Wegen gescheiterter Übernahme Fonds klagen erneut gegen VW und Porsche

Sie haben Milliarden ihrer Anleger in den Sand gesetzt, jetzt versuchen Investmentfonds erneut vor Gericht einen Ausgleich dafür zu erstreiten: Sieben Fonds wollen mit einer neuen Klage gegen den Autobauer Porsche Schadensersatz in Höhe von knapp zwei Milliarden Euro geltend machen.
Sportwagenhersteller Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen: Klagen über Klagen gegen das gescheiterte Übernahmemanöver gegen Volkswagen

Sportwagenhersteller Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen: Klagen über Klagen gegen das gescheiterte Übernahmemanöver gegen Volkswagen

Foto: A2931 Bernd Weißbrod/ dpa

Stuttgart - Sieben Investmentfonds wollen mit einer neuen Klage gegen den Autobauer Porsche Schadensersatzansprüche in Höhe von knapp zwei Milliarden Euro geltend machen. Diese Schäden hätten sie bei dem gescheiterten Übernahmeversuch der Volkswagen AG  durch die Porsche SE  im Jahr 2008 erlitten, hieß es am Samstag in der Mitteilung einer Frankfurter Kanzlei. Eine Sprecherin erklärte, die Klage sei am Freitag beim Landgericht Stuttgart eingereicht worden.

Die beim Landgericht Stuttgart eingereichte Klage legt aus Sicht der Kläger dar, wie die Porsche SE den Preis der VW-Stammaktien kontrolliert habe, indem sie heimlich Optionspositionen aufbaute, die nahezu die gesamten frei handelbaren VW-Stammaktien erfasst hätten. Als die Porsche SE dies schließlich in einer Pressemitteilung offenlegte, habe sie damit einen Short Squeze ausgelöst, unter dem die Fonds gelitten hätten.

Die Schwaben hatten sich bei dem Versuch, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, mächtig verhoben und zunächst elf Milliarden Euro Schulden aufgetürmt. Inzwischen hat sich die Situation umgedreht: Porsche soll als eigene Marke vollständig in den VW-Konzern integriert werden. Die ursprüngliche Fusionslösung rückt aus rechtlichen Gründen jedoch in immer weitere Ferne.

In den USA und Deutschland liegen im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht bereits weitere Klagen vor. Die Sprecherin der Kanzlei sagte, einige der nun klagenden Fonds seien auch in Amerika vor Gericht gezogen. Der Vorwurf lautet stets: Enorme Kursturbulenzen aufgrund von Manipulationen und Täuschungen sollen Anleger um Millionenbeträge gebracht haben. In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem gegen ehemalige Porsche-Manager.

Klageflut gegen Porsche und Volkswagen

Vor wenigen Monaten erst war eine Schadenersatzklage von Anlegern gegen Porsche und Volkswagen bei den Stuttgartern eingegangen. Dabei geht es nach Angaben der Münchener Kanzlei CLLB um Ansprüche von knapp 1,1 Milliarden Euro. Mit dem Verfahren beschäftigt sich das Landgericht Braunschweig.

Nach Angaben der Sprecherin der Frankfurter Kanzlei blieb der Gruppe der sieben in Stuttgart klagenden Fonds kaum noch Zeit, die Klage einzureichen. "Das war nur noch in diesem Jahr möglich", erklärte sie.

Vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht wird seit Mitte Dezember zudem eine Aktionärsklage gegen die Porsche-Dachgesellschaft verhandelt. Der Verein "Verbraucherzentrale für Kapitalanleger" vertritt die Meinung, dass die Hauptversammlung 2010 den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2008/2009 zu Unrecht entlastet hat. Mit Blick auf die milliardenschweren Klagen der Fonds spielt dieser Prozess eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem versprechen sich die Gegner der Holding eine Signalwirkung für die weiteren Auseinandersetzungen.

kst/dpa/afp
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