Montag, 11. November 2019

Premiumhersteller Audi überholt Mercedes

Audi hat Mercedes auf Platz Zwei der Premium-Hersteller verwiesen.

Erstmals hat Audi mehr Autos verkauft als Mercedes und ist nun die Nummer 2 der deutschen Premium-Hersteller. Dabei profitiert die VW-Tochter von der relativen Schwäche der Stuttgarter. Doch auch Audi hat seine Probleme.

Hamburg - Es ist eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Automobilbranche: Erstmals hat Audi Konkurrent Mercedes bei den Fahrzeugverkäufen übertroffen. Audi geht von rund 1,3 Millionen verkaufter Fahrzeuge bis Ende des Jahres aus und ist entsprechend zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2011. Rund 200.000 Autos mehr als im Vorjahr bedeuten den "größten Zuwachs in der Firmengeschichte", sagt ein Audi-Sprecher.

Auch Mercedes hat nie mehr Autos verkauft als 2011 - doch der Absatz wuchs langsamer als bei der Konkurrenz. Bis November verkauften die Stuttgarter weltweit rund 1.136.000 Fahrzeuge der Kernmarke Mercedes-Benz. Dies ist ein Plus von 7,3 Prozent. Auch bei Mercedes gibt man sich sehr zufrieden mit dem Geschäftsjahr: "Schon jetzt steht fest, dass wir unser Ziel erreichen werden, im Gesamtjahr mehr Fahrzeuge zu verkaufen als jemals zuvor", sagt ein Mercedes-Sprecher. Auch der Gewinn vor Steuern und Zinsen werde deutlich über dem Vorjahresergebnis liegen.

Dennoch: Konkurrent Audi ist vorbeigezogen, Mercedes verliert Anteile auch in seinem Heimatmarkt. "Das ist immer ein Alarmsignal", sagt Arndt Ellinghorst, Leiter des Bereichs Automobil Aktienresearch bei der Credit Suisse.

Für Professor Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen ist das keine überraschende Entwicklung: "Audi ist in den letzten 15 Jahren systematisch gewachsen." Gründe für den Erfolg von Audi seien eine geschickte Modellpolitik, die gute Produktqualität und die starke Stellung in China.

Zeitlicher Vorsprung für Audi

Tatsächlich hat Audi allein auf dem chinesischen Markt rund 100.000 Autos mehr verkauft als Mercedes. Besonders beliebt bei wohlhabenden Chinesen sind die Langversionen von A4 und A6. Auch das Modell Q5 ist sehr erfolgreich. Insgesamt ist Audi mit rund 34 Prozent Marktanteil Spitzenreiter im chinesischen Premiumsegment.

Dieser Erfolg liegt auch am zeitlichen Vorsprung von Audi, das früher als andere in China aktiv war: Schon Ende der 1980er Jahre kooperierte die Volkswagen AG erstmals mit chinesischen Unternehmen. "Deshalb hinken Mercedes und BMW hinterher", sagt Dudenhöffer. Doch beide Hersteller nehmen Tempo auf: "Mercedes und BMW haben hier starke Wachstumsraten. Es wird in der Zukunft schwerer werden für Audi", sagt Arndt Ellinghorst. Außerdem werde der Wettbewerb in China härter, weil mehr Hersteller auf den Markt drängten, sagt Dudenhöffer.

Auf dem zweiten wichtigen Auslandsmarkt sind die Rollen dagegen vertauscht: Hier ist Mercedes weiter vor Audi. "VW hat den amerikanischen Markt lange nicht wahrgenommen: Ein klassischer Managementfehler", sagt Dudenhöffer. Es werde schwer für Audi, den Vorsprung von Mercedes in diesem Markt aufzuholen.

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