Donnerstag, 5. Dezember 2019

Interessenwandel US-Autobosse fürchten automüde Teenager

Interessenwandel: US-Autobosse fürchten automüde Teenager
Corbis

2. Teil: Hohe Schulden, wenig Ersparnisse, zugeknöpfte Banken

Einen weiteren Aspekt bringt der amerikanische Soziologe Rich Ling ins Spiel. Er hat sich auf Smartphone-Kommunikation spezialisiert und ist mit seiner Familie nach Kopenhagen umgezogen. Ling weist auf die verstärkte Wanderung junger Menschen zurück in die Ballungszentren hin. Dort gibt es mehr öffentliche Verkehrsmittel. Das lässt die relativen Vorteile des Autos in vielen Fällen geringer erscheinen. "Dänemark hat so viele Busse und Straßenbahnen", sagt Ling, "junge Leute haben es dort mit ihrem Führerschein nicht so eilig".

In der Zipcar-Untersuchung wird als Begründung für den sichtbar nachlassenden Autowunsch vor allem die jüngste Rezession angegeben. "Die 'Generation Y' sieht sich mit großen finanziellen Herausforderungen, enormen Schulden und wenig Ersparnissen konfrontiert", so Zipcar. Die Zahlen, die als Beleg herangezogen werden, sind erdrückend:

37 Prozent der 18- bis 29-jährigen waren in der großen Rezession unterbeschäftigt oder arbeitslos. Das ist der höchste Prozentsatz in dieser Altersgruppe seit drei Jahrzehnten. Mehr noch: Nur 58 Prozent der "Millennials" zahlen ihre monatlichen Rechnungen rechtzeitig. Sechs von zehn Menschen in dieser Altersgruppe haben sich zumindest einen Teil ihrer privat angesparten Rente auszahlen lassen. Und 43 Prozent von ihnen haben nach eigenem Verständnis die Kreditkarte zu stark überzogen. Weitere beispiele gefällig?

Vier von zehn Befragten können sich keine Krankenversicherung mehr leisten. Und jene in der "Generation Y", die mit einem guten Bildungsabschluss die Chancen auf einen Job verbessern wollen, verlassen die Universitäten mit einem Schuldenberg - nach Angaben von Zipcar muss jeder Absolvent, statistisch gesehen, mit einem Berg von 23.000 Dollar Schulden in die Arbeitswelt starten. Und nur jeder vierte Absolvent hat nach Abschluss des Examens überhaupt gleich einen Arbeitsvertrag in der Tasche.

Finanziell ausgezehrte Generation

Dies ist das Bild einer finanziell ausgezehrten Generation, für die das eigene Auto kein Schritt in die Freiheit ist, sondern ein Ticket zu noch mehr Schulden. Das ist der Grund, warum in Umfragen 80 Prozent der 18- bis 34jährigen sagen, der Besitz eines Autos sei wegen hoher Benzinpreise, Parkgebühren und Wartungskosten schwierig geworden. Aus einer etwas anderen Perspektive wird dies auch vom "2011 Teens an Money Survey" des Online-Brokers Charles Schwab bestätigt. 90 Prozent aller Teenager sehen sich demnach von der großen Rezession betroffen. "Die Rezession hat die Prioritäten der Teens verändert", sagt Schwab-Vizepräsidentin Carrie Schwab-Pomerantz. "Diese Generation schätzt mehr was sie hat, und zügelt ihre Wünsche nach dem, was sie will".

Natürlich spielt auch die striktere Kreditvergabe vieler Banken eine Rolle. Es werden mehr Sicherheiten und öfter auch eine etablierte Bonität verlangt. Aber wer hat die schon, wenn er für sein Einsteigerauto erstmals einen Kredit aufnehmen will? Mehr noch: Die Motivation, in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine eigene Firma zu starten, hat nachgelassen. Die Selbständigkeit ist aber in vielen Fällen der Auslöser für die Anschaffung eines PKW.

Verschiedene Experten weisen zudem darauf hin, dass die Mobilität junger Menschen insgesamt nachzulassen scheint. Wer es schwerer hat einen Job zu finden, wohnt öfter zuhause bei den Eltern. Wer zunehmend über Facebook und andere soziale Plattformen kommuniziert, muss weniger fahren. Laut dem US-Verkehrsministerium hat der Anteil der Kilometer, die Amerikaner zwischen 21 und 30 Jahren im Auto zurücklegen, als Prozentsatz der landesweiten Fahrleistung nachgelassen, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe seit 2001 zugenommen hat; er stieg von 13,3 Prozent auf 13,9 Prozent. Dennoch bestritt diese Altersgruppe nach 18,3 Prozent aller gefahrenen Kilometer im Jahr 2001 zuletzt nur noch 13,7 Prozent.

Auch Umwelterwägungen scheinen eine wachsende Rolle beim Teilverzicht auf das Auto zu spielen. Unter den 18- bis 34-jährigen in den USA signalisierten in der Zipcar-Studie 16 Prozent, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten bewusst versucht, weniger das Auto zu benutzen und stattdessen häufiger auf das Fahrrad, die S-Bahn oder eine Mitfahrgelegenheit umzusteigen. Und auf die Frage, ob sie manchmal lieber Online mit ihren Freunden sprechen anstatt zu ihnen zu fahren, signalisieren 23 Prozent der 18-34jährigen "starke Zustimmung". Das sind mehr als drei Mal so viele wie in der Altersgruppe der 45- bis 54-jährigen.

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