Saab ein freundschaftliches Verhältnis. Geely lässt seinem Neuerwerb freie Hand bei der Entwicklung neuer Modelle und stattet die Schweden mit dem notwendigen Kapital aus. Die neue Führung rund um den Deutschen Jacoby, einem ehemaligen VW-Manager, krempelt den Autohersteller gehörig um. Doch über den Berg ist Volvo noch nicht: Denn ein einziger Fehltritt kann die Schweden wieder ins Straucheln bringen.

Bemerkenswerte Kehrtwende mit geschickter Positionierung

Im vergangenen Jahr haben die Schweden jedenfalls vieles richtig gemacht. Weltweit stieg der Absatz um 20 Prozent auf 450.000 Fahrzeuge, laut eigenen Angaben schrieb Volvo im Gesamtjahr schwarze Zahlen. Auch die Deutschen finden wieder Gefallen an den Autos aus Schweden, die seit 2010 zum chinesischen Autohersteller Geely gehören. Um 31 Prozent legten die Volvo-Neuzulassungen im Jahr 2011 zu. Mit 34.000 verkauften Fahrzeugen ist Deutschland für Volvo der viertgrößte Absatzmarkt.

Damit gelang Volvo eine bemerkenswert schnelle Kehrtwende. Denn bis vor kurzem galten die Volvo-Autos als sperrige Exoten. Das Design der Schweden fiel auf, war aber vielen Interessenten zu kantig und zu avantgardistisch. Die Folge: Unter Fords Ägide schrieb Volvo lange rote Zahlen. Im Zuge der Finanzkrise entschied sich Ford, seine kränkelnde Luxustochter zu verkaufen. Für 1,8 Milliarden Dollar ging Volvo im August 2010 an den chinesischen Autohersteller Geely. Seither hat sich bei Volvo vieles verändert - am augenfälligsten beim äußeren Erscheinungsbild der Fahrzeuge.

Anfang vergangenen Jahres verpasste Volvo seiner Mittelklasse-Limousine S60 und dem Kombi-Ableger V60 sparsamere Motoren und ein rundlicheres Äußeres. In der zweiten Jahreshälfte setzte Volvo die Frischzellenkur bei dem Oberklassekombi V70 und den Crossover-Geländewagen XC60, XC70 und XC90 fort. Geschickt hat sich Volvo auch als besonders umweltfreundlich vermarktet - mit Start-Stopp-Systemen und Bremsenergierückgewinnung, die unter dem Kürzel "Drive" zusammen mit sparsamen Motoren verkauft werden.

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